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19.07.2009
 

DNA-Test

Haarprobe soll Luxemburg-Geheimnis lüften

Ein DNA-Test soll zeigen, um wen es sich bei der Wasserleiche in der Berliner Charité wirklich handelt: Eine Großnichte der vor mehr als 90 Jahren ermordeten Rosa Luxemburg hat eine Haarprobe abgegeben. Damit soll das Schicksal der KPD-Führerin aufgeklärt werden.

Berlin - Vor mehr als 90 Jahren wurde sie ermordet, doch noch immer ist nicht klar, was mit der KPD-Führerin Rosa Luxemburg geschehen ist. Nun gibt es einen neuen Ansatz in der Diskussion, ob es sich bei einer in den Archiven der Charité gefundenen Leiche um ihre sterblichen Überreste handelt. Nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" lebt in Jerusalem eine in der Öffentlichkeit bisher nicht bekannte Großnichte der Sozialistin.

Die 79-jährige Irene Borde habe dem Berliner Gerichtsmediziner Michael Tsokos eine Haarprobe zukommen lassen. Die Frau ist laut "Bild am Sonntag" die Enkelin eines Bruders von Rosa Luxemburg. In der Sowjetunion aufgewachsen, sei sie 1973 nach Israel ausgewandert. Dort arbeitet sie als Professorin für Verfahrenstechnik an der Ben-Gurion-Universität in Beerscheba.

Der Zeitung sagte Brode, sie habe sich mit ihrer Verwandtschaft zu Rosa Luxemburg "nicht wichtigtun" wollen. "In Russland hatten wir mit dem Namen Luxemburg nur Nachteile." Rosa Luxemburg sei dort als Gegnerin Lenins eine unerwünschte Person gewesen. Nun wünsche sie sich eine schnelle Lösung des Rätsels um die Wasserleiche: "Bitte klären Sie den Fall so schnell wie möglich", forderte sie Gerichtsmediziner Tsokos auf - mit Hilfe der Haarprobe.

"Nur mit einer Sicherheit von 60 bis 70 Prozent"

Doch der Mediziner warnte sofort vor zu hohen Erwartungen: "Wenn wir das DNA-Profil einer Großnichte und ihrer vermuteten Großtante isolieren können, kann man im günstigsten Fall nur mit einer Sicherheit von 60 bis 70 Prozent feststellen, ob sie tatsächlich miteinander verwandt sind."

Der SPIEGEL hatte berichtet, dass Tsokos in der Charité eine Wasserleiche entdeckt hat. Aufgrund zahlreicher Indizien vermutete er, dass es sich dabei um die Leiche der 1919 ermordeten einstigen KPD-Führerin Luxemburg handelt.

Anhand einer Untersuchung des Leichnams im Computertomografen lässt sich demnach nachweisen, dass die Frau zum Zeitpunkt ihres Todes zwischen 40 und 50 Jahre alt war, an Arthrose litt und unterschiedlich lange Beine hatte. Rosa Luxemburg war 47, als sie ermordet wurde. Sie litt unter einer angeborenen Hüftverrenkung und einer daraus resultierenden Beinlängendifferenz.

Ein eindeutiger Nachweis fehlt jedoch - obwohl die Charité in der Folge mehrere hundert Hinweise aus der ganzen Welt erhalten hatte. So war auch eine Nichte Luxemburgs aufgespürt worden, die in Polen lebt. Allerdings ist die Frau schwer demenzkrank.

Rosa Luxemburg und der Arbeiterführer Karl Liebknecht waren am 15. Januar 1919 von Soldaten der Garde-Kavallerie-Schützen-Division ermordet worden. Luxemburg wurde durch einen Schuss in den Kopf getötet. Anschließend warfen die Täter ihre Leiche in den Landwehrkanal, wo sie Monate später gefunden wurde. Am 13. Juni 1919 war eine Frau als Rosa Luxemburg auf dem Friedhof Berlin-Friedrichsfelde bestattet worden, Tsokos zweifelt jedoch an, dass es sich dabei tatsächlich um die Ermordete gehandelt hat.

Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gelten auch heute noch als Ikonen der linken Bewegung. In Berlin wird ihrer Ermordung jährlich im Januar gedacht. Auch in diesem Jahr zogen mehrere Zehntausende Menschen in einem von der Linkspartei initiierten stillen Gedenken an den Gräbern der beiden in der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde vorbei.

chs/ddp/dpa

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