Berlin/Kairo - "Entführte Schönheit?" heißt die Meldung aus Seite 111 des aktuellen SPIEGEL, die Zahi Hawass erzürnt. Demnach soll ein bislang unter Verschluss gehaltenes Dokument belegen, dass der deutsche Archäologe Ludwig Borchardt die ägyptische Altertümerverwaltung im Jahr 1913 bewusst hinters Licht führte - und so die altägyptische Büste der Nofretete nach Berlin holte. Angeblich soll er dem ägyptischen Kontrolleur ein besonders schlechtes Foto vorgelegt und die Kalksteinbüste als Gipsplastik bezeichnet haben.
Nofretete: "Eine großartige Nachricht, die unserer Sache dienen wird"
Die Bundesregierung lehnte Rückgabeforderungen Ägyptens immer wieder ab. Zuletzt löste eine deutsche Weigerung, die 48 Zentimeter große Statue nach Kairo auszuleihen, vor zwei Jahren Verstimmungen zwischen Kairo und Berlin aus. Die Büste sei zu alt zum Reisen, erklärten die deutschen Behörden. Ägypten hätte die Nofretete gern als Highlight bei der Einweihung eines neuen Altertümer-Museums in der Nähe der Pyramide gesehen, zumindest als Leihgabe. Es gab Gerüchte, dass die Deutschen befürchteten, Ägypten könne die Rückgabe der Büste verweigern.
Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), der die berühmte Plastik gehört, wies den aktuellen SPIEGEL-Bericht zurück. Die Behauptung, die Fundteilung im Jahr 1913 sei nicht ordnungsgemäß vonstatten gegangen, "ist falsch", erklärte die SPK. Der Archäologe habe keineswegs versucht, Gustave Lefebvre zu täuschen, der damals als Inspekteur der ägyptischen Altertümerbehörde im Grabungshaus in Amarna erschienen sei. Die archäologischen Fundstücke seien, wie damals üblich, anhand von Fotos und "genauen Stichproben an den Originalobjekten" 50:50 aufgeteilt worden. Mit anderen Worten: Da Lefebvre übersah, wie bedeutend die Büste ist, steht sie heute in Berlin im Museum und nicht in Kairo.
Hawass schöpft indes neue Hoffnung: "Diese Enthüllung ist, wenn sie denn stimmt, eine großartige Nachricht, die unserer Sache dienen wird." Hawass will den in dem SPIEGEL-Bericht zitierten Brief des Schatzmeisters der Deutschen Orientgesellschaft, der die Fundteilung von 1913 elf Jahre später beschreibt, jetzt selbst in Augenschein nehmen. Hawass bat um eine Kopie des betreffendes Schreibens. In dem Brief aus dem Jahr 1924, der von einem Sekretär der Deutschen Orientgesellschaft verfasst wurde, ist unter anderem von einer "Vermogelung des Materials" die Rede.
chs/AFP/dpa
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