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12.04.2009
 

Medizinethik

Mutter lässt totem Sohn Sperma entnehmen

Ein 21-jähriger Texaner ist nach einer Schlägerei gestorben - und soll demnächst ein Kind zeugen. Die Mutter des Toten will Sperma aus der Leiche holen lassen, um den Kinderwunsch ihres Sohnes posthum zu erfüllen. Ein Gericht hat das nun erlaubt - und eine Ethik-Debatte losgetreten.

Nikolas Colton Evans wollte immer schon Kinder haben, sagt seine Mutter. Doch am 27. März geriet der 21-Jährige vor einer Kneipe in der texanischen Hauptstadt Austin in eine Schlägerei. Ein Unbekannter streckte ihn mit einem Schlag nieder. Evans fiel, sein Kopf krachte auf das Pflaster. Acht Tage später war er tot.

Nikolas Colton Evans: Der Texaner ist im Alter von 21 Jahren gestorben, nachdem er in einer Schlägerei schwer verletzt wurde
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AP

Nikolas Colton Evans: Der Texaner ist im Alter von 21 Jahren gestorben, nachdem er in einer Schlägerei schwer verletzt wurde

Normalerweise wäre Evans' Kinderwunsch damit Geschichte gewesen - wäre da nicht Marissa "Missy" Evans, die Mutter des Toten. Sie will den Wunsch ihres toten Sohns nun erfüllen, indem sie Sperma aus seiner Leiche entnehmen und damit eine Leihmutter befruchten lässt. Anschließend will sie das Kind selbst aufziehen.

Ein Bezirksrichter hat dem Vorhaben jetzt seinen Segen gegeben: Er hat den Leichenbeschauer angewiesen, Nikolas Evans' Körper gekühlt zu halten und einer Expertin zu gestatten, Sperma zu entnehmen. In den amerikanischen Medien tobt seitdem eine teils emotional geführte Debatte um medizinische Ethik.

"Samen-Entnahme überschreitet ethische Grenze", titelte die "Dallas Morning News" - und gehörte damit noch zu den sachlicheren unter den vielen US-Medien, die sich mit dem Fall beschäftigen. Andere waren weniger zimperlich. "Marissa Evans ist eine Leichenschänderin", schrieb die religiöse Internet-Seite Beliefnet. Wobei man das Wort "ghoul", das in der Zeile vorkam, durchaus auch noch böser übersetzen könnte.

Ethiker spricht von "Ersatzkind"

Nicht nur Medien erregen sich über den bizarren Fall. Auch Ethiker kritisieren das Vorgehen der Mutter. "Der biologische Vater dieses Kindes ist tot", sagte Tom Mayo, Direktor des Maguire Centers for Ethics and Public Responsibility an der Southern Methodist University in Dallas. Er sieht Probleme auf das Kind zukommen, wenn es mehr über seine Erzeugung erfahre. "Ich frage mich, welche Wirkung das auf ein Ersatzkind haben wird", so Mayo. Nach dem Tod eines Kindes wünschten sich viele Eltern einen Ersatz. In diesem Fall aber habe der weit verbreitete Wunsch eine wenig traditionelle Wendung genommen.

Nach Angaben von Art Caplan, Medizinethiker an der University of Pennsylvania in Philadelphia, haben im vergangenen Jahrzehnt rund tausend Hinterbliebene in den USA ähnliche Pläne gefasst - aber meistens nicht in die Tat umgesetzt. Zwar gebe es in Krankenhäusern mitunter Richtlinien, wie in solchen Fällen vorzugehen sei. Gesetze aber gebe es kaum - weshalb es meist die Entscheidung des beteiligten Urologen sei, die Sperma-Entnahme durchzuführen oder auch nicht.

"Verstörender Fall"

Mark Vopat, Philosophie- und Theologieprofessor an der Youngstown State University im US-Bundesstaat Ohio, kritisierte die Entscheidung des Gerichts, Marissa Evans Sohn Sperma entnehmen zu lassen. Selbst wenn Nikolas Evans seiner Mutter gegenüber einen Kinderwunsch erwähnt haben sollte, heiße das noch lange nicht, dass er sich auch eine posthume Zeugung gewünscht hätte. "Das ist ein verstörender Fall", meint Vopat.

Marissa Evans scheint die Debatte nicht weiter zu kümmern. Sie behauptet, das zu tun, was sich ihr Sohn immer gewünscht habe: "Er würde mich dafür so sehr lieben." Die gesamte Familie habe ihrem Vorhaben zugestimmt. "Mein Sohn wollte einen College-Abschluss machen und Kinder haben", sagte die 42-Jährige. "Jemand hat ihm das genommen." Wer Nikolas Evans am 27. März niedergeschlagen hat, ist noch immer unbekannt.

Eine Urologin aus Austin entnahm der Leiche inzwischen das Sperma. Marissa Evans erklärte, dass der Samen für eine Befruchtung brauchbar sei. Ein Abweichen von ihrem Vorhaben könne sie sich nicht vorstellen. "Es wird mich wahrscheinlich finanziell ruinieren", sagte sie. "Aber ich werde alles tun, um es wahr zu machen."

mbe/AP

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insgesamt 89 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
15.04.2009 von mina2: Recht auf leibliche Eltern

nun ja....das kommt schon etwa einem "Recht auf nicht-geboren werden" gleich. Aber wer will und kann (!) das entscheiden? Meine persönliche Stellung zu der ganzen Sache: Es ist eine schwierige ethische Frage, und [...] mehr...

15.04.2009 von mina2: Re: Recht auf leibliche Eltern

mmh.... das käme ja schon einem "Recht auf nicht geboren werden" gleich. Aber wer will und kann(!) das entscheiden? Meine persönliche Stellung zur ganze Sache: Es ist eine schwierige ethische Frage, und ich kann [...] mehr...

14.04.2009 von Zephira: Sachlich bleiben

Mit anderen Worten, Sie haben eine Behauptung aufgestellt und sie mir dann unterzuschieben versucht, weil Sie sonst nicht Kontra geben könnten. Auch eine Möglichkeit, jemandem Recht zu geben, danke. Auf sachliche Argumente, [...] mehr...

14.04.2009 von Grosskotz: Wie läßt sich das Recht des Kindes auf leibliche Eltern wahren?

nur prophylaktisch, d.h. im Vorfeld, indem man keine(n) Vollwaise(n) zeugt. Alles andere würde daraus hinauslaufen, daß man einem Kind ein Lebensrecht abspräche, wenn es unfreiwilligerweise (z.B. infolge eines Unfalls) [...] mehr...

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