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21.09.2009
 

Gekürzte Hilfsprogramme

Finanzkrise begünstigt Ausbreitung von Aids

Aus Kapstadt berichtet Corinna Arndt

Teure Arzneien gegen HIV: "Wir steuern auf eine Katastrophe zu"Zur Großansicht
dpa

Teure Arzneien gegen HIV: "Wir steuern auf eine Katastrophe zu"

Die westlichen Länder ächzen unter der Finanzkrise und streichen deshalb Gelder für Anti-Aids-Programme. Mit fatalen Folgen: Immer mehr Afrikaner sterben an der HIV-Infektion - und Pharmaunternehmen weigern sich, den betroffenen Staaten mit verbilligten Medikamenten zu helfen.

Thembisa Mkhosana sieht gesund aus, als würde sie vor Kraft strotzen. Sie ist eine selbstbewusste Frau mit lachenden Augen und einem Gang, nach dem sich die Männer umdrehen. Dass die 36-Jährige seit gut zehn Jahren HIV-positiv ist, sieht man ihr nicht an. Sie schluckt antiretrovirale Medikamente, die das Virus lange Zeit in Schach gehalten haben.

Thembisa Mkhosana ist das lebende Beispiel dafür, dass HIV nicht den sofortigen Tod bedeuten muss. Sie selbst hat diese Botschaft weitergetragen - als Aids-Aktivistin in den Kliniken ihres Heimatortes Khayelitsha, dem größten der Townships vor den Toren Kapstadts. Seit drei Wochen tut sie das nicht mehr.

"Schon im Januar haben sich meine Blutwerte drastisch verschlechtert", sagt sie und knetet nervös ihre Hände. "Und jetzt habe ich plötzlich Fieber und Schmerzen."

Die Mutter zweier Kinder hat nicht einfach nur Fieber - die Aids-Krankheit ist bei ihr ausgebrochen. Die Medikamente, die sie bisher genommen hat, wirken nicht mehr.

Ihre Ärzte wissen, dass sie sterben wird, und sie weiß es auch. "Sie sagen, ich soll meine Tabletten einfach weiternehmen. Andere gebe es hier nicht."


Seit 2004 stellt Südafrika, das Land mit der höchsten HIV-Infektionsrate der Welt, seiner Bevölkerung kostenlos Aids-Medikamente zur Verfügung. Wer dagegen resistent wird, bekommt eine Alternativbehandlung. "Bei weiteren Resistenzen ist Schluss", sagt Gilles van Cutsem, Programmdirektor von Médecins Sans Frontières (MSF), zu deutsch Ärzte ohne Grenzen. Die Organisation betreibt in Khayelitsha eines der ältesten Aids-Programme Afrikas und steht damit an vorderster Front im Kampf gegen die Seuche.

Doch momentan stecken die Helfer und ihre kranken Patienten in einer schweren Krise. Weil der Westen unter der globalen Finanzkrise leidet, hat er zunehmend andere Sorgen als den Kampf gegen Aids in Afrika. Doch die Seuche ist längst nicht besiegt - im Gegenteil.

Im Global Fund, dem großen Aids-Fonds der Vereinten Nationen, klafft ein Loch von drei Milliarden Dollar. "Wir steuern hier auf eine Katastrophe zu", warnt van Cutsem. "Und das nur, weil die reichen Länder ihre eigenen Versprechen nicht einhalten und nicht genug Geld einzahlen." Damit meint van Cutsem das international vereinbarte Zwischenziel des Millenniumsentwicklungsprojektes, bis 2010 allen Aidskranken weltweit Zugang zu Behandlung und Medikamenten zu ermöglichen. Ein Ziel, dem sich auch die G-8-Staaten verpflichtet haben - darunter Deutschland.

Sieben Millionen Menschen ohne Zugang zu Aids-Medikamenten

Doch obwohl bisher erhebliche Summen in den Fonds geflossen sind, wächst der Bedarf schneller, als die Gelder aufgestockt werden. Aids-Aktivisten wie das deutsche "Aktionsbündnis gegen Aids" haben sich bereits vor Monaten an die Bundesregierung gewandt mit der dringenden Bitte, die Zahlungen an den Globalen Fonds "signifikant zu erhöhen". Seit 2002 hat Deutschland 670 Millionen Euro eingezahlt; für den Zeitraum von 2008 bis 2010 steuert es jährlich 200 Millionen Euro bei und gehört damit - neben Frankreich mit rund 300 und den USA mit mehr als 600 Millionen Euro - zu den wichtigsten Geberländern.

Gemessen an seiner Wirtschaftsleistung im internationalen Vergleich trüge es aber eine größere Verantwortung, der eine "Aufstockung der bisherigen Zusagen um 704 Millionen US-Dollar (knapp 500 Millionen Euro) entspräche", so das Aktionsbündnis in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im März. In einer Reaktion auf die Forderungen räumte Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) ein, dass für die Jahre 2011 bis 2013 eine "kräftige Mittelaufstockung" für den Fonds nötig sei. Dafür nahm sie aber "die Regierungen, die bislang wenig zum Globalen Fonds beigetragen" hätten sowie Privatunternehmen und Stiftungen in die Pflicht.

Während unter den Gebern noch der Schwarze Peter hin- und hergeschoben wird, hat Ärzte ohne Grenzen für sechs afrikanische Länder bereits die Folgen der Finanzlücken dokumentiert: So habe Tansania in diesem Jahr 25 Prozent weniger Geld für die Aids-Bekämpfung zur Verfügung als 2008. In Uganda nähmen viele Kliniken keine neuen Patienten mehr auf. Und in Malawi würden schon jetzt vielerorts die Tabletten knapp. Ohnehin haben weltweit sieben Millionen Menschen noch keinen Zugang zu Aids-Medikamenten. Kürzungen der Programme zum jetzigen Zeitpunkt wären "ein Rückschritt ohnegleichen", sagt van Cutsem. "In Europa mögen die Menschen aufgrund der Wirtschaftskrise Arbeitsplätze verlieren. In Afrika verlieren sie ihr Leben."

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insgesamt 31 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
29.09.2009 von ann-christien: Verbreitung stoppen statt Symptome

Ich schließe mich dem grundsätzlichen Tenor der bisherigen Meinungen an. Man müsste das Problem an der Würzel packen. Das klingt zwar aus dem Munde eines behüteten Kindes dieses postindustriellen Staates, das sich inzwischen zur [...] mehr...

22.09.2009 von con anima: xxx

Allerdings muß man sich darüber im Klaren sein, daß dies, wenn überhaupt, nur in Generationen-Zeiträumen zu bewerkstelligen sein wird. Unsere westliche Denke verkennt hier völlig, daß "Vernunft" kein Bestandteil der [...] mehr...

22.09.2009 von Kim: Virusausrottung eher selten

Eine Ausrottung eines Virus (wie bei den Pocken) ist allerdings ein eher seltenes Phänomen, normalerweise gelingt eine vollständige Ausrottung nicht, sondern es wird regelmäßig geimpft z.B. gegen die Grippe (eher mit HIV [...] mehr...

22.09.2009 von E_LD50: Gewissheit?!?

Woher nehmen Sie diese Gewissheit? mehr...

22.09.2009 von E_LD50: Nachtrag!!

Und was nicht zu vergessen ist, obwohl wir hier in D leichten Zugang zu den neuen Medikamenten haben, sobald es still um das Thema AIDS und HIV wird, gehen die Ansteckungsraten in die Höhe. Ein Indiz dafür, dass Aufklärung sehr [...] mehr...

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HIV/Aids - Die Fakten

Die HIV-Infektion

Die Infektion mit HIV erfolgt über Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma und Scheidensekret, aber auch über die Muttermilch. Außer ungeschütztem Vaginal- und Analverkehr gilt die gemeinschaftliche Nutzung von Spritzen durch Drogensüchtige als ein Hauptübertragungsweg.

Bei normalem Körperkontakt gibt es dagegen kein Infektionsrisiko, da die Körperhaut im Gegensatz zur Schleimhaut über eine schützende Hornschicht verfügt. Bei Verletzungen oder Ekzemen können allerdings auch hier Erreger eindringen. Beim beruflichen Umgang mit Kollegen am Arbeitsplatz besteht ebenso wenig Ansteckungsgefahr wie bei Besuchen von Schwimmbad oder Sauna oder gemeinsamem Essen. Kein Risiko gibt es auch bei ärztlichen und zahnärztlichen Behandlungen, da die Desinfektion von Instrumenten das Virus zuverlässig abtötet.

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