Washington/Chicago - Das Rätsel um Abstammung und Tod des ägyptischen Pharaos Tutanchamun glauben Forscher nun weitgehend gelüftet zu haben. Er war tatsächlich der Sohn des berühmten Pharaos Echnaton, ergab eine Genanalyse. Grund für den plötzlichen Tod des Regenten im Alter von 19 Jahren war wohl eine schwere Malaria in Kombination mit einer Knochenerkrankung, wie ein internationales Forscherteam im "Journal of the American Medical Association" berichtet. Die Analysen von insgesamt 16 Mumien enthüllten den Stammbaum des Herrschers über fünf Generationen.
In der 18. Dynastie des Neuen Reichs regierte eine der mächtigsten Pharaonen-Familien im alten Ägypten. Sie war von 1550 bis 1295 vor Christus an der Macht. Tutanchamun, dessen goldene Totenmaske weltbekannt ist, bestieg den Thron im Alter von nur neun Jahren und starb zehn Jahre später. Die Entdeckung seines intakten Grabs im Tal der Könige im Jahr 1922 lieferte den Archäologen zahlreiche Informationen über das Leben des Pharaos und seiner Familie.
Über die Todesursache des jungen Regenten wurde bis heute viel spekuliert: Wissenschaftler fanden Indizien dafür, dass er an den Folgen eines Oberschenkelbruchs etwa nach einem Reitunfall, einer Blutvergiftung oder einer Fettembolie starb. Andere vermuten Giftmord oder einen gewaltsamen Tod. Dass Tutanchamun wahrscheinlich nicht erschlagen wurde, stellten Forscher im Jahr 2005 nach einer detaillierten Computertomografie seiner Mumie fest.
Die Forscher um den Ägypter Zahi Hawass entdeckten nun im mumifizierten Körper Tutanchamuns Erbmaterial verschiedener Krankheitserreger. Einer dieser Erreger ist der Malaria-Parasit Plasmodium falciparum. Außerdem fanden sie mittels Computertomografie Hinweise auf die Köhler-Krankheit, eine seltene Störung des Knochenaufbaus, die an sich nicht tödlich verläuft.
Tutanchamun starb wohl an der Malariainfektion in Verbindung mit der Knochenkrankheit, vermuten die Wissenschaftler. Grabbeigaben stützen diese Vermutung: Ein Gehstock könnte auf die geschwächten und sich zersetzenden Knochen des Königs hinweisen, und die beigelegte Medizin könnte zur Heilung der Malaria im Jenseits gedacht worden sein.
Neben der Mumie Tutanchamuns unterzogen die Forscher 15 weitere königliche Mumien genauer anthropologischer, radiologischer und genetischer Untersuchungen. Darunter befanden sich auch die Großmutter väterlicherseits, die Mutter und Echnaton, der Vater Tutanchamuns, wie die Wissenschaftler entdeckten.
Stammbaum aufgeklärt
Der Großteil der Altertumsforscher war davon ausgegangen, dass Tutanchamun der Sohn Echnatons (Amenophis IV.) war. Einige Experten vermuteten aber auch dessen Vorgänger, Amenophis III., oder Echnatons Nachfolger, Semenchkare, als Vater. Als Mutter wurde dagegen teilweise Nofretete, die Hauptfrau von Echnaton, aber auch Kija, eine Nebenfrau des Pharaos angegeben. Die nun der Mutter zugeordnete Mumie trägt die Nummer KV35YL. Wie sie hieß, wissen die Forscher bislang nicht.
hda/ddp/AFP
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