Meistens wächst der Tumor unbemerkt. Erst später kann die vergrößerte Prostata auf die Blase drücken, doch der Krebs hat dann seine Zellen oft schon im Körper verstreut. Meist wird der Tumor herausgeschnitten und bestrahlt, und häufig blockieren Ärzte zusätzlich die Wirkung von Testosteron mit Medikamenten. Das Problem dabei: Mitunter schaffen es die Tumorzellen, die Hormonblockade zu umgehen. US-Forscher aber haben jetzt eine Arznei entwickelt, die die Tumorzellen trotzdem in Schach halten könnte.
Für ihre Untersuchung setzten die Wissenschaftler um Chris Tran vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York die Substanzen MDV3100 und RD162 ein. Dabei handelt es sich um sogenannte Antiandrogene, welche die Wirkung von männlichen Geschlechtshormonen hemmen. Die Arzneien greifen an den Hormonrezeptoren der Krebszellen an, die sich unter dem Einfluss von Testosteron oft besonders schnell vermehren. Auch herkömmliche Medikamente blockieren die Rezeptoren - doch die Krebszellen entgehen dem Angriff mitunter, indem sie immer mehr Andockstellen produzieren.
Bei MDV3100 und RD162 handelt es sich jedoch um eine zweite Generation von Antiandrogenen, wie die Forscher im Fachmagazin "Science" berichten. Wie Versuche in Zellkulturen und an Mäusen mit fortgeschrittenem Prostatakrebs zeigten, besetzen die beiden Wirkstoffe auch dann die Rezeptoren, wenn diese zahlreicher vorkommen als unter normalen Bedingungen. Bei den behandelten Mäusen nahm die Tumorgröße durch die Therapie deutlich ab.
Das Forscherteam hat die Substanz MDV3100 auch schon am Menschen getestet: 30 Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs erhielten die Arznei in einer klinischen Studie, die zunächst klären sollte, ob das Mittel sicher ist und wie es dosiert werden kann. Dabei war bereits ein positiver Effekt zu erkennen: Bei 13 Patienten nahm der sogenannte PSA-Wert (prostataspezifisches Antigen) ab, der als Tumormarker eine allerdings umstrittene Rolle bei der Früherkennung von Prostatakrebs spielt. Dennoch schreiben die Forscher in "Science", dass "die Substanzen vielversprechend sind für die Therapie von fortgeschrittenem Prostatakrebs".
In Deutschland sterben nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Berlin jedes Jahr rund 11.000 Männer an Prostatakrebs. Der Tumor ist nach Lungen- und Darmkrebs die dritthäufigste tödliche Krebserkrankung bei Männern. Erst kürzlich berichteten US-Forscher von einem neuen Biomarker, der in Zukunft möglicherweise bei der Früherkennung von Prostatakrebs helfen könnte.
hei
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