• Drucken
  • Senden
  • Feedback
28.05.2009
 

Biomedizin

Forscher erzeugen saubere menschliche Stammzellen

Von Jens Lubbadeh

Erst Maus, dann Mensch: Wissenschaftler haben aus menschlicher Haut Alleskönner-Stammzellen gezüchtet - ganz ohne Gentechnik, nur mit einem Gemisch aus Proteinen. Die Methode ist zwar sicher, aber auch ineffizient.

Schlag auf Schlag geht es derzeit in der Stammzellforschung: In der Reprogrammierung von Körper- zu Stammzellen gelangen Forschern in den letzten Monaten immer neue Etappenerfolge. Der letzte Streich gelang vor einem Monat einem US-amerikanischen Team um Sheng Ding vom Scripps Research Institute im kalifornischen La Jolla: Die Forscher hatten Mäusezellen in Alleskönner-Stammzellen verwandelt - ohne Gentechnik einzusetzen.. Nun machte ein Team aus südkoreanischen und US-amerikanischen Forschern dasselbe mit menschlichen Zellen: Robert Lanza von der Firma "Stem Cell and Regenerative Medicine International" in Worcester (US-Bundesstaat Massachusetts) berichtet zusammen mit Kollegen im Fachmagazin " Cell Stem Cell", wie er Zellen aus der Vorhaut von Neugeborenen mit einem Proteingemisch reprogrammierte.

Genau wie Ding benutzten die Wissenschaftler die Proteine, die von den Steuerungsgenen c-Myc, Oct4, Sox2, Klf4 produziert werden. Wissenschaftler hatten diese Gene bisher immer direkt in die Zellen eingeschleust - üblicherweise mit Viren. Zwar wurde diese Methode schrittweise verbessert, letzten Endes barg sie jedoch noch immer das Risiko, dass das Erbgut der Zellen beschädigt werden konnte. Für eine mögliche Therapie wären die auf diese Weise hergestellten Stammzellen nicht geeignet gewesen.

Ding hatte erstmals gezeigt, dass die Reprogrammierung auch ganz ohne Gentechnik möglich war - ein wesentlicher Fortschritt auf dem Weg zur maßgeschneiderten sauberen Stammzelle. Hatte man doch nun die Möglichkeit, patientenspezifische Zellen herzustellen, ohne deren Erbgut verändern zu müssen. Ding gelang das jedoch nur mit Mäusezellen, Lanza und seine Kollegen bewiesen die Tauglichkeit der Methode nun auch für menschliche Zellen.

Die erzeugten Stammzellen nennen die Forscher Protein-induzierte pluripotente Stammzellen (piPS). In ihren Alleskönner-Fähigkeiten unterscheiden sie sich nicht von denen embryonaler Stammzellen. Lanza und seine Kollegen konnten aus ihnen verschiedenste Zelltypen züchten, darunter Nerven- und Muskelzellen.

Chronik der Stammzellforschung

1998 - Embryonale Stammzellen

Die internationale Stammzellforschung hat sich seit 1998 extrem rasch entwickelt. Der US-Forscher James Thomson gewann damals weltweit erstmals embryonale Stammzellen aus übriggebliebenen Embryonen von Fruchtbarkeitskliniken. Sie galten sofort als Hoffnungsträger, um Ersatzgewebe für Patienten mit Diabetes, Parkinson oder anderen Erkrankungen zu schaffen. Die Technik ist aber ethisch umstritten, da dafür Embryonen zerstört werden müssen. In Deutschland ist sie verboten. Seitdem suchen Forscher nach ethisch unbedenklichen Wegen.

2006 - Induzierte pluripotente Stammzellen (iPS)

2007 - Menschliche iPS-Zellen

Februar 2009 - Nur noch ein Reprogrammier-Gen

März 2009 - Reprogrammier-Gene entfernt

März 2009 - Reprogrammier-Gene nicht im Erbgut

April 2009 - Reprogrammierung von Mauszellen mit Proteinen

Mai 2009 - Reprogrammierung menschlicher Zellen mit Proteinen

Oktober 2010 - Reprogrammierung menschlicher Zellen mit RNA-Schnipseln

Januar 2010 - Direkte Umwandlung von Körperzellen

Januar 2011 - Direkte Umwandlung ohne Umweg über Stammzellen

Februar 2011 - Forscher entdecken gefährliche Mutationen

Die Methode hat jedoch auch Nachteile: Die Ausbeute ist gering, weil die Zellen die großen Proteine nur in geringem Maße aufnehmen. Lanzas Team musste die Behandlung mehrere Male wiederholen, bis die Reprogrammierung gelang. Letzten Endes wurden aber nur 0,001 Prozent der eingesetzten Zellen in Stammzellen verwandelt, berichten die Forscher. Außerdem dauerte der gesamte Vorgang acht Wochen.

Die Wissenschaftler betonen in ihrer Arbeit auch, dass sie - im Gegensatz zu Ding und seinem Team - keinerlei zusätzliche Chemikalien einsetzten. Ding hatte zu den Proteinen noch Valproinsäure gegeben, um die Ausbeute an reprogrammierten Zellen zu erhöhen. Lanza kritisiert, dass der Einsatz dieser Chemikalie auch das Erbgut von Zellen verändern kann - seine Methode also noch sauberer ist.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Mensch

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP