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17.05.2009
 

Schwanger mit 66

Streit über britisches Mütterchen

Sie ist im besten Oma-Alter, wird aber gerade Mutter: Eine 66-jährige Britin ist im achten Monat schwanger - dank Eizellspende in einer ukrainischen Klinik. Mediziner halten diese Praxis für fragwürdig.

Elizabeth M.s runder Bauch ist nicht zu übersehen. Und die hochschwangere Frau versucht auch gar nicht, ihre Rundungen vor neugierigen Blicken zu verbergen. Dabei schütteln manche Engländer ungläubig den Kopf, wenn sie die werdende Mutter sehen. Und fangen an zu lästern: Wenn Elizabeth M.s Kind in die Pubertät kommt, wird sie selbst schon 80 Jahre sein. Vorausgesetzt, sie erreicht dieses Alter überhaupt: Denn Elizabeth M. ist 66 Jahre alt, eigentlich im Großmutter-Alter. Und doch ist sie im achten Monat schwanger. Geht alles gut, wird sie im Juni entbinden. Das würde sie - wenige Wochen vor ihrem 67. Geburtstag - zu Großbritanniens ältester Gebärender machen - und Patrishia Rashbrook ablösen, die mit 63 Jahren Mutter wurde.

Künstliche Befruchtung einer Eizelle mit einem Spermium: Umstrittene Schwangerschaft mit 66 Jahren
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DPA

Künstliche Befruchtung einer Eizelle mit einem Spermium: Umstrittene Schwangerschaft mit 66 Jahren

Aus einer geschiedenen Ehe hat Elizabeth M. schon drei Stiefkinder. Doch der sehnlichste Wunsch der wohlhabenden Geschäftsfrau aus der Grafschaft Suffolk im Osten Englands war es, ein eigenes Kind zu haben, erzählen Freunde. Aber für eine Schwangerschaft auf natürlichem Wege war es zu spät, und eine künstliche Befruchtung in Großbritannien kam nicht in Frage. Das staatliche Gesundheitssystem NHS wie auch private Kliniken lehnen Befruchtungen von Frauen in Elizabeths Alter ab.

Weniger Bedenken hatte eine Klinik in der Ukraine, die schon mehreren älteren Frauen ihren Kinderwunsch durch künstliche Befruchtung mit Spender-Ei und Sperma erfüllt hatte, berichteten britische Medien. Die Britin wird damit biologisch gesehen eine Leihmutter sein - das Kind wird keinerlei Gene von ihr haben.

Die Behandlung hatte bei der 66-Jährigen Erfolg: "Sie war im siebten Himmel, als sie von ihrer Schwangerschaft erfuhr", zitierte die "Daily Mail" eine Freundin. Und die Schwangerschaft soll bislang gut verlaufen sein. "Sie steht morgens etwas später als gewöhnlich auf, aber sie geht von montags bis freitags noch zur Arbeit", erzählte die Freundin. Das Kind soll per Kaiserschnitt zur Welt kommen.

"Das war eine sehr persönliche Entscheidung"

Elizabeth M. selbst hielt sich zu den Umständen ihrer Schwangerschaft bedeckt. Sie habe sich vorgenommen, das öffentliche Interesse einfach zu ignorieren. "Das war eine sehr persönliche Entscheidung und ich habe keine Lust, Interviews zu geben", sagt sie. Elizabeth ist nur eine von vielen Frauen, die wegen ihres unerfüllten Kinderwunsches auf Hilfe etwa in Osteuropa setzen, wo die Regeln weniger streng als zu Hause sind und mitunter auch Geld für das Spenden von Eiern fließt.

In Deutschland hatte Ende 2007 der Fall einer 64 Jahre alten Mutter aus Aschaffenburg für Schlagzeilen gesorgt. Die Frau hatte sich eine mit den Samen ihres Mannes befruchtete Eizelle einer 25-jährigen Spenderin im Ausland einsetzen lassen. Eizellen- und Embryonenspenden sind in Deutschland verboten. Andere EU-Länder wie Großbritannien und Spanien hingegen erlauben diese Praxis, ebenso die USA. Manche Frauen verkaufen dort für Tausende Dollar ihre Eizellen - diesen "Eizellenmarkt" sowie eine mögliche Ausbeutung von Frauen aus Drittweltländern zu verhindern, ist ein Grund für das Verbot in Deutschland.

Prekär ist das hohe Alter der Mutter, die künstliche Befruchtung in diesem Fall medizinisch fragwürdig. Ärzte warnen vor gesundheitlichen Gefahren für Mutter und Kind. Auch das Umfeld reagiert nicht immer verständnisvoll. "Das war ein Schock", sagte eine Nachbarin, die trotz Elizabeth M.s unübersehbaren Bauch erst durch die Medien von der Schwangerschaft erfuhr.

Mahnende Worte kamen auch von der Kirche: "Ein Kind ist ein Geschenk, kein Recht", sagte ein Sprecher der Anglikanischen Kirche. "Wer dieses Geschenk nicht bekommt, hat verständlicherweise einen großen Kinderwunsch. Aber es ist wichtig, das Wohl des Kindes dabei zu berücksichtigen."

Eine Lanze für die Mutterschaft im hohen Alter bricht dagegen die Britin Susan Tollefsen, die im vergangenen Jahr ihre Tochter Freya im Alter von 57 Jahren zur Welt brachte. "Ich weiß, dass es viele für egoistisch von mir hielten, ein Baby mit 57 zu bekommen, aber Freya könnte nicht mehr geliebt und umsorgt werden. Wenn ich gesund bleibe, sehe ich keinen Grund, dass ich nicht selbst 80 oder 90 werde und sehe, wie sie erwachsen wird."

Thomas Pfaffe, dpa

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