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08.05.2010
 

Psychologie

Wie man Schlaf gezielt einsetzen kann

Schläfer: Wer schlummert, kann seine kognitiven Fähigkeiten verbessernZur Großansicht
Corbis

Schläfer: Wer schlummert, kann seine kognitiven Fähigkeiten verbessern

Im Schlaf erlebt man nicht nur teils bizarre Träume - man kann ihn sich auch zunutze machen. Im Interview mit "Zeit Wissen" erklärt der Psychologe Jan Born, wie man im Schlummer sein Gedächtnis stärken und traumatische Erlebnisse vergessen kann.

Frage: Professor Born, Sie scheinen Kekse zu mögen.

Born: Möchten Sie? Wenn ich die alle selber esse, nehme ich zwei Kilo zu.

Frage: Danke. Sind die Kekse eine Anspielung auf den Leibniz-Preis, den Sie gewonnen haben?

Born: Ja, eine Kollegin hat mir ein riesiges Paket davon geschickt.

Frage: Sie haben den Preis für Ihre Forschung zu Schlaf und Gedächtnis bekommen. Wie hängt das eine mit dem anderen zusammen?

Born: Schlaf fördert das Gedächtnis, das weiß man. Nur wie? Einige Wissenschaftler sagen, das gesamte Gedächtnis werde durch Schlaf gestärkt. Meine Mitarbeiter und ich haben bei Experimenten aber gesehen, dass eben nicht alle Inhalte verstärkt werden, sondern nur einzelne. Andere gehen verloren. Das heißt: Das Gedächtnis wird während des Schlafs in einem aktiven, selektiven Prozess gebildet.

Frage: Wie genau läuft dieser Prozess ab?

Born: Das Gehirn legt Informationen zunächst in einem Zwischenspeicher ab. Für viele Gedächtnisinhalte, die wir tagsüber ansammeln, ist das der Hippocampus. Erst danach entscheidet das Gehirn, welche Erinnerungen es während des Tiefschlafs in den Langzeitspeicher überträgt. Die Rolle des Langzeitspeichers spielt dabei der Neocortex.

Frage: Warum passiert das im Schlaf?

Born: Für die Übertragung muss das Gehirn die Inhalte reaktivieren, die im Zwischenspeicher gelagert sind. Das funktioniert am besten offline, denn wenn es im wachen Zustand parallel neue Dinge aufnehmen musste, würde es zu einer Verwirrung kommen. Wahrscheinlich hätten wir dann Halluzinationen.

Frage: Hängt das Reaktivieren von Erinnerungen mit Träumen zusammen?

Born: Nein, dieser Prozess passiert nur im Tiefschlaf, und der ist keine Traumphase. Umgekehrt lässt sich die Reaktivierung von Informationen im REM-Schlaf, in dem man viel träumt, kaum beobachten.

Frage: Wie entscheidet das Gehirn, welche Inhalte in den Langzeitspeicher übertragen werden?

Born: Beim Aufnehmen von Informationen wirken zum Beispiel emotionale Zustände verstärkend. Inhalte, die etwa mit Angst, Aufregung oder Wut verbunden sind, werden bevorzugt in den Langzeitspeicher übertragen. So kann sich heute noch jeder erinnern, wo er am 11. September 2001 war. Wir haben zusätzlich festgestellt, dass die Aussicht auf Belohnung speziell dann wirkungsvoll ist, wenn es darum geht, Gedächtnisinhalte im Schlaf zu verfestigen.

Frage: Wie haben Sie das herausgefunden?

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Ausgabe 3/2010

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Zur Person

Universität Lübeck

Jan Born ist seit 1999 Professor für Neuroendokrinologie an der Universität Lübeck. Schon seit den achtziger Jahren beschäftigt er sich mit dem Zusammenhang zwischen Gedächtnis und Schlaf sowie der Rolle, die Hormone dabei spielen. Für seine Forschung wurde er jetzt mit dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet. Mit dem Preisgeld in Höhe von 2,5 Millionen Euro will er unter anderem untersuchen, wie Schlaf und Erinnerung bei Kindern zusammenhängen.






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