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03.06.2009
 

Erbkrankheit

Forscher stellen reparierte Stammzellen her

Auf dem Weg zur Stammzelltherapie: Aus der Haut von Anämie-Kranken haben Wissenschaftler Stammzellen hergestellt und diese zu roten Blutkörperchen gezüchtet. Vorher aber reparierten sie das kaputte Gen, das die Krankheit auslöst.

Zelle repariert und dann verwandelt: Biologen um Juan Belmonte vom Salk Institute for Biological Studies in La Jolla (Kalifornien) ist ein weiterer Schritt zu einer ersten Therapie mit Stammzellen gelungen. In Hautzellen von erbkranken Patienten reparierten die Forscher das defekte Gen, verwandelten die Zellen anschließend in Alleskönner-Stammzellen und züchteten diese dann zu Blutzellen. Damit könnte einmal eine Therapie für bestimmte Erbkrankheiten entwickelt werden, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature".

Das Team entnahm die Hautzellen von Patienten mit der vererbbaren Blutkrankheit Fanconi-Anämie und korrigierte die speziellen Gendefekte. Danach schleusten sie vier Kontrollgene ein, um sie in induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) zu verwandeln.

Das Resultat war, dass die Zellen von dem Gendefekt befreit waren und sich wie embryonale Stammzellen in vielerlei Zellarten verwandeln konnten - unter anderem auch zu blutbildenden Vorläuferzellen. "Diese Zelllinien sind anscheinend ununterscheidbar von menschlichen embryonalen Stammzellen und von iPS-Zellen gesunder Menschen", schreibt das Team.

Allerdings haben die Forscher die so gezüchteten Zellen noch nicht wieder in die Patienten eingesetzt. Weil sie zur Reprogrammierung Gene einschleusen mussten, besteht das Risiko, dass die Zellen zu Krebs entarten könnten. Technisch ist dieses Problem aber schon heute lösbar: Wissenschaftlern gelang es vor kurzem, menschliche Hautzellen ohne das Einschleusen dieser Gene zu verwandeln.

Bei der seltenen Fanconi-Anämie bildet der Körper zu wenig weiße und rote Blutzellen. Betroffene Kinder sind oft müde, schwach und anfällig für Infekte, Erwachsene haben ein hohes Blutkrebsrisiko. Einzige Therapie ist derzeit eine Knochenmarktransplantation, die bei der Fanconi-Anämie aber oft nicht erfolgreich ist. Bislang sind mindestens zwölf verschiedene Gendefekte bekannt, die zu der Krankheit führen können. Die US-Forscher hatten Gene von verschiedenen Patienten korrigiert.

Chronik der Stammzellforschung

1998 - Embryonale Stammzellen

Die internationale Stammzellforschung hat sich seit 1998 extrem rasch entwickelt. Der US-Forscher James Thomson gewann damals weltweit erstmals embryonale Stammzellen aus übriggebliebenen Embryonen von Fruchtbarkeitskliniken. Sie galten sofort als Hoffnungsträger, um Ersatzgewebe für Patienten mit Diabetes, Parkinson oder anderen Erkrankungen zu schaffen. Die Technik ist aber ethisch umstritten, da dafür Embryonen zerstört werden müssen. In Deutschland ist sie verboten. Seitdem suchen Forscher nach ethisch unbedenklichen Wegen.

2006 - Induzierte pluripotente Stammzellen (iPS)

2007 - Menschliche iPS-Zellen

Februar 2009 - Nur noch ein Reprogrammier-Gen

März 2009 - Reprogrammier-Gene entfernt

März 2009 - Reprogrammier-Gene nicht im Erbgut

April 2009 - Reprogrammierung von Mauszellen mit Proteinen

Mai 2009 - Reprogrammierung menschlicher Zellen mit Proteinen

Oktober 2010 - Reprogrammierung menschlicher Zellen mit RNA-Schnipseln

Januar 2010 - Direkte Umwandlung von Körperzellen

Januar 2011 - Direkte Umwandlung ohne Umweg über Stammzellen

Februar 2011 - Forscher entdecken gefährliche Mutationen

lub/dpa

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