Montag, 23. November 2009

Wissenschaft



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
  • Merken
28.10.2009
 

Evolutionäres Erbe

Dominante Mitmenschen beeinflussen Blick

Aufmerksamer Blick (des Tennisspieler Janko Tipsarevic): Unbewusster, reflexartiger Effekt
Zur Großansicht
AP

Aufmerksamer Blick (des Tennisspieler Janko Tipsarevic): Unbewusster, reflexartiger Effekt

Wer sieht, wie seine Mitmenschen in eine bestimmte Richtung blicken, schaut oft automatisch ebenfalls dorthin - vor allem, wenn das Gegenüber sehr dominant wirkende Gesichtzüge besitzt. Forscher glauben, dass dieser Reflex evolutionsbiologisch schon sehr alt ist.

London - Das Muster ist bereits von Makaken bekannt. Die Primaten orientieren sich vor allem an der Blickrichtung dominanter Artgenossen. Das haben frühere Studien gezeigt. Nun berichten Forscher um Benedict Jones von der University of Aberdeen in Schottland ähnliches auch vom Menschen.

Die Neigung, dem Blick sozial hochstehender Artgenossen zu folgen, sei möglicherweise schon bei einem gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Affe entstanden, spekulieren die Forscher im Fachblatt "Proceedings of the Royal Society B". Sie habe sich vermutlich bis heute erhalten, weil es hilfreich sei, zu wissen, was prominente Gruppenmitglieder gerade beschäftige.

Für ihre Tests mit 20 Freiwilligen hatten die Wissenschaftler zunächst zwei idealisierte Gesichter entworfen, ein männliches und ein weibliches. Anschließend veränderten sie bei beiden Gesichtern die Züge so, dass sie deutlich mehr männliche oder deutlich mehr weibliche Merkmale bekamen. Im Endeffekt benutzten sie also vier Bilder: ein vermännlichtes weibliches, ein verweiblichtes männliches und je ein übertrieben weibliches und ein übertrieben männliches Gesicht.

Bei allen Gesichtern schauten die Augen entweder nach rechts oder nach links. Im Test bekamen die Probanden zuerst diese Bilder für eine kurze Zeit gezeigt und dann entweder ein "T" oder ein "L". In einigen Fällen war der Buchstabe genau dort, wo auch das zuvor gesehene Gesicht hingeblickt hatte, während er in anderen Fällen auf der entgegengesetzten Seite platziert war. Die Testteilnehmer sollten nun so schnell wie möglich angeben, ob sie ein "T" oder ein "L" sahen.

Zeichen hohe Position in sozialer Hierarchie

Erwartungsgemäß war die Reaktion der Probanden schneller, wenn der Buchstabe in der Blickrichtung des Gesichts auftauchte - allerdings nur dann, wenn es sich um eines der vermännlichten Gesichter gehandelt hatte. Die beiden verweiblichten Bilder hingegen hatten keinen Einfluss auf die Reaktionsgeschwindigkeit. Zudem war der Zusammenhang vor allem bei sehr kurzen Testzeiten ausgeprägt.

Für die Forscher ist Letzteres ein Zeichen dafür, dass es sich um einen unbewussten, reflexartigen Effekt handelt, der verschwindet, sobald die Probanden bewusst über das Gesicht nachzudenken beginnen.

Maskuline Gesichtszüge würden auch heute noch mit körperlicher Kraft und einem ausgeprägten Durchsetzungsvermögen assoziiert, erklären die Forscher. Sie seien also nach wie vor ein Zeichen für Dominanz und damit gleichzeitig auch häufig für eine hohe Position in der sozialen Hierarchie.

Dorthin zu schauen, wo auch dominante Mitmenschen hinsehen, sich also an ihnen zu orientieren, sei folglich immer noch vorteilhaft: Es helfe, potentielle Bedrohungen schnell zu erkennen und ermögliche zudem, die Absichten und die Stimmung hochgestellter Mitmenschen augenblicklich einschätzen und so besser mit ihnen umgehen zu können.

chs/ddp

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH












Service von SPIEGEL-ONLINE-Partnern