Kiel - Das kommt einer verbalen Ohrfeige gleich: In drastischen Worten hat Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen den Stromkonzern Vattenfall öffentlich an den Pranger gestellt. Er sei "stinksauer", sagte der CDU-Politiker nach einem Treffen mit Vorstandschef Tuomo Hatakka in Kiel. "Vattenfall hat allen, die mit einem vernünftigen Energiemix leben wollen, einen Bärendienst erwiesen", sagte der Regierungschef. Er gebe Vattenfall nur noch eine Chance zur Reparatur von Krümmel. Sonst werde er dafür sorgen, dass Krümmel für immer abgeschaltet werde, sagte Carstensen.
Protest vor dem AKW Krümmel: "Das hat für mich eine neue Qualität bekommen
Im Detail geht es um die Überwachung des Maschinentransformators mit einer sogenannten Teilentladungsmessung. Solche Teilentladungen können in der Hochspannungstechnik Hinweise auf Fehler in der Isolierung sein. Schäden in der Isolierung wiederum können sich unter bestimmten Umständen zu Kurzschlüssen auswachsen. Das Knistern unter Hochspannungsleitungen beispielsweise geht auf Teilentladungen zurück.
Um diesen Entladungen auf die Spur zu kommen, werden sogenannte Körperschall-Detektoren eingesetzt. Sie registrieren die Geräusche der Teilentladungen - und lassen auf diese Weise Rückschlüsse auf Schäden an den Isolierungen zu. Vattenfall hat nun eingeräumt, dass die Überwachungseinrichtung am betroffenen Maschinentransformator in Krümmel nicht installiert war.
Die Atomaufsichtsbehörde in Kiel erklärte, die Montage des betreffenden Gerätes sei fest mit Vattenfall vereinbart gewesen. Der Maschinentransformator unterliege zwar nicht der Atomaufsicht, weil das Gerät außerhalb des radioaktiven Bereichs stehe, allerdings habe man sich mit Vattenfall auf den freiwilligen Einbau der Kontrolltechnik geeinigt. "Ein Teil dieser Überwachungen sind am Maschinentransformator AT02 nicht umgesetzt worden", heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums.
"Das hat keine unmittelbaren rechtlichen Konsequenzen", erklärte Schleswig-Holsteins Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Das fehlende Messgerät sei kein Verstoß gegen eine Auflage ihres Ministeriums - sehr wohl aber ein Verstoß gegen eine Vorgabe. Der Unterschied bedeutet: Wegen der nicht eingebauten Messeinrichtung werden nicht sofort Prüfungen nach dem Atomgesetz eingeleitet, sie fließen aber in die ohnehin vom Kieler Ministerium angeordnete Zuverlässigkeitsprüfung der Betreiberfirma Vattenfall ein. Dabei wird untersucht, ob das Unternehmen die nötige Zuverlässigkeit zum Umgang mit Atomanlagen mitbringt.
In diesem Verfahren könnte das nicht installierte Gerät eine wichtige Rolle spielen. "Das hat für mich eine neue Qualität bekommen", sagt Ministerin Trauernicht. Einvernehmliche Vereinbarungen zwischen dem Ministerium und dem Betreiber müssten umgesetzt werden: "Darauf muss ich mich verlassen können." Der Einbau des Messgerätes habe in der Verantwortung von Vattenfall gelegen, eine Überprüfung durch einen Gutachter sei nicht vorgesehen gewesen.
Vattenfall hat inzwischen Konsequenzen gezogen: Der Kraftwerksleiter hat - laut Firmenangaben - auf eigenen Wunsch seine Aufgaben abgegeben. Außerdem sollen die beiden Maschinentransformatoren in Krümmel komplett ausgetauscht werden. Vattenfall erklärte, neue Transformatoren könnten frühestens bis April oder Mai 2010 geliefert und eingebaut werden. Bis dann stehe das Kraftwerk still. Demonstranten forderten bereits am Montag bei einer Protestaktion vor dem Kieler Sozialministerium die komplette Stilllegung des AKW.
chs/AP
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Ich habe nirgends ausgeschlossen, dass es auch noch andere Bereiche gibt, die diesen fixen Begriff verwenden. Ihre billigen Rechtfertigungsversuche wirken in meinen Augen allerdings recht erheiternd... vor allem dass [...] mehr...
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Was konkret bezeichnen Sie als Unsinn? Seltsame Message. Verstehe ich nicht. mehr...
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