Mehr als zwei Millionen Jahre lagen die Knochen des Vormenschen unter der Erde, ehe sie von Forschern im südafrikanischen Sterkfontein ausgegraben wurden. Jetzt hat sich anhand radiologischer Untersuchungen herausgestellt, dass der frühere Besitzer der Knochen - ein männlicher Australopithecus africanus - vermutlich an einer Lebensmittelvergiftung litt.
Schädel eines Australopithecus afarensis: Bei einem anderen Vertreter seiner Gattung fanden Forscher Anzeichen einer Lebensmittelvergiftung
Die Krankheit wird durch den Konsum von Fleisch oder Milchprodukten auf den Menschen übertragen. Zu den Symptomen gehören hohes Fieber, Übelkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Magenbeschwerden, Durchfall - und mitunter können auch Organe sowie das Knochenmark Schäden davontragen.
Wenn die Australopithecus-Wirbel also tatsächlich durch Brucella-Bakterien beschädigt wurden, wären sie nach Meinung der Forscher der älteste direkte Beweis für Fleischkonsum bei einem Urahnen des Menschen. Bisher konnte man Fleischkonsum nur indirekt über Spuren von Schnittwerkzeugen an Tierknochen nachweisen. Die ältesten bekannten Schnittspuren sind rund 2,5 Millionen Jahre alt. Die Australopithecus-Knochen könnten bis zu 300.000 Jahre älter sein - der Vormensch starb vermutlich vor 2,4 bis 2,8 Millionen Jahren.
Die Frage nach dem Beginn des Fleischkonsums ist wichtig, weil sie bei den Vor- und Frühmenschen mit der Entwicklung eines größeren Gehirns in Zusammenhang gebracht wird. Das menschliche Gehirn ist immerhin dreimal so groß wie das des Schimpansen. Um ein Organ solcher Dimensionen aufzubauen, muss ein sehr großer und kontinuierlicher Protein- und Energienachschub durch die Nahrung gewährleistet sein, und das geht nur mit Fleisch.
Tiere können auf systematische Weise nur durch Jagd erlegt werden, was wiederum komplexes Denken, also ein größeres Gehirn voraussetzt. Wie bei dem Huhn und dem Ei ist nicht ganz einfach zu klären, was zuerst kam - Fleischkonsum oder Gehirnwachstum. Anthropologen gehen aber davon aus, dass am Anfang zumindest gelegentlicher Fleischkonsum gestanden haben muss, da ohne diesen das Gehirn aus rein physiologischen Gründen nicht an Volumen zunehmen konnte.
mbe/ddp
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