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13.11.2009
 

Dopamin im Gehirn

Wie der Kopf entscheidet

Hirnskulptur aus Sand: Dopamin hilft, Entscheidungen zu treffenZur Großansicht
AP

Hirnskulptur aus Sand: Dopamin hilft, Entscheidungen zu treffen

Soll ich das Jobangebot annehmen? Kaufe ich die Aktie? Der Hirnbotenstoff Dopamin beeinflusst, welche Alternativen wir bevorzugen. In einem denkwürdigen Experiment gelang es Forschern, die Entscheidung von Probanden durch künstliche Zugabe von Dopamin zu beeinflussen.

Es gibt viele Gründe, warum wir uns für oder gegen etwas entscheiden. Auch wenn man manche Dinge aus dem "Bauch heraus" entscheidet, so spielt doch der Kopf immer eine zentrale Rolle. Seit vielen Jahrzehnten versucht die Wissenschaft dem Prozess der Entscheidungsfindung auf die Spur zu kommen. Was im Gehirn beim Treffen einer Entscheidung genau passiert, dem sind britische Forscher nun ein wenig näher gekommen: Sie haben herausgefunden, dass der Botenstoff Dopamin eine Rolle beim Abwägen von Entscheidungen spielt.

Das menschliche Gehirn simuliert die möglichen Ergebnisse jeder Entscheidungsoption. Vor allem spielt das Hirn dabei durch, welche Emotionen nach einer Entscheidung aufkommen könnten und wie das persönliche Wohlbefinden dabei ist. Der attraktivsten Alternative verpasst es eine Art Etikett mit dem Prädikat "besonders wertvoll". Das schreiben Tali Sharot vom Londoner University College und ihre Kollegen in der aktuellen Ausgabe von " Current Biology".

Dieses Prädikat wird durch den Gehirnbotenstoff Dopamin zugewiesen: Je mehr Dopamin, desto mehr Prädikate werden verteilt und so auch mehr Entscheidungsalternativen bevorzugt. Der Schlüsselrolle von Dopamin sind die Forscher dabei mit Hilfe eines Tricks auf die Spur gekommen: Sie erhöhten bei einigen Freiwilligen künstlich den Dopaminspiegel im Gehirn, während diese sich mit einer bestimmten Alternative beschäftigten. Das hatte zur Folge, dass diese Alternative messbar an Reiz gewann, so die Ergebnisse der Wissenschaftler.

Urlaub lieber in Thailand oder in Griechenland?

Insgesamt 61 Probanden nahmen an dem Experiment teil. Diese sollten 80 verschiedene Reiseziele von Griechenland bis Thailand nach ihrer Attraktivität bewerten. 40 Minuten später bekamen die Testteilnehmer eine Tablette - ein wirkstofffreies Placebo - und sollten sich bei der Hälfte der zuvor gezeigten Reiseziele vorstellen, im kommenden Jahr dort Urlaub zu machen. Wieder 40 Minuten später nahmen die Probanden erneut eine Tablette, diesmal das Präparat L-DOPA, das im Gehirn den Dopaminspiegel erhöht. Anschließend sollten sie sich wieder vorstellen, ihren nächsten Urlaub an bestimmten Orten zu verbringen - jetzt allerdings an denen, die in der Placebo-Phase noch nicht vorgekommen waren. Einen Tag später sollten sich die Probanden schließlich zwischen jeweils zwei der 80 Reiseziele entscheiden, die sie zu Beginn der Versuche gleich bewertet hatten.

Das Ergebnis überraschte die Forscher: Die Ziele, über die die Probanden unter Einfluss des erhöhten Dopaminspiegels nachgedacht hatten, erschienen am nächsten Tag deutlich attraktiver als beim ursprünglichen Bewertungstest. Das Placebo hatte keine derartige Wirkung.

Offenbar beeinflusst das Dopamin also die Erwartung, wie ausgeprägt das persönliche Wohlbefinden in einer bestimmten Situation sein wird. Die Ergebnisse seien nicht nur für das allgemeine Verständnis der Hirnchemie wichtig, sondern auch, um Prozesse zu verstehen, in denen diese Bewertung über die Stränge schlägt, wie es etwa beim Entstehen von Suchtkrankheiten der Fall ist, erklären die Forscher.

Dopamin gilt bereits seit längerem als wichtigster Botenstoff für das Belohnungszentrum des Gehirns. Dieses Netzwerk von Hirnarealen ist dafür zuständig, Reize, Tätigkeiten oder Ereignisse emotional zu bewerten und abzuschätzen, wie stark diese das persönliche Wohlbefinden beeinflussen. Diese Abschätzung ist auch für Entscheidungen wichtig, denn Menschen lassen sich sehr stark von der Erwartung beeinflussen, wie gut oder wie schlecht sie sich in Zukunft voraussichtlich fühlen werden.

cib/ddp

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