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30.11.2009
 

Verbraucherschützer

Weniger Acrylamid im Weihnachtsgebäck

Gebäckherstellung (Aachen, 13. November): Acrylamidbelastung weitgehend im GriffZur Großansicht
Getty Images

Gebäckherstellung (Aachen, 13. November): Acrylamidbelastung weitgehend im Griff

Acrylamid steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen und das Erbgut zu schädigen. Seit Jahren warnen Verbraucherschützer vor unnötig hohen Konzentrationen im Weihnachtsgebäck. Langsam scheint sich die Lage zu entspannen - den Aktivisten aber sind die Regeln längst nicht streng genug.

Pünktlich zur Adventszeit treibt so manchen Liebhaber von Weihnachtsgebäck die Frage um, wie bekömmlich die süßen Leckereien eigentlich sind. Hintergrund ist die Belastung vieler Backwaren mit Acrylamid, die von Verbraucherschützern immer wieder angeprangert wird. Die Substanz bildet sich durch Überhitzung von Stärke beim Backen, Rösten und Braten und steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen sowie das Erbgut zu schädigen.

Auch in diesem Jahr haben die Verbraucherschützer der Organisation Foodwatch deswegen elf Lebkuchen- und sechs Spekulatiusprodukte in einem unabhängigen Labor testen lassen - zum achten Mal in Folge. Dieses Mal fällt die Bilanz mit ein paar Einschränkungen positiv aus: Lediglich bei vier Herstellern sei die Belastung im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, berichtet die Organisation. In zwei Fällen hätte die Acrylamidkonzentration aber im Bereich der Messtoleranz gelegen.

Insgesamt hätten die Unternehmen die Acrylamidbelastung jedoch weitgehend im Griff, so das Urteil der Verbraucherschützer. Durch veränderte Rezepturen und Backverfahren können Backwarenproduzenten die Belastung senken. Dennoch, so heißt es bei Foodwatch, gebe es einige wenige Ausreißer: Bei den Produkten "Allos Elisen Lebkuchen" (510 Mikrogramm Acrylamid pro Kilogramm) und "Frenzel Echte Pulsnitzer Delikatess Lebkuchen" (430 Mikrogramm) lägen die Werte weit über dem Durchschnitt. Bereits im vergangenen Jahr hatten diese Produkte ähnlich schlecht abgeschnitten. Nur minimal niedriger war deren Acrylamidkonzentration in diesem Jahr.


Trotzdem liege die Belastung bei den Testverlierern etwa 30 Mal so hoch wie bei den Produkten, die am besten abgeschnitten haben, bemängeln die Foodwatch-Tester. Zu den Testsiegern gehören beispielsweise "Bahlsen Contessa Schokolade" (16 Mikrogramm) und "Bahlsen Grandessa Oblaten" (ebenfalls 16 Mikrogramm).

Kritik am Konzept des Signalwerts

Einen gesetzlichen Grenzwert für Acrylamid im Gebäck gibt es nicht. Die Behörden setzen stattdessen auf das Konzept des sogenannten Signalwerts. Dessen Berechnung ist eine höchst technische Angelegenheit. Nach Angaben von Foodwatch werden dazu die zehn Prozent der am stärksten belasteten Produkte einer Warengruppe betrachtet. Der unterste Wert davon wird als Signalwert festgesetzt. Bei Lebkuchen darf die Belastung nach diesem Schema allerdings maximal 1000 Mikrogramm pro Kilogramm betragen - und genau dort liegt der Signalwert seit Jahren.

Das bedeutet, dass zwar der Acrylamidgehalt der von Foodwatch getesteten Produkte sinkt - es unter den restlichen, ungetesteten Produkten aber offenbar noch genügend Probleme gibt.

Wenn ein Produkt den Signalwert überschreitet, dann soll der Hersteller mit Gesprächen dazu gebracht werden, seine Produktion anzupassen. Doch Foodwatch hält dieses Konzept für gescheitert - und will stattdessen, dass sich die Festsetzung nicht mehr an den schlechtesten, sondern an den besten Produkten orientiert. Außerdem, so die erneute Forderung der Verbraucherschützer, sollte der Acrylamidgehalt auf der Packung vermerkt werden.

Dazu sollten die Behörden alle vorliegenden Testwerte mit dem Namen der Produkte veröffentlichen - immerhin hat sich die Informationslage im Gegensatz zu früheren Jahren durch das Verbraucherinformationsgesetz hier bereits verbessert. Denn, so das Fazit der Verbraucherschützer, die Nennung der Namen von Sündern zeige sehr wohl Wirkung.

chs

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