Mittwoch, 10. Februar 2010

Wissenschaft



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08.06.2009
 

Magdeburg

Archäologen finden 800 Jahre alte Schuhe

Seltene Funde: Bei einer Grabung in der Innenstadt von Magdeburg haben Archäologen 800 Jahre alte Schaflederschuhe gefunden. Die Stücke sind erstaunlich gut erhalten und machen deutlich, wie die Redewendung "umgedreht wird ein Schuh draus" entstanden ist.

Magdeburg/Halle - Archäologen verstehen nun besser, wie Schuster im Mittelalter gearbeitet haben: In Magdeburg haben sie mehrere rund 800 Jahre alte Lederschuhe gefunden. Ein Glücksfund für die Wissenschaft: "Schuhfunde dieses Typs aus der Zeit der Gotik kommen in Mitteleuropa sehr selten vor", sagte Restaurator Heiko Breuer vom Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle.

Es handle sich um fünf sogenannte Schlupfschuhe aus Schafsleder, das sich in einer feuchten Bodenschicht erstaunlich gut gehalten habe, sagte Breuer. Die Funde sollen nun im Landesmuseum restauriert werden.

Einen Einblick in die Schustertätigkeit der Barockzeit könnte ein weiterer Fund liefern, den Archäologen bei Umbettungen in der Gruft der Klosterkirche Ilsenburg (Landkreis Harz) machten: Dort entdeckten sie ein 350 Jahre altes Paar Kinderschuhe.

Der Magdeburger Fund zeigt laut Breuer sehr gut, wie Schuhe im Mittelalter hergestellt wurden: "Die Einzelteile wurden auf einen Leisten gespannt, zusammengenäht und dann zum Schutz der Naht gewendet - daher das geflügelte Wort 'Umgedreht wird ein Schuh draus'."

Die feucht geborgenen Funde wurden bereits in der Werkstatt des Museums 14 Tage lang in eine chemische Lösung getränkt und anschließend gefriergetrocknet. "Damit behalten die Schuhe ihre ursprüngliche Form und können problemlos in einer Museumsvitrine ausgestellt werden", sagte Breuer.

Schmucklose Kinderschuhe gehörten wohl einem Jungen

Die in Ilsenburg entdeckten schmucklosen Halbschuhe aus Rindsleder gehörten wahrscheinlich einem Jungen. "Für die Forschung ist das rund 350 Jahre alte Paar aus der Barockzeit besonders wertvoll, weil hier der Schuhaufbau genau erhalten ist", sagte Breuer. Geplant ist, dieses Paar an das Schuhmuseum Weißenfels auszuleihen.

Nach drei Jahren Forschungsgrabungen im Magdeburger Dom haben die Archäologen ein positives Zwischenfazit gezogen. "Wir haben herausragende Funde gemacht und sind auf weitere Überraschungen gespannt", sagte Projektleiter Rainer Kuhn. Nach einer vorübergehenden Unterbrechung wegen der Feierlichkeiten zum 800-jährigen Domjubiläum würden die Grabungen im Spätherbst an mehreren Stellen noch einmal für ein gutes Jahr fortgesetzt.

Ein herausragender Fund war ein Bleisarg aus dem 16. Jahrhundert, in dem sich nach Einschätzung der Archäologen wahrscheinlich die sterblichen Überreste von Prinzessin Editha befinden, der Ehefrau Kaiser Ottos des Großen (912 bis 973). "Mittlerweile haben wir unterhalb des Schmucksarkophags von 1510 einen deutlich älteren Steinsarg freigelegt, der vielleicht sogar die ursprüngliche Bestattung der Königin Editha im Vorgängerbau der heutigen Domkirche gewesen sein könnte", sagte Kuhn. Er ist, wie sich kürzlich herausstellte, vollständig mit Mörtel gefüllt.

Ergebnisse der Grabungen und einige Fundstücke werden zur Landesausstellung "Aufbruch in die Gotik, der Magdeburger Dom und die späte Stauferzeit" vom 31. August bis 6. Dezember 2009 im Kulturhistorischen Museum Magdeburg präsentiert. "Doch mit der umfassenden Auswertung der Befunde werden wir noch mehrere Jahre beschäftigt sein", so Kuhn.

lub/dpa

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