Mittwoch, 10. Februar 2010

Wissenschaft



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28.01.2009
 

Erfundenes Musiker-Leiden

"Cello-Hoden" war nur ein Jux

Mit dem "Cello-Hoden" hat eine Britin 34 Jahre lang die Fachwelt genarrt. Jetzt stellt sich heraus: Die Krankheit war erfunden. Die Medizinerin, die den Bericht darüber 1974 in einem renommierten Magazin veröffentlichte, hatte sich einen Jux erlaubt.

Das "British Medical Journal" ("BMJ") gilt als eine der angesehensten medizinischen Fachzeitschriften überhaupt. Das macht es mitunter auch zur Zielscheibe für allerlei Späße. Normalerweise werden nicht ernst gemeinte Zuschriften aussortiert, aber offensichtlich hat die "BMJ"-Redaktion Spaß-Einsendungen nicht immer als solche erkannt.

Cello-Spieler (Paavo Lötjönen von der Band Apocalyptica): Keine Gefahr einer Hodenreizung
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DDP

Cello-Spieler (Paavo Lötjönen von der Band Apocalyptica): Keine Gefahr einer Hodenreizung

Als Absenderin eines derartigen Briefs haben sich nun die Alzheimer-Expertin Elaine Murphy und ihr Ehemann John, Chef einer Brauerei, geoutet. In einem kurzen Schreiben an das "British Medical Journal" räumen beide ein, 1974 eine Krankheit namens "Cello-Hoden" erfunden zu haben.

Auslöser für den Jux war ein kurzer Bericht über einen "Gitarren-Nippel", der 1974 ebenfalls im "BMJ" erschienen war. Der sollte demnach bei drei Mädchen durch die fortwährende Reibung des Instruments an der Brustwarze entstanden sein. "Wir hielten das für einen Ulk und beschlossen, die Sache einen Schritt weiter zu treiben", bekannten die Murphys.

Nicht-Mediziner John Murphy unterschrieb im selben Jahr einen Brief an das Journal, der von einer angeblichen Hodenreizung bei einem professionellen Cellisten berichtete. "Zu unserer Überraschung wurde der Brief veröffentlicht", schrieb das Ehepaar nun. "Jeder, der jemals beim Spielen eines Cellos zugesehen hat, würde die körperliche Unmöglichkeit unserer Behauptung erkennen."

Dennoch wurde die kurze Zuschrift wiederholt zitiert, zuletzt in einem "BMJ"-Artikel vom 12. Dezember 2008, in dem es um allerlei Erkrankungen ging, denen sich Musiker ausgesetzt sehen. "Wir haben mit dieser Geschichte immer wieder für Erheiterung gesorgt", berichtet das Paar. "Nach 34 Jahren ist es vielleicht Zeit für uns zu gestehen, dass wir das 'Cello-Scrotum' erfunden haben." Allerdings waren früher bereits Zweifel an der Existenz des Leidens aufgekommen - etwa 1991 im "Journal of The American Academy of Dermatology".

Ob auch der "Gitarren-Nippel" eine Erfindung ist, bleibt offen. Belegt ist hingegen die Existenz des Marathon-Nippels.

hda/dpa

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