Während klassische Computer sozusagen Nullen und Einsen - ein Bit, Strom oder kein Strom - als kleinste Informationsbestandteile haben, liegen die Dinge bei Quantencomputern etwas komplizierter. Sie codieren größere Datenmengen nicht aus einzelnen Bits, sondern können mit vielen sogenannten Quantenzuständen gleichzeitig arbeiten, die Forscher sprechen von der Superposition der Quantenbits, kurz Qbits.
Erster elektrischer Quantenprozessor: Zwei Algorithmen ausgeführt
In der Praxis stellt sich der Bau solcher Leistungs- und Speicherwunder eher schwierig dar, US-Forschern scheint nun aber ein wichtiger Schritt gelungen zu sein. Eine Wissenschaftlergruppe um Leonardo DiCarlo von der Yale University in New Haven berichtet im Fachmagazin "Nature", sie hätten den ersten elektronischen Quantenprozessor hergestellt.
Mit einfachen Programmen, sogenannten Quantenalgorithmen, könne der neue Chip zwei Arten von Problemen lösen, schreiben die Forscher. Im Prinzip sind bereits in früheren Experimenten solche Quantenalgorithmen ausgeführt worden. Das fand allerdings in hochkomplizierten Experimentieranordnungen statt, bei denen zum Beispiel Laser oder starke Magnete zum Einsatz kamen - also nicht, was sich der Computernutzer der Zukunft so ohne weiteres auf den Schreibtisch stellen würde.
Eine Mikrosekunde Zeit
Deswegen versuchten die Forscher um DiCarlo, sich mehr an den herkömmlichen Computern und ihrer Produktion zu orientieren. Ihr Prozessor, so schreiben die Wissenschaftler, sei mit Technologien hergestellt worden, die denen bei der Herstellung derzeitiger Computerchips aus Silizium sehr ähnlich sind. Sie verwenden eine hauchdünne Aluminiumscheibe, die mit einem Film des Schwermetalls Niob bedampft ist. In diese Niobstruktur ätzten die Forscher kleine Lücken. Kontrolliert wurde das Ganze über Mikrowellenstrahlung einer bestimmten Frequenz.
Die Quantenbits des Computers, kurz Qbits, bestehen aus etwa einer Milliarde Aluminiumatomen, die sich aber wie ein einziges Teilchen verhalten - und verschiedene Energiezustände annehmen können. Die Qbits waren für eine Mikrosekunde verschränkt. So lange konnten sie die Quantenalgorithmus ausführen.
Der neue Quantenchip wurde mit zwei verschiedenen Problemstellungen gefüttert:
Der neue Chip ist noch sehr einfach und stellt nur einen weiteren Schritt auf dem Weg zu praktisch nutzbaren Computern der Zukunft dar, geben Forscherkollegen wie der Niederländer Hans Mooij von der Delft University of Technology zu bedenken. Auch DiCarlo will noch längst nicht von einem Quantencomputer sprechen.
Außerdem, so gibt der Forscher im Gespräch mit "Nature News" zu bedenken, bedürfe sein Quantenprozessor immer noch eines vergleichsweise großen Aufwands - schließlich müsse er für die Supraleitung beinahe bis zum absoluten Nullpunkt heruntergekühlt werden, der bei -273,15 Grad Celsius liegt. Die dafür nötige Kühltechnik würde wohl ebenfalls nicht auf einen Schreibtisch passen. Viel bleibt also noch zu tun auf dem Weg zum Computer der Zukunft.
chs
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