Neu-Delhi - Es waren charakteristische Gemeinsamkeiten - obwohl die Probanden Tausende Kilometer entfernt voneinander lebten: Indische Forscher haben bei Gentests in der Bevölkerung des Subkontinents Mutationen nachweisen können, die sonst nur bei den Aborigines in Australien vorkommen. Die beiden Völkergruppen müssen deshalb einen gemeinsamen Ursprung haben, schreibt eine Wissenschaftlergruppe um Raghavendra Rao vom Anthropological Survey of India in Kolkata im Fachmagazin "BMC Evolutionary Biology".
Die Wissenschaftler hatten bei 966 Probanden aus 26 indischen Stämmen das Erbgut der Mitochondrien, das sind - vereinfacht gesprochen - die Kraftwerke der Zellen, analysiert. Dieses Erbgut wird nur von der Mutter weitervererbt. Die Wissenschaft nutzt es deswegen, um Vererbungslinien oder ganze Völkerbewegungen nachzuverfolgen. Durch Analysen der mitochondrialen DNA kann ermittelt werden, ob Völker einen gemeinsamen Ursprung haben und zu welchem Zeitpunkt sie sich voneinander trennten.
Bei sieben Indern konnten die Forscher Genmutationen finden, die sonst nur die Aborigines in Australien haben. Die genetischen Befunde unterstützen eine lange gehegte Theorie: Wahrscheinlich besiedelten die modernen Menschen den ganzen asiatischen Raum und Australien über die sogenannte Südroute, die von Afrika über Arabien und Indien geführt haben muss - und nicht über einen nördlichen Weg über die Mittelmeerländer. Bislang war unklar, auf welchem Weg der moderne Mensch Südostasien und Australien eroberte. Der gängigen "Out of Africa"-Theorie zufolge begann die Wanderbewegung der Menschen vor rund 100.000 Jahren.
Die Trennung der Vorfahren der Inder und der Aborigines fand vermutlich vor mehr als 50.000 Jahren statt, berichten die Wissenschaftler. Ein mindestens 50.000 Jahre altes Fossil eines modernen Menschen, das im australischen Bundesstaat New South Wales gefunden wurde, scheint diese Theorie zu bekräftigen.
chs/dpa/ddp
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