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Libido-Medikamente Pharma-Firmen setzen Frauen unter Lust-Druck

2. Teil: Verzweifelte Suche nach dem "Pink Viagra"

Ähnlich weit, wie LibiGel jetzt ist, war auch ein anderer Hoffnungsträger mit Namen PT-141 gekommen. Mit nur einem Schuss sollte PT-141, eingebettet in ein Nasenspray, auf kurzem Weg zum Lustzentrum im Gehirn vordringen. Das tat es auch, allerdings nicht ohne Nebenwirkungen. Mehrere Frauen litten während der Behandlung unter Blutdruckkrisen - 2008 brach der Hersteller Palatin die klinischen Studien ab.

Keine Lust auf Sex: "Das Prinzip 'Pille einwerfen und einen tollen Kick haben' funktioniert einfach nicht"
Corbis

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Dabei war die Idee der Pharmaforscher, nach einem Stimulierungspunkt im Gehirn zu suchen, vermutlich nicht ganz falsch. Ein prominenter Fehlschlag hatte die Pharmaindustrie auf diesen Weg gebracht: Nach seinen gigantischen Erfolgen mit Viagra, das die Durchblutung im Schwellkörper des Mannes verbessert, hatte Pfizer vergeblich versucht, seinen blauen Diamanten wie eine "Pink Viagra" an die Frau zu bringen. Doch allein den Intimbereich besser zu durchbluten, reichte nicht aus - 2004 musste auch Pfizer seine Studien einstellen und erkennen: Lust spielt sich bei der Frau nicht nur zwischen den Beinen, sondern vor allem zwischen den Ohren ab.

"Zentral wirksame Substanzen sind naheliegende Optionen, da der Antriebsteil der Libido überwiegend im Kopf stattfindet", meint auch Johannes Bitzer aus Basel. "Hier sind weniger systemische Nebenwirkungen zu befürchten, als vielmehr Sicherheitsaspekte einer psychopharmakologischen Therapie zu berücksichtigen."

Das sexuelle "Lust-Diktat"

Auch Boehringer Ingelheim sucht nach einem Psycho-Aphrodisiakum, das im Gehirn ansetzt. Bei dem Wirkstoff Flibanserin handelt es sich um ein Mittel, das die Wirkung des natürlichen Botenstoffes Serotonin unterstützt. "Ende 2009 werden unsere Untersuchungen mit 5000 Frauen abgeschlossen sein", berichtet Heidrun Thoma, Pressesprecherin des Konzerns. Flibanserin soll sogar noch mehr können als die anderen Präparate: Es ist nicht für Frauen gedacht, die nach dem Verlust ihrer Eierstöcke unter einem Hormonmangel leiden, sondern für Frauen vor der Menopause, die einen "persönlichen Leidensdruck" aufgrund ihrer verminderten Lust haben, so Thoma zu SPIEGEL ONLINE.

Dieser Leidensdruck ist allerdings höchst unterschiedlich ausgeprägt. "Bis zu 30 Prozent aller Frauen haben sexuelle Klagen", berichtet Sexualtherapeutin Ulrike Brandenburg. Bei einigen stecke jedoch "ein plombierter Partner-Konflikt" dahinter. Vor allem der Druck von außen sei Schuld an dem aufgebauschten Problem. "Es gibt bei uns ein kulturell geprägtes Lust-Diktat, das uns vorschreibt, immer, gleichzeitig mit dem Partner und auf dasselbe Lust zu haben", so Brandenburg. "Das ist doch unrealistisch! Wer sein Lustprofil am eigenen Maßstab misst, gerät weniger unter Druck."

Eine Umfrage des Informationszentrums für Sexualität und Gesundheit in Freiburg unter 4500 Frauen hat ergeben, dass sich 29 Prozent mehr Lust wünschen, 21 Prozent mehr Sex, 15 Prozent einen besseren Orgasmus und nur 7,7 Prozent mehr Zärtlichkeit. "Diese Ergebnisse haben mich sehr erstaunt", meint Studienleiter Michael Berner von der Abteilung Psychiatrie des Universitätsklinikums. "Sie zeigen, dass wir das Problem der weiblichen Lustlosigkeit nicht unterschätzen dürfen."

Denn zehn Prozent aller Frauen - über diese Zahl sind sich Gynäkologen, Psychiater und Sexualtherapeuten weitgehend einig - leiden tatsächlich unter ihrer mangelnden Libido. "Die Patientinnen berichten, dass sie sich wie abgeschnitten von ihrer Lust fühlen", erzählt Michael Berner. "Diese Frauen sollten mit ihrem Problem sehr ernst genommen werden."

Ob es allerdings eine medikamentöse Therapie sein muss, ist nicht bewiesen. "Das Gespräch über sexuelle Phantasien und die eigenen Bedürfnisse ist essentiell", erklärt Brandenburg SPIEGEL ONLINE. Das Prinzip "Pille einwerfen und eine tollen Kick haben" funktioniere einfach nicht. Erregung hin oder her - sie schlägt vielen Paaren vor, sich zunächst regelmäßig zum Sex zu verabreden und auch mal ohne Lust miteinander zu schlafen. "Dadurch ergeben sich dann oft schon wieder schöne Momente für das Paar, einem Großteil meiner Patienten hilft so ein Plan."

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