Berlin - Im Schnitt werden Teenager immer eher sexuell aktiv. US-Forscher wollen nun eine genetische Begründung dafür gefunden haben, dass bestimmte junge Menschen besonders früh ihren ersten Geschlechtsverkehr haben. Ein Forscherteam um Jane Mendle von der University of Oregon in Eugene berichtet im Fachmagazin "Child Development" von der Studie, bei der Langzeitdaten von 1382 Amerikanern ausgewertet wurden.
Für den "National Longitudinal Survey of Youth" waren zwischen 1979 und 1994 Freiwillige jährlich befragt worden, seitdem alle zwei Jahre. Die Forscher suchten sich für ihre Untersuchung aus dieser Gruppe Mütter heraus, die mit anderen ebenfalls Befragten verwandt waren: Zwillinge, Schwestern und Cousinen. Die Kinder dieser Frauen wurden ab dem Alter von 14 befragt.
Dabei zeigte sich: Jugendliche, die von alleinerziehenden Müttern aufgezogen wurden, hatten deutlich früher Sex als andere. 63 Prozent der Befragten aus dieser Kategorie gaben an, schon einmal Sex gehabt zu haben. Bei jungen Menschen, deren Vater zumindest zeitweise in der Familie lebte, waren es 53 Prozent. Und bei Jugendlichen aus Familien, in denen die biologischen Eltern dauerhaft zusammenlebten, waren es nur 21 Prozent. Oder anderes ausgedrückt: Ohne Vater aufgewachsene Jugendliche waren beim ersten Geschlechtsverkehr im Schnitt 15,28 Jahre alt - im Gegensatz zu 16,11 Jahren bei Jugendlichen aus klassischen Familien mit zwei Eltern.
Die Forscher erklären diesen Unterschied aber weniger mit Umgebungsfaktoren als mit der genetischen Prädisposition. Sie verglichen Jugendliche, die miteinander verwandt waren, aber in unterschiedlichen Familiensituationen lebten. Dabei stellten sie fest: Je näher zwei Probanden miteinander verwandt waren, desto näher lagen auch die jeweiligen Zeitpunkte des ersten Geschlechtsverkehrs beieinander. Allerdings erklärten die Forscher, keine Aussage darüber zu machen, wie stark der Einfluss der Erbanlagen auf das Sexualverhalten in jungen Jahren sein könnte.
Dessen ungeachtet wurde die Arbeit von anderen Wissenschaftlern kritisiert. Die Webseite des "New Scientist" zitiert zum Beispiel Bruce Ellis von der University of Arizona in Tucson. Er kritisierte, dass sich weder der Einfluss der Gene noch soziale Faktoren in der Untersuchung nachweisen ließen. Er verwies darauf, dass die genetische Übereinstimmung der Kinder zweier Schwestern ohnehin relativ gering ist.
chs
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Mensch | RSS |
| alles zum Thema Teenagerschwangerschaft | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH