Es liegt schon in dem Begriff selbst, mit musikalischer Früherziehung früh zu beginnen. Am besten schon bevor das Baby überhaupt auf die Welt kommt. Die Spieluhr wird dabei auf den schwangeren Bauch gepresst, die väterlichen Lippen summen ein Liedchen auf Bauchhöhe oder die Mozart-Konzerte schallen durch Raum, Bauchdecke und Fruchtwasser. Denn einig sind sich alle: Babys lieben Musik. Doch was sie wann damit anfangen können, darüber herrscht Uneinigkeit.
Während ein Teil der Forscherwelt davon überzeugt ist, dass Kinder vermutlich erst innerhalb der ersten zwölf Monate ihres Lebens Musik kennen und verstehen lernen, glaubt eine andere Gruppe, das Verständnis für Töne, Klänge und Melodien liege in den Genen.
Jetzt haben Wissenschaftler um den Psychologen Istvan Winkler von der Ungarischen Akademie der Wissenschaften in Budapest einen neuen Hinweis darauf gefunden, dass Vererbung tatsächlich eine wichtige Rolle spielen könnte. Denn wie das Team im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichtet, sind Kinder offenbar schon kurz nach ihrer Geburt in der Lage, Rhythmen zu erkennen.
Für ihre Untersuchung spielten sie 14 Neugeborenen ein Klangensemble aus Trommel, Bass und dem Hi Hat (Beckenpaar) eines Schlagzeugs vor. Die Babys schliefen währenddessen, doch die Forscher konnten anhand der Hirnaktivität der Kinder messen, wie sie unbewusst auf die Musiksequenzen reagierten.
Die Wissenschaftler schließen aus ihren Untersuchungen, dass die Fähigkeit, Rhythmen zu erkennen, schon bei der Geburt bestehen muss. "Das Hörsystem von Neugeborenen ist offensichtlich empfänglich für Periodizität und entwickelt Erwartungen darüber, wann ein Zyklus neu startet", schreiben die Forscher. Obwohl sie die Vorstellung, dass die Kinder schon im Bauch der Mutter einiges über Musik lernen, für möglich halten, folgern sie aus ihrer Studie, dass das Verständnis von Musik in den Genen liegt.
hei
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Mensch | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH