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06.12.2009
 

Klimaschutz-Vorreiter Mexiko-Stadt

Adiós, Abgase!

Von Ralf Beste

Klimaschutz in Mexiko-Stadt: Vom Moloch zum Modell
Fotos
Getty Images

Eine der größten und schmutzigsten Megacitys der Welt wagt die Wende zum Klimaschutz: Mexiko-City wird vom Moloch zur Modellstadt. Der Bürgermeister will jetzt auf dem Klimagipfel sein Konzept präsentieren, das in allen Schwellenländern funktionieren könnte - und radikal einfach ist.

Bernardo Baranda Sepúlveda steht auf einer unübersichtlichen Kreuzung an der Avenida Nuevo León. Aus sechs Richtungen schießen Autos über den ovalen Platz, manche nehmen halsbrecherische Abkürzungen, andere bleiben auf der Parkplatzsuche unvermittelt an der Ecke stehen oder setzen zurück. Wer hier zu Fuß passieren will, muss mutig oder ein bisschen verrückt sein.

Baranda will den Kampf gegen die Autos aufnehmen. Unter den Augen des schlanken Mannes im grauen Anzug rammen ein paar Bauarbeiter Poller in den Asphalt. "Die sind nach holländischem Modell gestaltet", sagt Baranda stolz. Die Kunststoffpfosten sollen die Kreuzung an jeder Ecke verkleinern. Weitere Maßnahmen sind schon geplant: Zebrastreifen für Fußgänger, grüngestrichene Boxen auf dem Asphalt für Radfahrer, die künftig vor den Autos an der Ampel warten dürfen.

Baranda leitet das mexikanische Büro des Instituts für Transport- und Entwicklungspolitik ITDP, einer amerikanischen Nichtregierungsorganisation. Er gestaltet 18 Kreuzungen in der mexikanischen Hauptstadt fahrradfreundlich um. Der 39-Jährige hat Radverkehrsplanung im holländischen Delft studiert, zu Terminen fährt er gerne mit seinem faltbaren Rad. "Ich hätte nie gedacht, dass ich mit diesem Studium einen Job in meiner Heimat bekommen würde", sagt der Aktivist. Jetzt erarbeitet er Konzepte für Buslinien und Radwege.

Ausgerechnet in Mexiko-Stadt. Die Hauptstadt des rasch wachsenden Schwellenlandes in Mittelamerika galt bis vor kurzem als Muster einer verpesteten Megacity, einer wahren Hölle aus Autos und Abgasen. In den neunziger Jahren war der Smog so schlimm, dass die umliegenden Bergketten nicht mehr zu sehen waren. Die Sonne blieb hinter Grauschleiern verborgen, Sport im Freien schien wie Selbstmord auf Raten.

Eine Hölle aus Autos und Abgasen

Jeden Morgen strömen fünf Millionen Menschen zur Arbeit in die Innenstadt der 20-Millionen-Metropole. Dennoch ist der Moloch Mexiko-Stadt auf dem besten Wege, zu einem Modell des Klimaschutzes in den Schwellenländern zu werden. Rund um den Globus machen beherzte Bürgermeister den Kampf gegen den Verkehrskollaps und für den Klimaschutz zu ihrer Priorität. Marcelo Ebrard Casaubón, seit drei Jahren erster Bürger der Stadt Mexiko, ist einer der Pioniere.


Ebrard ist herumgekommen in der Welt, hat in Paris gelebt, und will seine Stadt jetzt nach vorne bringen. "Mexiko-Stadt trägt einen großen Anteil an den Emissionen des Landes. Wir müssen ein Beispiel geben, um das zu ändern. Die Großstädte sind eine Pressure-Group im Kampf gegen den Klimawandel."

In der Verkehrspolitik hat er den Schalter umgelegt. Eine neue U-Bahn-Linie gebaut, Ebrard lässt Radwege und Fußgängerzonen einrichten, im Januar soll ein Fahrradleihsystem nach dem Vorbild von Paris und Barcelona entstehen. "Wir machen das Autofahren immer teurer, indem wir Steuern erheben und Parkgebühren einführen", sagt Ebrard. "Gleichzeitig machen wir die öffentlichen Transportmittel schneller, so fördern wir die Konkurrenz mit dem privaten Verkehr."

"Ich will Fahrräder, Fußgänger und Kinder auf der Straße"

Der Bürgermeister redet leise, wenn er die Verkehrsrevolution predigt: "Wir brauchen eine neue Vision des städtischen Lebens." Er wolle "aufräumen mit dem Paradigma Auto, Vorstadt, Shopping-Mall". Diese Lebensform gefährde "nicht nur das Klima, sondern zerstört auch die Gemeinschaft. Stattdessen will ich mehr öffentlichen Verkehr, Fahrräder, Fußgänger und Kinder auf der Straße."

Diesen Monat will Ebrard nach Kopenhagen fliegen. Am Rande des Treffens der Regierungen will der Bürgermeister zeigen, was eine Megacity wie Mexiko-Stadt für den Klimaschutz leisten kann. Aber er wird auch Forderungen stellen: "Wir brauchen einfachere Regeln für die Anrechnung von Kohlendioxid-Gutschriften, die uns dann Geld für weitere Klimaschutzmaßnahmen bringen." Zudem wünscht er sich mehr technologische Hilfe aus den Volkswirtschaften des Nordens.

Ebrard und seine Mitstreiter in der Regierung des Bundesdistrikts wollen die Verkehrswende unumkehrbar machen. Felipe Leal setzt sich an einen kleinen Tisch eines Cafés an der Avenida de la Reforma, öffnet seinen Laptop und beginnt seinen Vortrag. Der kleine Mann im braunen Kordanzug redet schnell, Zwischenfragen duldet er ungern. Seit dem Frühjahr ist der renommierte Architekt Ebrards "Minister für den öffentlichen Raum".

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insgesamt 52 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
15.12.2009 von Idaho66: Schlechte Recherche

Äusserst schlecht recherchierter Beitrag, wie schon an anderer Stelle geschrieben wurde. Dazu könnte ich beitragen, in Chile mit dem Projekt Transantiago wurde eben genau das gleiche Modell für das Bussystem entwickelt, wo die die [...] mehr...

08.12.2009 von Dieter Neth: Kartons mit WEIN?

Ist das die neue Realitaet in Mexico DF? Wie schon oben angemerkt haben 80% der Leute in Mexico wohl andere Sorgen, als sich mit Hundefutter und Wein abzuschleppen. Ich selber war zwar nur ein einziges Mal in der Hauptstadt und [...] mehr...

08.12.2009 von Galaxia: Weg Mit Dem Dreck!

Das was Mexiko vorhat - den A B G A S E N den KAMPF ansagen ist die einzigste LÖSUNG! Wann kommen entlich die Co-2 Freien Zonen in Deutschen Innenstädten? Die CDU & CSU hatten im 2ten Quartal 2009 darüber debatiert und [...] mehr...

08.12.2009 von a.weishaupt: Zustimmung

Volle Zustimmung. Über den Platzbedarf des Autos kann doch überhaupt kein Zweifel herrschen, wenn man sich anschaut, durch was für dichte Altstadtviertel z.B. Straßenbahnen sich mancherorts schieben. Alleine für die nötigen [...] mehr...

07.12.2009 von projisa: Fahrrad zum Einkaufen?

Vorab: Ich kenne Mexiko City, Delhi und viele anderen Ecken der Welt. Wohnen tue ich aber nicht in Mexiko - schon gar nicht in Deutschland - sondern in Panamá. Auch hier haben wir eine Stadt mit Abgasproblemen. Die Regierung [...] mehr...

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Die G-8-Staaten haben sich grundsätzlich zu dem Ziel bekannt, den globalen Temperaturanstieg im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Auch die Schwellenländer haben sich dem jetzt angeschlossen. Doch konkrete Vorgaben und Zusagen zur Finanzierung fehlen noch - deshalb könnte es beim bloßen Lippenbekenntnis bleiben.

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