"Biologische Evolution: Fakten und Theorien". Unterzeile: "Eine kritische Bewertung, 150 Jahre nach 'The Origin Of Species'". So lautet der Titel der Konferenz, die der Vatikan derzeit an der Gregorianischen Universität in Rom veranstaltet. Renommierte Wissenschaftler, Philosophen und Theologen erörtern in der fünftägigen Konferenz evolutionäre Mechanismen, die Herkunft des Menschen und philosophische und theologische Aspekte der Evolution. Im vielerorts zelebrierten Darwin-Jahr will der Vatikan beim Reizthema Evolution offenbar zeigen, wo er steht.
Kein Wunder: Widersprüchliche Aussagen Papst Benedikts XVI. über die Evolutionslehre hatten in der Vergangenheit für Verwirrung gesorgt. Für Ärger sorgte 2005 auch ein Artikel von Christoph Schönborn in der "New York Times", in dem der österreichische Kardinal Positionen vertreten hatte, wie sie auch Intelligent-Design-Vertreter formulieren.
Nicht nur Schönborn grenzte sich auf einer Darwin-Konferenz der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien, die parallel zum Vatikan-Treffen stattfand, klar von Kreationismus und Intelligent Design ab ( Rede Schönborns im Wortlaut).
"Intelligent Design ist kein wissenschaftlicher Standpunkt"
Auch mit der Vatikan-Konferenz zur Evolution will die katholische Kirche klar vermitteln: Glaube und Wissenschaft sind vereinbar. So waren Kreationisten bei der Konferenz offenbar unerwünscht. Die trockene Begründung der Organisatoren: Man wolle eine "intellektuell strenge" Konferenz abhalten - und in ein solches Konzept passt Kreationismus light aus den USA offenbar nicht hinein.
Beim Discovery Institute, dem Bollwerk christlich-fundamentalistischer Kreationisten in den USA, sorgt das für Unmut. Das Institut wirft dem Vatikan vor, bei der Auswahl der Redner nicht unabhängig entschieden zu haben. Stattdessen habe man sich dem Druck des Hauptsponsors der Konferenz, der John Templeton Foundation, gebeugt.
Die Templeton Foundation fördert naturwissenschaftliche Forschung sowie sozialwissenschaftliche Projekte, die sich mit humanistischen Fragestellungen und der "Natur und dem Ursprung religiösen Glaubens" beschäftigen, wie es auf der Homepage der Stiftung heißt.
Auch die Organisatoren der Konferenz wiesen die Vorwürfe zurück. Es seien Darwin-Kritiker anwesend, Intelligent Design jedoch passe nicht in das Programm. "Wir glauben, dass Intelligent Design weder ein wissenschaftlicher Standpunkt noch ein theologischer oder ein philosophischer ist", sagte Marc Leclerc, Konferenzdirektor und Professor für Philosophie an der Gregorianischen Universität. "Das macht einen Dialog sehr schwierig, vielleicht sogar unmöglich." Leclerc wies den Vorwurf zurück, dass die Entscheidung, das Discovery Institute nicht einzuladen, etwas mit der Förderung durch die Templeton Foundation zu tun gehabt habe. "Absolut nicht. Wir haben im Organisationskomitee unabhängig und völlig selbständig entscheiden."
Vertreter Harun Yahyas wurde das Mikrofon entzogen
Gegenüber der Intelligent-Design-Bewegung hat sich die Templeton Foundation in der Vergangenheit kritisch geäußert. Auf ihrer Webseite spricht sich die Stiftung ausdrücklich auch gegen jeglichen Versuch aus, "große Gebiete gut dokumentierten wissenschaftlichen Wissens zu verneinen".
Paul Wason, Templeton-Vertreter bei der Konferenz und Direktor des Wissenschafts- und Religionsprogramms der Stiftung, wies die Vorwürfe des Discovery Institute ebenfalls zurück. Die Spende sei ohne Bedingungen vergeben worden. "Die Konferenz-Veranstalter haben uns ihren Förderantrag geschickt, als sie die meisten der Redner schon hatten. Wir haben uns mitunter für die Förderung entschieden, weil es eine sehr gute Rednerliste ist", sagte Wason.
Bruce Chapman, Präsident des Discovery Institute, sagte, er sei nicht überrascht gewesen, dass Intelligent Design auf der Konferenz außen vor gelassen wurde. In einer E-Mail ließ er mitteilen, dass die Konferenz außerdem nicht die Position des Vatikan repräsentiere. Evolution und Intelligent Design befänden sich in einem "ernsthaften und fruchtbaren Dialog".
Während der Konferenz wurden kreationistische Positionen und Vorstöße abgelehnt. Kardinal William Levada, Präfekt der Kongegration für die Glaubenslehre, äußerte sich in seiner Eröffnungsrede ablehnend gegenüber christlichen Fundamentalisten in den USA, die in den Schulen biblischen Kreationismus statt Evolution unterrichten lassen wollen.
Auch Vertreter islamischer kreationistischer Bewegungen beschwerten sich über die Ausrichtung der Konferenz. So wurde Oktar Babuna, Vertreter des türkischen Kreationisten Harun Yahya, nicht gestattet, bei der Eröffnungsveranstaltung am Dienstag zu reden. In einer Diskussionsrunde entzog man ihm das Mikrofon, als er Evolutionsbefürworter dazu aufforderte, Beweise für Übergangsformen zwischen Tierarten vorzulegen.
Die Organisatoren begründeten diesen Schritt damit, dass Babuna offenbar keine Frage stellen, sondern nur seine Ansichten äußern wollte. Babuna warf den Veranstaltern anschließend vor, eine undemokratische Konferenz abzuhalten. In einer Stellungnahme Harun Yahyas hieß es: "Obwohl es Diskussionsrunden gab, wollten die Konferenzveranstalter offenbar eine einseitige Diskussion."
lub
Auf anderen Social Networks posten:
Da es ja tatsächlich wohl so wäre (der nachhaltige Schaden für den Vatikan) finde ich es nicht so erstaunlich, aber klug gehandelt. Und im Unterschied zu den Kreatonisten haben die maßgebende Leuten im Vatikan doch mehr Gespür [...] mehr...
Hans Küng würde sich wohl kaum - jeder, der seine Publikationen kennt, wird mir da zustimmen - für die Teilnahmezulassung von Kreationisten an einer solchen wissenschaftlichen Diskussionsrunde aussprechen. mehr...
Hans Küng würde sich wohl kaum - jeder, der seine Publikationen kennt, wird mir da zustimmen - für die Teilnahmezulassung von Kreationisten an einer solchen wissenschaftlichen Diskussionsrunde aussprechen. mehr...
Zur Zeit mag das so aussehen, Herr Schönborn, doch wenn die geschriebene Geschichte in diesen Teilen wahr sein sollte, dann haben die Menschen schon viele Überraschungen erlebt. mehr...
Auch Zeugen Jehovas sind unsere Brüder und Schwestern im Geiste, selbst wenn sie das anders sehen. Ich halte deren Lehre und Kult für mangelhaft bzw. ungenügend, bin aber im Einzelfall beeindruckt von der Bereitschaft, dieses [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Mensch | RSS |
| alles zum Thema Evolution | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH