Eriwan - Er lag unter einem dicken Haufen Schafdung: In einer Höhle in Armenien haben Wissenschaftler den ältesten Lederschuh der Welt entdeckt. Er hat Größe 37, ist rund 5500 Jahre alt und damit einige Jahrhunderte älter als die Fußbekleidung der Gletschermumie "Ötzi". "Ich war begeistert, dass sogar die Schnürsenkel erhalten sind", sagte die Doktorandin Diana Sardarjan vom Institut für Archäologie der Kaukasus-Republik. Sie gehört zu dem internationalen Forscherteam, das den Fund jetzt im Fachblatt "PLoS One" vorgestellt hat.
Der Schuh ist 24,5 Zentimeter lang, bis zu zehn Zentimeter breit und passt zu einem rechten Fuß. "Wir wissen nicht, ob der Schuh einem Mann oder einer Frau gehörte", sagt Ron Pinhasi vom University College im irischen Cork, Mitautor der Studie. Denn Männer seien damals deutlich kleiner gewesen als heute.
Der Fund sei wegen des kühlen und trockenen Klimas in der Höhle in der Provinz Wajotz Dsor im Süden Armeniens in gutem Zustand. Deshalb dachten die Forscher zunächst, dass der Schuh, der bereits 2008 entdeckt worden war, nur einige hundert Jahre alt sei. Doch Tests in Großbritannien und den USA belegten schließlich die Sensation: Der Schuh stammt etwa aus dem Jahr 3500 vor Christus und ist damit rund 1000 Jahre älter als die Große Pyramide von Giseh in Ägypten.
Der Ledertreter sei aus einem einzigen Stück der Haut eines Schweins oder eines Stiers gefertigt worden, hieß es. Daneben fanden sich unter anderem ein zerbrochener Krug und Ziegenhörner. Als älteste Fußbekleidung der Welt überhaupt gelten etwa 7500 Jahre alte Sandalen aus Pflanzenmaterialien, die vor mehreren Jahrzehnten im US-Bundesstaat Missouri entdeckt worden waren.
Aufregend ist der armenische Fund für die Wissenschaftler auch, weil ähnliche Schuhe noch bis in die 1950er Jahre auf den westirischen Aran-Inseln getragen wurden. Die Herstellungsart und der Stil zeigten, dass solche Schuhe über Jahrtausende in den unterschiedlichsten Regionen verbreitet gewesen seien, sagte Pinhasi.
Ob dem Fundort in der Provinz Wajotz Dsor im Grenzgebiet zur aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan vor Jahrtausenden eine besondere Bedeutung zukam, ist noch unklar. Es gebe in der Höhle auch Kindergräber, sagte Pinhasi. "Aber es ist so wenig bekannt über diesen Zeitraum, dass wir nicht mit Sicherheit sagen können, warum alle diese Objekte hier gefunden wurden." Nun sollen auch die anderen Kammern der Höhle inspiziert werden.
boj/dpa
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