Eine Art bakterieller Fingerabdruck könnte in Zukunft zur Aufklärung von Straftaten beitragen. Das erhoffen sich zumindest US-amerikanische Wissenschaftler, die herausgefunden haben, dass Bakterien-Kolonien auf Handflächen und Fingern in ihrer Zusammensetzung nahezu einzigartig sind. Anhand eines Bakterienabgleichs lasse sich daher bestimmen, welche Gegenstände eine bestimmte Person berührt habe. Die Methode könne für Forensiker sehr hilfreich sein, da sich Bakterien im Gegensatz zu Fingerabdrücken auch auf rauem Untergrund, Textilien und sehr verschmierten Oberflächen feststellen ließen, berichten die Forscher um Rob Knight von der University of Colorado in Boulder im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".
Gutartige Bakterien spielen für die menschliche Gesundheit eine große Rolle: Sie besiedeln nicht nur den Magen-Darm-Trakt, wo sie als Verdauungshelfer agieren, sondern auch die Hautoberfläche. Dort bilden sie zusammen mit anderen Mikroorganismen die sogenannte Hautflora, die als Schutzschild gegenüber Krankheitskeimen wirkt.
Bakterien-Kolonien veränderten ihre Zusammensetzung kaum
In ihren Experimenten untersuchten die Wissenschaftler unter anderem die Computermäuse und Tastaturen von neun Studienteilnehmern und analysierten das daran haftende Bakterien-Erbgut. Dieses verglichen sie dann sowohl mit Proben von den Handflächen der Besitzer als auch mit denen von 270 zufällig ausgewählten Freiwilligen. Das Ergebnis: Von den mehr als 150 verschiedenen Bakterienarten, die auf einer einzigen Handfläche vorkommen, existieren lediglich 13 Prozent auch noch bei einer anderen Person.
Die Zuordnung von Personen zu denjenigen Gegenständen, die sie zuvor berührt hatten, war den Wissenschaftlern in ihren Versuchen mit einer 70- bis 90-prozentigen Genauigkeit möglich. Die Methode stehe allerdings auch noch ganz am Anfang und solle noch weiter verbessert werden, sagen die Forscher. Ein weiterer Vorteil des bakteriellen Fingerabdrucks sei, dass sich die an den Gegenständen hinterlassenen Bakterien-Kolonien in ihrer Zusammensetzung auch über einen längeren Zeitraum hin kaum veränderten. Auch durch intensives Händewaschen lassen sich die verräterischen Spuren nur kurzzeitig verwischen, wie Knight und seine Kollegen bereits in einer früheren Studie gezeigt hatten.
Damit die verfeinerte Methode künftig tatsächlich von Kriminaltechnikern angewendet werden kann, ist nach Ansicht der Wissenschaftler allerdings auch eine bioethische Diskussion notwendig: Anhand des bakteriellen Fingerabdrucks müssten sich ihrer Erwartung nach selbst eineiige Zwillinge eindeutig zuordnen lassen, womit die Methode sogar einem DNA-Abgleich überlegen sei.
lub/ddp
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