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08.07.2009
 

Schweden

Behörde stellt Vattenfall-Atomkraftwerk unter schärfere Kontrolle

Neuer Ärger für Vattenfall: Nach der Panne im Atomkraftwerk Krümmel gerät der Konzern nun auch im eigenen Land unter Druck. Die schwedische Strahlenschutzbehörde wirft Vattenfall vor, die Behebung von Sicherheitsmängeln im AKW Ringhals jahrelang verschlampt zu haben.

Frankfurt/Stockholm - Reaktorpannen, ungeschickte Informationspolitik, Verzögerungstaktik: Vattenfall kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Wenige Tage nach Abschalten seines norddeutschen Atomkraftwerkes Krümmel steht der schwedische Konzern auch im eigenen Land vor einem erneuten Image-Fiasko. Die Strahlenschutzbehörde SSM warf Vattenfall am Mittwoch vor, Sicherheitsmängel am Atomkraftwerk Ringhals nicht behoben zu haben - und hat die Anlage nun unter verschärfte Aufsicht gestellt.

Schwedisches Atomkraftwerk Ringhals: Behörde wirft Vattenfall Nachlässigkeit vor
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DPA

Schwedisches Atomkraftwerk Ringhals: Behörde wirft Vattenfall Nachlässigkeit vor

Nach Angaben der Behörde wurden in Ringhals seit Jahresbeginn 60 Zwischenfälle gemeldet. Zwei davon seien in die oberste von drei Gefahrenkategorien eingestuft worden. In einem Fall sei ein automatisches Ventil, das den Austritt radioaktiven Materials aus dem Reaktor verhindern soll, nicht in Betrieb gewesen.

Die Strahlenschutzbehörde erklärte, sie habe seit 2005 auf Mängel hingewiesen, die aber bis heute nicht behoben worden seien. "Unsere Behörde ist der Auffassung, dass der Arbeit mit Sicherheit in Teilen der Organisation nicht die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt wird", hieß es. "Das kann auf die Dauer die Reaktorsicherheit gefährden."

Vattenfall muss der SSM ab sofort laufend Bericht über die Behebung konstatierter Mängel erstatten und weitere besondere Auflagen erfüllen. Der wegen Modernisierungsarbeiten abgeschaltete Reaktor 1 darf erst nach Abschluss dieser Arbeiten wieder angefahren werden.

Nach einem auch von Vattenfall selbst als "sehr ernst" eingestuften Zwischenfall in seinem zweiten schwedischen Atomkraftwerk Forsmark im Sommer 2006 wurde dieser für zwei Jahre unter behördliche Sonderaufsicht gestellt. Forsmark-Mitarbeiter hatten im Fernsehen von Panik im Kontrollraum beim Ausfall von Notgeneratoren und einem "generellen Verfall der Sicherheitskultur" in der Anlage gesprochen.

Aktivisten schweißen Einfahrtstore am AKW Krümmel zu

Das Atomkraftwerk Krümmel, das nach einem Störfall 2007 fast zwei Jahre stillgestanden hatte, war erst Mitte Juni wieder angefahren worden - und steht nun seit der neuerlichen Panne am Samstag schon wieder still. Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace schweißten am Montag die Einfahrtstore der Anlage zu. An jedem der fünf Tore wurden laut einer Mitteilung zusätzlich Hinweisschilder angebracht mit der Aufschrift: "AKW Krümmel geschlossen wegen Unzuverlässigkeit von Vattenfall".

Greenpeace forderte die für die Atomaufsicht zuständige schleswig-holsteinische Sozialministerin Gitta Trauernicht auf, die Betriebsgenehmigung des Betreibers Vattenfall zu widerrufen. Die Aufsichtsbehörden agieren nach Ansicht von Greenpeace "seit Jahren zunehmend zögerlich gegenüber den Stromkonzernen, weil sie Schadensersatzforderungen fürchten".

Die Bundesregierung räumte derweil die technische Rückständigkeit von Atomkraftwerken älterer Bauart wie Krümmel oder Biblis ein. "Die neueren Siedewasserreaktoren sowie die Druckwasserreaktoren der dritten oder vierten Generation haben grundsätzlich bessere Sicherheitseigenschaften", heißt es in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen, wie die "Berliner Zeitung" berichtet. Bei dem seit Samstag abgeschalteten Meiler Krümmel handelt es sich um einen Siedewasserreaktor älterer Bauart.

In einer Antwort auf eine weitere Anfrage gehe die Regierung noch weiter, schreibt das Blatt. Die älteren Meiler "entsprechen nicht dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik", heiße es darin. Sie gehörten "nicht zu den weltweit hochmodernsten und sichersten Atomkraftwerken". Die Antworten der Regierung stammen dem Bericht zufolge bereits aus den Jahren 2007 und 2006.

RWE hält Atommeiler für sicher

Jürgen Großmann, Vorstandschef des Stromkonzerns RWE, betonte die Sicherheit der deutschen Atomkraftwerke. "Die Kernkraftwerke in Deutschland arbeiten alle auf höchstem internationalem Niveau. Es ist kein einziges Kraftwerk in Betrieb, das nicht sicher ist. Auch ältere Kernkraftwerke in unserem Land sind auf Top-Niveau", sagte der Manager laut "Bild"-Zeitung. Im internationalen Vergleich seien die alten Anlagen in Deutschland noch jung. Anderswo liefen sie doppelt so lange. Zudem würden die deutschen Kernkraftwerke so streng überwacht wie sonst nirgends.

mbe/dpa/AP

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