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31.08.2009
 

Tränen-Studie

Warum wir weinen

Freudentränen, Trauer oder Wut: Die emotionalen Gründe des Weinens sind vielfältig, die evolutionären jedoch unklar. Forscher aus Israel vermuten, dass der Flüssigkeitsfilm in den Augen die wahren Intentionen des Weinenden verschleiert - und dadurch Aggressivität beim Gegenüber abschwächt.

Wenn Tränen aus den Augen rollen, ist der Weinende nicht unbedingt traurig. Vielleicht freut er sich, ist wütend, leidet unter Schmerzen, hat Mitleid, ist gerührt, fühlt sich machtlos oder ungerecht behandelt. Die Gefühle, die Weinen auslösen, sind ebenso vielfältig wie individuell unterschiedlich - der Sinn der Tränen selbst ist aber immer noch unklar. Ein Evolutionsbiologe von der Tel Aviv Universität in Israel präsentiert jetzt einen neuen Erklärungsversuch, warum wir weinen: Er vermutet, dass wir Unterwerfung und Abhängigkeit signalisieren wollen.

Einige Forscher gehen davon aus, dass Tränen dazu dienen, chemische Substanzen aus dem Körper zu eliminieren, die durch Stress, Trauer, Schmerz oder Wut entstanden sind. Andere vermuten, dass Babys etwa weinen, um ihre Umwelt auf Schmerzen aufmerksam zu machen. Zudem haben Untersuchungen gezeigt, dass Tränen beim Gegenüber das wahrgenommene Gefühl statistisch messbar verstärken: Berichtet ein Mensch lediglich über seine Trauer, löst das weniger intensive Gefühle in seinem Gesprächspartner aus, als wenn derjenige zusätzlich weint. Damit könnten Tränen als Signal an die Umwelt verstanden werden.

Mitleid und Verständnis durch Tränen

Der Evolutionsbiologe Oren Hasson hat diese Theorie weiter verfolgt: Er schreibt in der Fachzeitschrift "Evolutionary Psychology", dass Weinen vermutlich dazu dient, andere Menschen stärker an sich zu binden. Weinen signalisiere Verletzlichkeit und Hilfsbedürftigkeit. Dies könnte in unterschiedlichen Situationen von Vorteil sein: Wer aus Angst vor einem Angreifer weint, könnte Mitleid erwecken, wer in einer Gruppe Tränen vergießt, könnte Verständnis und damit Unterstützung von anderen Gruppenmitgliedern hervorrufen.

Diese Mechanismen, meint Hasson, seien unter anderem erklärbar durch die direkten Veränderungen in den Augen: "Der Flüssigkeitsfilm, der häufig mit einer Rötung der Augen einhergeht, erschwert Betrachtern die Sicht auf Blickrichtung und Pupillenbewegungen des Weinenden", schreibt Hasson in der Fachzeitschrift. "Exzessives Weinen könnte so Informationen darüber zurückhalten, welche Absichten gehegt werden und somit andere hemmen."

Die zentrale Theorie der Forscher: Wer weint, behindert aggressives Verhalten bei Gesprächspartnern und versucht, diese näher an sich zu binden. Der Evolutionsbiologe David Buss von der University of Texas in Austin, der nicht an der Studie beteiligt war, hält Hassons Erklärungsmodell für sehr plausibel. Der US-Wissenschaftsdienst "Livescience" zitiert Buss: Dass Tränen hemmend auf andere Menschen wirkten, sei eine "sehr originelle Idee".

hei

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