London - Das Influenza-A-Virus ist äußerst wandlungsfähig: Weil es durch Punktmutationen ständig die Gestalt seiner Oberfläche ändert, müssen Forscher in jedem Jahr die Impfstoffe für eine vorbeugende Immunisierung ("Grippeimpfung") neu herstellen. Nur wer rechtzeitig die passende Spritze bekommt, ist weitgehend vor der aktuellen Virenform geschützt. US-Forscher haben nun eine Entdeckung gemacht, die eines Tages auf eine Universal-Grippeimpfung hoffen lässt.
Grippeimpfung: Nur wer rechtzeitig die passende Spritze bekommt, ist weitgehend vor der aktuellen Virenform geschützt
Die Forscher haben sich auf eine bestimmte Region auf der Hülle des Grippevirus konzentriert, die bei vielen unterschiedlichen Erregerstämmen erstaunlich gleich aussieht. Die Wissenschaftler um Wayne Marasco von der Harvard Medical School in Boston haben auch schon Antikörper entwickelt, die gezielt an dieser Region ansetzen, wie sie in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift " Nature Structural & Molecular Biology" berichten.
Um die Grippeviren unschädlich zu machen, setzten Marasco und seine Kollegen sogenannte monoklonale Antikörper ein. Sie heften sich nur an einen ganz bestimmten Bereich der Virenhülle und blockieren dabei die Fähigkeit des Grippevirus, seine Form zu verändern. Dadurch kann der Erreger nicht mehr in menschliche Zellen eindringen und wird unschädlich. In Versuchen mit Mäusen erwiesen sich die Antikörper als hoch wirksam gegen eine Vielzahl unterschiedlicher Virenstämme, darunter auch die gefürchteten Erreger der spanischen Grippe und der Vogelgrippe.
Um diese Antikörper entwickeln zu können, mussten sich die Wissenschaftler ein bestimmtes Oberflächenprotein der Grippeviren besonders genau ansehen: das sogenannte Hämagglutinin. Dieses Protein kommt bei Erregern vom Typ Influenza A in insgesamt 16 unterschiedlichen Varianten vor (H1 bis H16). Forscher unterteilen die Varianten in zwei verschiedene Gruppen. Die von Marasco und seinen Kollegen getesteten Antikörper erwiesen sich dabei als wirksam bei allen Erregern, die eine der zehn Varianten aus der ersten Gruppe besaßen. Bei den verbleibenden sechs Hämagglutinin-Varianten aus der zweiten Gruppe blieben die Antikörper dagegen wirkungslos.
Die Forscher sehen in ihrer Entdeckung dennoch einen großen Erfolg, da die Antikörper gegen eine bislang unerreichte Zahl von Virenstämmen Wirkung zeigen. Da sich Antikörper relativ schnell in großer Menge produzieren lassen, könnten sie auch beim möglichen Ausbruch einer Grippeepidemie eingesetzt werden. Dazu müssen sie sich allerdings erst in klinischen Tests als wirksam und unbedenklich für den Menschen erweisen.
Die neuen Ergebnisse seien aber auch wertvoll für die Forschung an vorbeugenden Impfstoffen, sagt Forschungsleiter Marasco. Ziel müsse es sein, die Immunreaktion des Körpers auf die unveränderlichen Regionen der Virenhülle zu richten. So ließe sich im Idealfall eine lebenslange Immunität erreichen.
chs/ddp
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