Wer in jungen Jahren viel Zucker vertilgt, könnte später kriminell werden. Dieser Auffassung sind zumindest Wissenschaftler um Simon Moore von der Cardiff University. Sie haben die Daten einer groß angelegten Langzeitstudie in Großbritannien ausgewertet und dabei einen recht ungewöhnlichen Zusammenhang entdeckt: Kinder, die täglich Süßigkeiten und Schokolade bekommen, fallen im Erwachsenenalter häufiger durch Aggressivität auf.
Die Daten für die Statistik von Simon Moore sind im Rahmen der "1970 British Cohort Study" erhoben worden: Die Langzeitstudie begleitete insgesamt fast 17.500 Kinder, die in einer bestimmten Woche im April 1970 in England, Schottland und Wales geboren wurden. Zehn Jahre später befragten die Forscher die Eltern nach den Essgewohnheiten ihrer Kinder.
Andere Einflussfaktoren wie etwa die Erziehung der Eltern, die Umgebung, in der die Probanden aufwuchsen sowie schulische Bildung konnten die Forscher nach eigenen Angaben statistisch ausschließen. Demnach sei der Zusammenhang zwischen Essgewohnheiten und Verhaltensweisen signifikant. Dennoch handelt es sich bei den Ergebnissen, die in der Oktoberausgabe des "British Journal for Psychiatry" veröffentlicht wurden, lediglich um eine statistische Auswertung von Daten. Eine nachgewiesene Korrelation belegt für sich noch keinen kausalen Zusammenhang. So können die Forscher auch nur über mögliche Ursachen des Verhaltensmusters spekulieren.
Dass Naschkatzen im Erwachsenenalter eher zu Gewalttaten neigen als andere, erklärt Simon Moore mit dem Belohnungsprinzip: "Wir glauben, dass Kinder, die regelmäßig Süßigkeiten bekommen, nicht gelernt haben abzuwarten, bis sie etwas bekommen." Stattdessen seien sie es gewohnt, schnell belohnt zu werden und deshalb ungeduldig. Langfristig mache sie das zu impulsiveren Menschen.
Bevor man aber aus den Studienergebnissen Empfehlungen für eine weniger süße Ernährung von Kindern ausspreche, müsse man sich die Zusammenhänge genauer ansehen, gesteht der Forscher. Denn die genauen Mechanismen dahinter kann er noch nicht erklären.
Alan Maryon-Davis von der Faculty of Public Health in London kann sich beispielsweise vorstellen, dass Eltern von verhaltensauffälligen Kindern eher versuchen könnten, diese mit Süßigkeiten ruhigzustellen. Dagegen stempelt Julian Hunt von der Food and Drink Federation die Studie als völligen Blödsinn ab. Kein Wunder: Hunt ist Lobbyist, hinter seiner Organisation stehen Nahrungsmittelproduzenten, die mit Süßigkeiten für Kinder gute Geschäfte machen.
cib
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