Yves Rossys Traum ist geplatzt. Vom marokkanischen Tanger aus wollte der Flügel-Mann in die spanische Stadt Atlanterra fliegen - und damit seinen ersten interkontinentalen Flug absolvieren. Die Distanz zwischen den beiden Städten beträgt Luftlinie etwa 35 Kilometer, 15 Minuten hätte der Flug dauern sollen. Doch statt sicheren Boden zu erreichen, landete der Pilot mit dem Jetflügel nach nur fünf Minuten im Wasser.
Vor seinem neuen Rekordversuch übte Rossy bereits den Notfall: Vor der spanischen Küste wurde er von einem Helikopter aus in die unruhigen Gewässer abgelassen. Dann tauchten zwei Rettungsleute hinter ihm her und sicherten ihn. Anschließend wurde er wieder in den Helikopter gezogen.
Doch jetzt wurde der Notfall Realität. Zu schwierig war die Herausforderung für den Flügel-Mann. Noch ist unklar, warum Rossys Versuch scheiterte. Stuart Sterzel, der CEO von Webtel.mobi und Organisator, sagte, es habe technische Probleme mit dem Motor des Flügels gegeben. Und auch die Winde über dem Atlantik seien "schwierig" gewesen. Doch genauere Angaben wollte Sterzel nicht machen, bevor der Flügel nicht untersucht sei. Die spanische Küstenwache wird den Flügel aus dem Wasser bergen.
Zweiter Versucht geplant
Zur Stunde wird Rossy in einem Krankenhaus sicherheitshalber untersucht. Der Pilot wurde aber sicher aus dem Wasser gezogen und ist offenbar unverletzt. Schon kurz nach der Bruchlandung verkündete sein Sprecher, es werde mit Sicherheit einen weiteren Versuch geben. "Rossy ist ein mutiger Mann", sagte er. So schnell werde er nicht aufgeben. Allerdings könne ein neuer Versuch frühestens in sechs Monaten gestartet werden.
Erst letztes Jahr hatte Rossy erfolgreich den Ärmelkanal überquert. In nur 13 Minuten, mit einer Reisegeschwindigkeit von 200 Stundenkilometern, war er die 35 Kilometer von Calais nach Dover gedüst. Rossy, der sich selbst "Fusion Man" nennt, war 2004 der erste Mensch, der mit einem aufgeschnallten Triebwerksflügel einen Flug erfolgreich absolviert hatte.
Der Start erfolgt immer von einem Flugzeug aus, denn der Jetflügel ist 55 Kilogramm schwer. Die größte Schwierigkeit bestehe beim Start, erzählte Rossy im SPIEGEL-ONLINE-Interview: "Wenn alle vier Triebwerke im Leerlauf stabilisiert sind, gehe ich raus. Zuerst im freien Fall, und dann wird es anspruchsvoll: Ich muss den Körper aus dem Sturzflug langsam in eine horizontale Position bringen und gleichzeitig Gas geben. Dann kann ich sogar steigen. Wenn die Triebwerke erst einmal gut laufen, ist es leicht. Ab dann könnte auch meine Großmutter fliegen." Die Landung erfolgt per Fallschirm.
Acht Jahre war der Militärflieger bei der Schweizer Armee gewesen, anschließend Co-Pilot und Kommandant bei den Fluggesellschaften Swissair und Swiss. Dann wollte er sich den ultimativen Fliegertraum erfüllen und ganz ohne Flugzeug fliegen.
cib
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