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20.05.2010
 

Fund aus dem Dreißigjährigen Krieg

Massengrab in Stralsunder Altstadt entdeckt

Fast 400 Jahre tot: Opfer aus dem Dreißigjährigen Krieg
Fotos
DPA

Spektakuläre Entdeckung in Stralsund: Mitten in der Altstadt haben Archäologen ein Massengrab aus dem Dreißigjährigen Krieg ausgegraben. Doch die Merkmale der Toten sind nicht typisch für Soldaten. Jetzt rätseln Archäologen, woran diese Menschen einst starben.

In Stralsund haben Archäologen ein Massengrab mit zehn Skeletten aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) entdeckt. Das Grab lag auf dem früheren Befestigungsgürtel südlich der Altstadt. Über die Ursache der Bestattungen herrscht Unklarheit.

Die Menschen seien nicht regulär bestattet worden, teilt das Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege in Stralsund mit. Es handelte sich offenbar um eine Notbestattung. Während bei einer christlichen Bestattung der Blick der Toten nach Osten gerichtet ist, würden die Leichen mit den Köpfen in verschiedene Richtungen liegen.

Reste von Tonpfeifen und Keramik ermöglichten eine Datierung des Grabes auf das 17. Jahrhundert. Zu dieser Zeit war Stralsund häufig umkämpft. 1628 scheiterten die Truppen des kaiserlichen Feldherrn Wallenstein im Dreißigjährigen Krieg daran, die Stadt einzunehmen. Auch Schweden, Dänen und Franzosen belagerten in der Folgezeit Stralsund. Es kam zu blutigen Kämpfen.

Das Grab liege zwar in Bodenschichten aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, berichtet der Archäologe Heiko Schäfer vom Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege in Stralsund. Doch vermutlich handele es sich bei den Toten nicht um Soldaten: "Die Zähne weisen keine Schleifkanäle von Tonpfeifen auf", sagt Schäfer. Die sogenannten Pfeifenusuren seien typische Merkmale von Soldaten - runde Lücken, die das tönerne Mundstück einer Tabakpfeife bei langjährigem Rauchen in die Zähne geschliffen hatte.

Möglicherweise handele es sich um Opfer der Pest aus dem Jahre 1629, sagt Schäfer. Das Massengrab liegt im Bereich der ausgedehnten historischen Festungsanlagen, die häufig verändert wurden. In dem Gebiet werden derzeit Wohnungen gebaut, wobei regelmäßig archäologische Schätze zutage kommen. Auch mehrere Massengräber wurden bereits gefunden, sie wurden unterschiedlichen Epochen zugeordnet. Manche Gräber lagen unmittelbar übereinander. Die Archäologen erwarten weitere spektakuläre Funde.

2008 hatten Archäologen in Bayern ebenfalls ein Massengrab aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges gefunden. Offenbar handelte es sich um die Überreste von 50 Menschen, die bei einer Schlacht im Oktober 1636 den Tod gefunden hatten.

boj

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insgesamt 3 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
21.05.2010 von maipiu: Geschichte zum Anfassen

Natürlich lernt man im Geschichtsunterricht, dass der Dreißigjährige Krieg und die Pest ganze Landstriche entvölkert haben. Aber wenn man diese Überreste dann sehen kann, ist das doch etwas anderes. Die Toten sind dann keine [...] mehr...

21.05.2010 von sackpfeife: ...

Ihr Beitrag ist aber keinen Deut besser. Sicher, 10 Menschen sind noch keine Masse. Und ob der Fund spektakulär zu nennen ist, sei dahingestellt. Aber warum soll man nicht darüber berichten? Sie müssen es ja nicht lesen... mehr...

21.05.2010 von tystie: Gähn

Wenn man bedenkt, dass in Stralsund das Trinkwasser noch im 19. Jahrhundert aus den gleichen Teichen geschöpft wurde, in die die Fäkalien eingeleitet wurden, lassen sich enorm viele plausible Erklärungen für den Tod von [...] mehr...

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