Von Cinthia Briseño und Jens Lubbadeh
So sah ein Werbespot im Jahr 1984 aus. Damals sollten Fruchtzwerge von Danone noch stark und schlau machen. In vielen Werbesprüchen aus jener Zeit dominierten Adjektive wie "frisch", "leicht" oder "zart". Zwanzig Jahre später wurde dem kleinen Quark ein ordentliches Gesundheitsimage übergestülpt. Weniger Fett und Zucker soll er enthalten, dafür aber - dank der Zusätze an Vitamin D und Kalzium - Kinder "knochenstark" machen.
Das Bewusstsein für Gesundheit ist in der Bevölkerung gestiegen. Längst hat die Industrie darin eine lukrative Nische im ansonsten gesättigten Lebensmittelmarkt entdeckt. Die Nahrung von heute soll nicht mehr nur einfach schmecken, sondern auch eine Funktion haben: gesund machen. Functional Food eben.
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Klingt gut, nur - stimmt das auch?
Dem Wildwuchs an Gesundheitsversprechen der Lebensmittelindustrie will die EU nun einen Riegel vorschieben. Lebensmittelkonzerne müssen wissenschaftlich beweisen, dass ihre Produkte gesund machen - genauso wie Pharmakonzerne das bei ihren Pillen tun müssen.
Die EU wurde mit Tausenden Health-Claim-Anträgen überschüttet
Seit 2007 ist die vom europäischen Parlament beschlossene Health-Claim-Verordnung in Kraft. Oberste Prüfinstanz ist die Europäische Behörde für die Lebensmittelsicherheit (Efsa). Deren Vorgabe lautet: Nur Lebensmittel, die "echte gesundheitliche Vorteile" bieten, dürfen entsprechend etikettiert oder beworben werden.
Doch der Teufel steckt im Detail:
Ziel der Efsa: Eine Positivliste von Werbesprüchen zu erarbeiten, auf der klipp und klar alle allgemeinen Health Claims stehen, die Nahrungsmittelhersteller auf ihre Produkte drucken dürfen.
Soweit der Plan - doch es kam anders: Sage und schreibe über 40.000 Werbeclaim-Anträge reichten die Lebensmittelhersteller ein. Damit hatte niemand gerechnet. "Es war nicht abzusehen, dass die Mitgliedstaaten derart viele Claims einreichen würden", sagte Lars Korsholm von der Europäischen Kommission der "Lebensmittelzeitung" bereits im Mai 2009.
Zwar hat die Europäische Kommission die Liste mittlerweile auf ein Zehntel zusammengekürzt, doch sie umfasst immer noch über 4000 Claims mit "gesundheitsbezogenen Angaben zu allgemeinen Funktionen", wie etwa "Kalzium ist gut für Ihre Knochen" (für die wichtigsten Punkte der Health-Claim-Verordnung siehe den Kasten links).
Die muss die Efsa alle prüfen. Martin Rücker von der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch sieht darin ein Problem: "Damit ist die Efsa überfordert", sagt der Sprecher im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Knapp 1000 Anträge sind in der öffentlich einsehbaren Liste erst bearbeitet.
Eigentlich sollte die vollständige Positivliste Ende Januar dieses Jahres veröffentlicht werden. Doch mit der Hälfte der Sprüche, die die Europäische Kommission zusammengestellt hatte, war sie unzufrieden und gab sie zur Überarbeitung zurück. Die Begründung: zu unklar formuliert. Nun wird es wohl bis 2011 dauern, wie eine Sprecherin der Europäischen Kommission sagt.
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Was soll denn jetzt der Unterschied sein zwischen "falschem" und "gutem" Calcium ?? mehr...
Ist schon klar. Das hat aber bei mir - und hoffentlich auch bei vielen anderen - dazu geführt, dass ich der Werbung grundsätzlich mit einem - in diesem Falle gesunden - Misstrauen begegne. Wobei ich durchaus zugeben muss, dass [...] mehr...
Wieder ein EU-Monster, das als Bettvorleger enden wird. Die Botschaften der Lebensmittelwerbung sind oft gesundheitsgefährdend und die reine Verdummung der Konsumenten - ähnlich, vielleicht noch verdummender ist die Werbung [...] mehr...
Ich frage mich schon seit langem ob es nicht ein Schulfach Medienkunde geben müßte, in dem unter anderem deutlich gemacht wird, daß es keinen Anspruch auf Wahrheit gibt; nicht bei Werbung, nicht bei anderen Formen der [...] mehr...
Ich mache mir keine Sorgen um die erwachsenen Menschen sondern eher um Kinder und Jugendliche. Hier sollte es meiner Meinung nach auch eine Art Schulfach oder Projektwoche geben. Schulfach wäre eventuell zu viel des Guten aber [...] mehr...
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