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27.05.2009
 

Waffentechnik

Wie Kims Kommunisten lernten, die Bombe zu bauen

Von Holger Dambeck

Nordkorea ist bettelarm - aber es betreibt Kernkraftwerke und schockiert die Welt mit einer eigenen Atombombe. Das Know-how dafür stammt aus der einstigen Sowjetunion und Pakistan. Ziel des Diktators Kim Jong Il: Er will die US-Regierung erpressen können.

Eine Atombombe zu bauen, ist nicht allzu schwer. Der wohl schwierigste Part ist die Beschaffung einer ausreichend großen Menge atomaren Sprengstoffs. Plutonium oder Uran-235 kommen dafür in Frage - Nordkorea hat, so viel steht fest, an beiden Optionen gearbeitet. Als am 9. Oktober 2006 im Nordosten des Landes unterirdisch ein nuklearer Sprengsatz gezündet wurde, war klar, dass das arme, vom Rest der Welt streng isolierte Land nun zu den Atommächten gezählt werden musste.

Nordkoreas Herrscher Kim Jong Il (zweiter von links): Geben und Nehmen zwischen Islamabad und Pjöngjang
REUTERS

Nordkoreas Herrscher Kim Jong Il (zweiter von links): Geben und Nehmen zwischen Islamabad und Pjöngjang

Am Montag nun hat Nordkorea eine deutlich stärkere Bombe gezündet - mit einer Sprengkraft von 10 bis 20 Kilotonnen TNT. Dies entspricht den Bomben, die amerikanische Piloten 1945 über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen haben. Wie aber haben es die nach US-Schätzungen 3000 Wissenschaftler in Nordkorea geschafft, die Bombe zu bauen?

Nordkorea hat sich des Know-hows verschiedener Länder bedient. Viele Forscher haben in der einstigen Sowjetunion studiert. Die fähigsten Physiker, Chemiker und Ingenieure wurden nach Moskau oder in die benachbarte Forscherstadt Dubna geschickt. Die Anfänge der nordkoreanischen Atomforschung reichen weit zurück: In den sechziger Jahren errichtete die Sowjetunion einen kleineren Reaktor in dem asiatischen Land, weitere Meiler folgten.

In den neunziger Jahren erhärtete sich der Verdacht, dass Pjöngjang Kernwaffen bauen will. Aus einem Fünf-Megawatt-Reaktor war mehrfach Nuklearmaterial entnommen worden. Geheimdienste der USA, Chinas und Südkoreas mutmaßten, dass daraus Plutonium für ein bis sechs Sprengköpfe gewonnen wurde. Bereits 1994 gab es heftigen Streit zwischen Nordkorea und der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, deren Kontrolleure die Unstimmigkeiten in den Meilern des Landes aufgedeckt hatten.

Parallel zur Plutoniumgewinnung aus Brennstäben betrieb Nordkorea aber auch ein Programm zur Urananreicherung - wohl auch deshalb, weil dies ohne laufende Atommeiler möglich ist, die sich relativ leicht überwachen lassen. Für die Anreicherung braucht man Natururan, das zu mehr als 99 Prozent aus Uran-238 und nur zu 0,7 Prozent aus dem waffenfähigen Uran-235 besteht. Um beide Isotope zu trennen, benötigt man Hunderte präzise gearbeiteter Zentrifugen.

Atomwaffen: Welche Staaten über welches Arsenal verfügen
Land strategische Sprengsätze nicht-strategisch gesamt
China 130-200 120 250-320
Frankreich 350 0 350
Indien 50 unbekannt 50+x
Israel 100-200 unbekannt 100-200
Nordkorea 5-12 0 5-12**
Pakistan 40-70 unbekannt 40-70
Russland 3300-3400 3000-8000 7200*
Großbritannien 180-200 5 180-200
USA 5236 500 5736*
Quelle: Center for Defense Information, Schätzungen, Stand Juli 2008
*Ohne eingelagerte oder in Reserve gehaltene Sprengsätze
**geschätzt anhand der angenommenen Menge von vorhandenem atomwaffenfähigen Plutonium

Der Bau solcher Zentrifugen ist der Schlüssel zur Bombe - und Nordkorea besorgte sich Geräte und Know-how dafür aus Pakistan. Der Vater der pakistanischen Atombombe, Abdul Qadir Khan, spielte wohl die zentrale Rolle beim Aufbau einer nordkoreanischen Infrastruktur zur Urananreicherung. 1992 reiste Khan zum ersten Mal nach Nordkorea.

Die "Khan Research Laboratories" versorgten seit Ende der achtziger Jahre Staaten wie Iran und Libyen mit Atomtechnik - und auch Nordkorea gehörte zu den Empfängern. Es war ein Geben und Nehmen zwischen Islamabad und Pjöngjang: Nordkorea bekam die Zentrifugentechnik - und lieferte Pakistan dafür Blaupausen und Prototypen seiner Mittelstreckenrakete "Nodong", die mit atomaren Sprengköpfen bestückt werden kann.

Hinweise auf ein nordkoreanisches Urananreicherungsprogramm hatte es immer wieder gegeben. So versuchte Nordkorea im Jahr 2003 mehr als 200 Aluminiumrohre in Deutschland zu kaufen, die nach Expertenaussagen für den Bau von Gas-Ultrazentrifugen bestimmt waren. Deutsche Ermittler konnten die Lieferung, für die es keine Ausfuhrgenehmigung gab, noch rechtzeitig stoppen.

Westliche Geheimdienste gehen davon aus, dass außer pakistanischen auch iranische Atomexperten immer wieder in Nordkorea gearbeitet haben. Auch Iran interessierte sich für die Raketentechnik aus dem Reiche Kim Jong Ils, die letztlich auf sowjetischen "Scud"-Raketen fußt.

Nordkorea könnte seine Atomtechnik sogar weiterverkauft haben: Im April 2008 präsentierte die CIA dem US-Kongress Fotos und Videos, die eine Atom-Connection zwischen Syrien und Nordkorea belegen sollen. Das stalinistische Land soll Syrien demnach beim Bau eines Atomreaktors geholfen haben.

Warum aber provoziert ein bitterarmes Land wie Nordkorea mit einem Atomtest die ganze Welt? Beobachter werten das Nuklearprogramm vor allem als Erpressungsversuch: Nordkorea kämpft damit um diplomatische Anerkennung, vor allem der Regierung Obama.

Herrscher Kim Jong Il hofft auf volle diplomatische Beziehungen mit Washington, auf den Abzug der US-Truppen aus Südkorea und möglichst viele Zugeständnisse. Er braucht dringend Geld, Rohstoffe und Kraftwerke, um die eigene Wirtschaft anzukurbeln. Offenbar geht es Kim aber auch um die Anerkennung seiner Person: Die Amerikaner sollen ihn endlich als vollwertigen Partner behandeln, als großen und genialen Staatsmann.

Dafür lässt der Diktator Tausende Menschen an Bomben bauen, die Hunderttausende oder gar Millionen Menschen töten können.

Nordkoreas Atomprogramm

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Nordkoreas Atomprogramm

Anfänge

Genfer Rahmenabkommen 1994

Sechs-Parteien-Gespräche ab 2003

Atombomben- und Raketentests

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