SPIEGEL ONLINE: Der Klimagipfel in Kopenhagen scheint festzustecken. Alle Seiten mauern und maulen: Die meisten Entwicklungsländer drohen mit dem Abbruch der Verhandlungen, sollten diese nicht mehr auf ein Kyoto-Folgeabkommen ausgerichtet sein. China und andere Schwellenländer wollen nur eine unverbindliche Absichtserklärung verabschieden. Ist das so lang vorbereitete Treffen gescheitert?
Peter Goldmark: Die Beratungen stocken nicht in allen Punkten. Zu dem für den Klimawandel sehr wichtigen Thema, was gegen die Abholzung von Wäldern getan werden kann, macht die Konferenz rasante Fortschritte. Aber natürlich sind die Entwicklungsländer über den Verlauf der Verhandlungen besonders besorgt. Ihre Völker werden schließlich die Folgen der weltweiten Erwärmung, wie Überschwemmungen oder Dürren, am stärksten zu spüren bekommen. Sie wollen von den Industrienationen feste Zusagen zur Senkung von Emissionen - und sie fordern erhebliche Finanzspritzen, um die drohenden Umweltschäden abzufedern. Der Kyoto-Prozess gibt den Entwicklungsländern nun einmal das beste Vehikel, ihren Forderungen Gehör zu verschaffen. Deswegen wollen sie daran unbedingt festhalten.
SPIEGEL ONLINE: China wiederum scheint gar nicht an irgendeiner Einigung interessiert.
Goldmark: Dass der Kopenhagen-Gipfel scheitern könnte, treibt die Chinesen nicht sonderlich um. In ihren Augen haben sie ein Angebot zur Schadstoffsenkung gemacht und werden es während der Konferenz nicht mehr deutlich verbessern. Sie glauben auch, genug Finanzhilfen für Entwicklungsländer in Aussicht gestellt zu haben. Die Chinesen dürften mit dieser Haltung durchkommen, solange die Entwicklungsländer nicht mehr nur auf die alten Industrienationen schauen, sondern den Finger auf Peking richten. Dann könnte endlich die Frage gestellt werden: Warum reduziert China seine Emissionen eigentlich nicht mehr?
SPIEGEL ONLINE: Genau das kann man den Amerikanern allerdings auch vorhalten.
Goldmark: Die amerikanische Delegation steckt in einem Dilemma: Mit Barack Obama ist endlich ein Präsident im Weißen Haus, der den Klimawandel ernst nimmt und bekämpfen will. Aber gleichzeitig wissen die amerikanischen Vertreter, dass im US-Senat ein erbitterter Kampf um Klimagesetzgebung tobt. Dort werden sie nach jeder möglichen Einigung in Kopenhagen vor allem eine Frage beantworten müssen: Wie lässt sich sicherstellen, dass die Chinesen ihre Verpflichtungen einhalten?
SPIEGEL ONLINE: Könnte Obama bei seinem Besuch am Freitag doch noch das Versprechen mitbringen, den US-Schadstoffausstoß rascher zu senken? Derzeit wollen die Amerikaner nur ihre Emissionen im Vergleich zu 1990 um rund vier Prozent reduzieren. Umweltschützer glauben, dass bis zu 40 Prozent nötig wären.
Goldmark: Die Europäer ignorieren einen wichtigen Aspekt bei der Schadstoffdebatte: die jährliche Absenkung. Die weltweiten Emissionen müssen ziemlich schnell ziemlich stark fallen. Die USA wollen ihre ab 2012 um zwei Prozent pro Jahr senken, die Europäer nur um ein Prozent. Die Europäer schauen außerdem nur so gern auf das Jahr 1990, weil im folgenden Jahrzehnt unvorhergesehene Entwicklungen wie der Fall des Ostblocks und das Ende schadstoffintensiver Industrien bei ihnen für niedrigere Emissionswerte sorgten. Vergleichbares hat es in Amerika nicht gegeben.
SPIEGEL ONLINE: Doch die USA sind nun einmal für ungleich höheren Schadstoffausstoß verantwortlich.
Goldmark: Aber für all die Länder, die erst später mit den Absenkungen beginnen, geht es vor allem um den Prozentsatz der Absenkung. Natürlich müssen auch die Amerikaner als größte Schadstoffproduzenten viel, viel mehr tun. Doch es bringt nichts, ihren ersten Schritt als unzureichend zu verdammen. Auch die Europäer werden sich irgendwann die Frage gefallen lassen müssen: Warum senkt Ihr eure Emissionen nur um ein Prozent pro Jahr ab?
SPIEGEL ONLINE: Nun ist also Europa schuld?
Goldmark: Nein. Europa hat beim Klimaschutz Führungsstärke bewiesen, Amerika hat zu lange gezögert. Die Europäische Union ist auch bisher der konstruktivste Akteur in Kopenhagen. Ihre Mitglieder haben sich zu erheblichen Schadstoffsenkungen bereit erklärt. Sie haben den Entwicklungsländern beträchtliche Finanzhilfe angeboten. Sie erkennen an, dass sowohl die Industrienationen im Norden als auch aufstrebende Staaten wie China und Indien Zugeständnisse machen müssen. Und sie beharren auf einem klaren Prozess zur Überprüfung dieser Ziele.
SPIEGEL ONLINE: Den könnte etwa eine neue internationale Umweltkommission koordinieren. Doch wirksame Überprüfungsmechanismen sind extrem kompliziert, gerade in aufstrebenden Staaten wie China oder Indien. Wird es in Kopenhagen wenigstens eine Einigung auf Kernpunkte eines solchen Verfahrens geben?
Goldmark: Die meisten Entwicklungsländer haben damit keine Probleme. Auch die USA wollen klare Überwachungsmechanismen - und der US-Senat sogar noch mehr. Aber China und Indien sträuben sich. Vielleicht einigen sich die Staats- und Regierungschefs am Ende der Konferenz darauf, dass sie in diesem Punkt uneins sind und ihn zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal verhandeln müssen. Aber ich vermute, dies wird einer der kniffligsten Punkte werden, wenn am Freitag die Abschlussverhandlungen hinter verschlossenen Türen beginnen.
Das Interview führte Gregor Peter Schmitz
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Stimme voll zu. Unsere rücksichtslose Lebensform mit ihrer brutalen Ausbeutung von "Mutter" Erde und der Ausrottung von Flora und Fauna zu Wasser, zu Lande und in der Luft führt unweigerlich in den Abgrund. In den 70 [...] mehr...
Was ich in meinem Beitrag zum Ausdruck bringen wollte war erst mal nicht eine Schuldzuweisung, sondern eine - wenn Sie wollen, zynische - Genugtuung, dass es bei Indien und China eventuell zu einer schnelleren [...] mehr...
Kann gut sein. Aber der Dollar wird sich eh von selbst verabschieden. Die US Wirtschaft hat nichts mehr zu bieten, am allerwenigsten Substanz. Da braucht niemand mehr nachhelfen. Hier ein hellsichtiges Szenario aus dem Jahre [...] mehr...
Einfach den Dollar in die Bedeutungslosigkeit schicken und schon MÜSSEN sie mehr tun. ^^ Schade, dass im Irak der Krieg ausbrach, sonst würden wir wohl schon längst Rohöl in Euros einkaufen... mehr...
Ihre Probleme interessieren mich nicht. Ich habe nicht das Bedürfnis, ihrem Geist in seiner Wand-zu-Wand-Ekstase Einhalt zu gebieten. Sie kennen ihn und sein Werk doch gar nicht. Mit Wörterbuchwissen kommen sie hier nicht [...] mehr...
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