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07.04.2009
 

Spektakuläre Transplantation

Ärzte verpflanzen erstmals Gesicht und Hände zugleich

Gewagter Eingriff: In einer 30-stündigen Operation haben französische Ärzte einem Mann erstmals gleichzeitig zwei Hände und einen Teil des Gesichts verpflanzt. Ein Brandunfall hatte den 30-Jährigen vor fünf Jahren entstellt - jetzt erhielt er Spenderorgane von einem Hirntoten.

Paris - Bei einem Brandunfall vor fünf Jahren hatte der junge Mann schwere Verletzungen erlitten: Sein Gesicht und seine Hände waren entstellt, in die Öffentlichkeit hatte er sich seither kaum noch gewagt. Seit dem Wochenende hat der heute 30-Jährige jedoch ein neues Gesicht. Erstmals haben Chirurgen in Frankreich einem Patienten gleichzeitig Gesicht und Hände transplantiert.

An der 30-stündigen Operation im Pariser Henri-Mondor-Krankenhaus waren mehrere Dutzend Ärzte beteiligt, wie die Klinikverwaltung mitteilte. Dem Patienten wurde zuerst der obere Teil des Gesichts verpflanzt, darunter Nase, Ohren und Lider. Die untere Gesichtshälfte hatte er bereits bei einer früheren Operation erhalten.

"Die Operation ist besonders schwierig, weil die Nerven bei den Lidern sehr fein sind", erklärten die Ärzte. Außerdem sei es sehr kompliziert, die Tränenkanäle exakt zu verbinden. Für einen der Ärzte, Laurent Lantiéri, ist es bereits die dritte Gesichtsübertragung.

Die Hände wurden oberhalb der Handgelenke transplantiert. Dabei wurden alle wichtigen Nerven, Sehnen und Blutbahnen erfolgreich verbunden. Die Organe stammen nach Angabe der Krankenhausverwaltung von einem für hirntot erklärten Patienten, dessen Angehörige der Organspende zugestimmt hatten. Lantiéri erklärte, der Patient sei in einem allgemein guten Zustand. Der Mann wurde in ein künstliches Koma gelegt, um die Genesung zu fördern.

Operation nach erfolgreichem Vorbild

Im Jahr 2005 hatte weltweit die erste Frau eine Gesichtstransplantation bekommen: die Französin Isabelle Dinoire. Die damals 38-Jährige war von ihrem Hund angefallen und im Gesicht schwer entstellt worden. Bei der Operation erhielt sie das Unterteil des Gesichtes - ein Dreieck aus Nase, Mund und Kinnpartie - von einer hirntoten Organspenderin. Zehn Monate nach der Operation konnte Dinoire ihre Lippen ganz schließen, nach 18 Monaten wieder normal lächeln.

Als zweiter Mensch bekam der damals 30-jährige Chinese Li Guoxing - er war entstellt durch einen Kampf mit einem Bären - im Jahr 2006 zwei Drittel des Gesichtes erneuert: eine neue Wange, eine Oberlippe, eine Nase und eine Augenbraue. Als dritter Mensch erhielt ein damals 27-jähriger Franzose mit dem sogenannten Recklinghausen-Syndrom 2007 ein Dreieck aus Nase, Mund, Kinn und Wangenteilen. Er war damit der erste derartige Transplantationsempfänger, der nicht durch einen Unfall, sondern durch eine chronische Krankheit entstellt war.

Insgesamt gab es weltweit bislang sechs Gesichtstransplantationen - und noch nie zuvor wurden auch gleichzeitig beide Hände verpflanzt. Denn der zusätzliche Eingriff ist kompliziert: Neben der Anbindung von Haut und Knochen müssen auch Blutgefäße, Nerven und Muskeln miteinander verbunden werden, damit der Empfänger die transplantierten Extremitäten später auch spürt.

Linke Hand besser als die rechte

Wissenschaftler vom staatlichen Forschungszentrum CNRS (Centre National de la Recherche Scientifique) im französischen Lyon haben jetzt festgestellt, dass sich nach einer Transplantation beider Hände die linke möglicherweise schneller mit dem Gehirn verbindet als die rechte. Wie Angela Sirigu und ihr Team jetzt im Fachmagazin "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS") berichten, hatten sie zwei beidseitig transplantierte Patienten mehrere Jahre nach ihrer Operation untersucht. Mit Hilfe magnetischer Impulse hatten sie den sogenannten Motorkortex im Hirn der beiden Patienten angeregt und damit die Nervenverbindung zu den Hand- und Armmuskeln getestet.

Bei dem ersten Fall handelte es sich um einen 20-Jährigen, der im Jahr 2000 beide Hände verloren und drei Jahre später Spenderorgane erhalten hatte. Sein Gehirn hatte die Muskeln der linken Hand den Angaben zufolge 10 Monate nach der Operation erkannt. Bei der rechten Hand vergingen für ähnliche Resultate 26 Monate.

Der zweite Patient, ein 42 Jahre alter Mann, verlor beide Hände 1996, Anfang 2000 bekam er Spenderhände verpflanzt, zuvor hatte auch er eine Prothese getragen. Die Forscher untersuchten ihn 51 Monate nach der Operation. Dabei wurde deutlich, dass das Gehirn die Muskeln der linken komplett wahrnahm, für die rechte Hand galt das hingegen nicht.

Die Forscher schließen aus ihren Ergebnissen, dass Transplantationspatienten die für ihre Hände zuständigen Regionen in der Hirnrinde reaktivieren können. Dies gelte auch dann, wenn der Verlust bereits Jahre zurückliege. Der zweite Fall deute jedoch darauf hin, dass die Weiterleitung der von den Nerven aufgenommenen Reize bei den fremden Händen nur teilweise funktioniere.

Transplantation notwendig?

Trotz der erfolgreichen Eingriffe in den vergangenen Jahren gibt es unter Chirurgen immer wieder Diskussionen darüber, ob solche Operationen angesichts der möglichen Nebenwirkungen überhaupt vorgenommen werden sollten. Die Empfänger müssen nach Erhalt des Organs dauerhaft Medikamente schlucken, um zu verhindern, dass ihr Körper das fremde Gewebe abstößt. Durch das geschwächte Immunsystem sind die Patienten anfällig für Infekte, auch drohen chronische Schäden durch die Arzneien. Zudem sei auch die psychische Herausforderung, die von den fremden Gliedmaßen ausgeht, immens und werde oft unterschätzt, meinen Experten.

Berühmt ist der Fall des ersten Menschen, dem eine ganze Hand transplantiert worden war: Der 50-jährige Neuseeländer Clint Hallam bezeichnete das fremde Körperteil bald als "abscheulich und verblüht" und bat seine Ärzte, es wieder zu entfernen - er habe sich davon "mental gelöst". Der Fall hatte den US-amerikanischen Schriftsteller John Irving zu seinem Roman "Die vierte Hand" inspiriert.

Auch im Fall eines 44-jährigen Chinesen aus Guangzhou wurden Patient und Ärzte von der Heftigkeit dieser mentalen Abstoßung überrascht: Trotz der weltweit ersten erfolgreichen Transplantation eines fremden Penis, von dem die Chirurgen sich eine vollständige Funktionsfähigkeit versprochen hatten, bat der Patient nach kurzer Zeit um dessen Amputation.

hei/AP/dpa

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Es kann sein, dass wenn Muskel- und Nervengewebe zu sehr geschädigt sind, die Transplantation nicht mehr sinnvoll ist. Andererseits, selbst wenn einige wichtige Gesichtsfunktionen nicht wieder herstellbar wären, für den [...] mehr...

16.04.2009 von harm ritter:

Wunder der Wissenschaft? Auf jeden Fall. Ich finde es toll, daß wir inwzischen die medizinischen Möglichkeiten haben, einer Frau, der das ganze Gesicht weggebissen wurde, wieder zu einem menschenwürdigen Leben zu verhelfen. Hier [...] mehr...

16.04.2009 von Gertrud Stamm-Holz:

Wieviel Muskel- und Nervengewebe ist denn bei dem Fall überhaupt zerstört? Gibt es nicht die Möglichkeit einer regelrechten Maske als Gesicht? mehr...

16.04.2009 von Gertrud Stamm-Holz:

Der Sysop hat gesagt, wir sollen mitdiskutieren. 100% der hier schreibenden Foristen haben keine Gesichtstransplantation erhalten und deswegen darf keiner was sagen? mehr...

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