Die Demokratie scheint in der Forschung unantastbar zu sein. Ernsthafte, öffentlich und lautstark vorgetragene Zweifel von Wissenschaftlern an der Demokratie als politischem System lassen sich kaum finden - es sei denn, sie sind von Diktatoren aufgefordert, sich zur Abwesenheit der Demokratie in ihrer Gesellschaft zu äußern. In einem solchen Fall verlieren sie mit Recht jede Legitimität, als Wissenschaftler ernst genommen zu werden.
Auf dem Feld der Klimaforschung und Klimapolitik aber kann man das Gegenteil beobachten - insbesondere nach dem Scheitern des Kopenhagener Klimagipfels. Es ist nicht mehr nur der tiefe Graben zwischen Erkenntnis und Handeln, der beklagt wird - es ist die lästige Demokratie, die als Schuldige ausgemacht wird.
Führende naturwissenschaftlich orientierte Klimaforscher betonen, die Menschheit stehe an einem Scheideweg. Das ökonomische und politische Weitermachen führe in die Katastrophe. Um eine global nachhaltige Lebensweise zu realisieren, bräuchten wir umgehend eine "große Transformation", fordert etwa Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung. Was genau damit gemeint ist, bleibt oft vage. Ein Teil, wenn nicht sogar das Herzstück dieser großen Transformation ist in den Augen mancher Klimaforscher - und anderer Wissenschaftler, die sich an der Diskussion beteiligt haben - ein anderes Politikregime: "Wir benötigen eine autoritäre Regierungsform, um den Konsens der Wissenschaft zur Treibhausgasemissionen zu implementieren," argumentieren die Australier David Shearman and Joseph Wayne Smith in ihrem Buch "The Climate Change Challenge and the Failure of Democracy".
Der bekannte Klimaforscher James Hansen fügt ebenso resigniert wie ungenau hinzu, dass im Fall der Klimaveränderung der demokratische Prozess nicht funktioniere. In "The Vanishing Face of Gaia" wiederum schreibt James Lovelock, dass wir die Demokratie aufgeben müssten, um den Herausforderungen der Klimaveränderungen gerecht zu werden. Wir befänden uns in einer Art Kriegszustand. Um die Welt ihrer Lethargie zu entreißen, sei eine auf die globale Erwärmung gemünzte "Nichts als Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß"-Rede dringend geboten.
Wenn Wissenschaftler zu Feinden der Freiheit werden
Warum wird der radikale politische Wandel um jeden Preis als notwendig erachtet? Vor allem aber: Wie wäre er realisierbar? Zum einen ist die nationale und globale Klimapolitik offenbar nicht in der Lage, ihre eigenen bescheidenen Ziele, wie sie beispielsweise im Kyoto-Abkommen festgelegt sind, zu realisieren. Hinzu kommt, dass sich die Erkenntnisse über die Ursachen und die Folgen der von Menschen verursachten Klimaveränderungen immer mehr stabilisieren. Diese beiden Faktoren führen dazu, dass sich in der Gemeinschaft der Klimaforscher die skeptische Einstellung zur Demokratie verstärkt.
Die Demokratie, so kann man die skeptischen Beobachtungen bilanzieren, sei ungeeignet, den Herausforderungen des Klimawandels an Politik und Gesellschaft effektiv zu begegnen, insbesondere auf dem Gebiet der notwendigen Reduktionen von Treibhausgasemissionen. Demokratisch organisierte Gesellschaften seien zu schwerfällig, um den Klimawandel zu vermeiden; sie handelten weder rechtzeitig noch umfassend. Die "großen Entscheidungen" müsse daher ein starker Staat treffen, die endlose Debatte solle ein Ende haben. Es müsse gehandelt werden, das ist die Devise. Und damit wird die gewollte Demokratie in den Augen dieser Beobachter zur unbequemen Demokratie.
In einem anderen historischen Kontext hat der Ökonom Friedrich Hayek schon vor Jahrzehnten auf die paradoxe Entwicklung aufmerksam gemacht, dass der Eindruck massiver Fortschritte in der Wissenschaft bei Forschern den Glauben stärke, "eine umfassende und bewusstere Lenkung aller menschlichen Tätigkeiten" sei unvermeidbar. "Aus diesem Grunde", fügt Hayek hinzu, "werden die Menschen, die vom Fortschritt des Wissens berauscht sind, so oft zu Feinden der Freiheit."
Warum werden Forschungsergebnisse nicht in Taten umgesetzt?
Die wachsenden Zweifel an der Funktionalität demokratischer Verhältnisse gehen Hand in Hand mit einer weiteren Eskalation der Warnungen über die apokalyptischen Folgen der Klimaerwärmung. So warnte das Global Humanitarian Forum in einem kürzlich veröffentlichten Bericht vor jährlich 300.000 Hitzetoten und Verlusten von 125 Milliarden Dollar. Dass es sich bei diesen Angaben um nichts anderes als politische Arithmetik handelt, wird leicht übersehen.
Ohne selbst in die Fußstapfen der radikalen Warner und Zweifler zu treten, wollen wir klarstellen, dass der Trend hin zur Behauptung, die Tugenden der Demokratie versagten, nicht einfach hingenommen werden darf. Er darf auch nicht als marginale Ansicht beiseite geschoben werden.
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Es wäre keine Überraschung. mehr...
@gkramm ---Zitat--- Vielleicht ist es ja gar nicht so falsch anzunehmen, dass diese antidemokratische Stroemung, vor der Nico Stehr und Hans von Storch warnen, von der Bundeskanzlerin selbst gefoerdert wird. ---Zitatende--- [...] mehr...
Hier sind zwei interessante Links: http://www.nobel-cause.de/ http://www.wbgu.de/wbgu_sn2009_en.pdf Letzterer belegt, dass die beiden einzigen "Klimaexperten" im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale [...] mehr...
@Stein-berg ---Zitat--- http://lv-twk.oekosys.tu-berlin.de//...-2000jahre.htm. Es lohnt sich! ---Zitatende--- Stimmt, ab und zu korrespondiere ich mit Prof. Dr. Kehl Sehr umfassende Zusammenstellung ! mehr...
Betreffend die langfristige Entwicklung des Klimas und alle weiteren relevanten Umstände der "Klimadebatte" gibt es übrigens jede Menge Informationen und Links auf einer Seite aus dem Inst. f. Ökologie an der TU [...] mehr...
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