Von Brook Larmer
"Anders als die indischen Buddhisten wollten die chinesischen die Formen des Lebens nach der Wiedergeburt ganz genau erfahren", sagt Zhao Sheng-liang, ein Kunsthistoriker an der Akademie von Dunhuang. "Die Farbenpracht diente dazu, den Pilgern die Schönheit des sogenannten Reinen Landes - einer Art Zwischenparadies - zu zeigen und sie davon zu überzeugen, dass es tatsächlich existiert."
Im späten 10. Jahrhundert ging die Blütezeit der Seidenstraße langsam zu Ende. Mit der Öffnung neuer Seewege und dem Bau schnellerer Schiffe verloren die Karawanen über Land ihre Bedeutung. China büßte die Kontrolle über große Teile der Seidenstraße ein, und der Islam wanderte langsam von Zentralasien über die hohen Berge nach Osten.
Im frühen 11. Jahrhundert waren bereits mehrere der sogenannten westlichen Gebiete (eines Teils der heutigen Provinz Xinjiang im äußersten Westen Chinas) zum Islam bekehrt worden. Buddhistische Mönche lagerten Zehntausende Manuskripte und Gemälde im kleinen Nebenraum einer größeren Grotte ein.
Versteckten die Mönche die Dokumente aus Furcht vor einer Eroberung durch die muslimischen Karachaniden? Oder eher - so eine andere Lehrmeinung - vor einem Heer des damals erstarkenden Reichs der Tanguten? Niemand kann es mit Gewissheit sagen. Sicher ist nur, dass die Kammer - heute ist sie als Höhle 17 oder Bibliothekshöhle bekannt - erst versiegelt, dann mit Gips überdeckt und schließlich durch ein Wandgemälde vor Fremden verborgen wurde. Was die Mönche darin versteckten, sollte 900 Jahre lang eingemauert bleiben. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als ein taoistischer Priester namens Wang Yuanlu sich selber zum Wächter der Heiligtümer machte, waren viele der verlassenen Grotten von Sand zugeweht. Im Juni 1900 schaufelten Arbeiter eine Düne zur Seite, und Wang fand eine versteckte Tür, die zu einer kleinen, mit Tausenden Schriftrollen vollgestopften Höhle führte. Wang übergab einige davon lokalen Beamten, denn er erhoffte sich dafür von ihnen eine Spende. Aber sie wiesen ihn lediglich an, die Kammer zu verschließen.
Eine der wertvollsten Ladungen in der Geschichte der Archäologie
Daher wurden die Geheimnisse der Höhlen erst viel später offenbar, wieder durch einen Mann, der aus dem Westen kam. Der Forscher hieß Aurel Stein. Der in Ungarn geborene Gelehrte, der für die britische Regierung in Indien und für das Britische Museum arbeitete, gelangte Anfang 1907 nach Dunhuang. Er kannte Xuanzangs Texte aus dem 7. Jahrhundert gut und suchte nach den Orten, die der Mönch beschrieben hatte.
Erst weigerte sich Wang, dem Fremden die Schriften aus der Bibliothekshöhle zu zeigen - bis er erfuhr, dass Stein ein großer Bewunderer von Xuanzang war. Es stellte sich heraus, dass es sich bei vielen der Manuskripte um dessen Übersetzungen der buddhistischen Sutren - Lehrtexte - handelte, die dieser aus Indien mitgebracht hatte. Stein verließ Dunhuang schließlich mit 29 Kisten: 24 waren voller Manuskripte, in fünf weitere hatte er Gemälde sowie andere Fundstücke gepackt. Es war eine der wertvollsten Ladungen in der Geschichte der Archäologie, und sie hatte für eine Spende von nur 130 Pfund Sterling den Besitzer gewechselt. In England wurde Stein später für seinen Erfolg zum Ritter geschlagen - in China war er fortan eine Hassfigur.
Fan Jinshi hatte nie geplant, die Hüterin der Grotten zu werden. "Den Höhlen droht auf vielerlei Weise Schaden", sagt sie. "Sand, Feuchtigkeit, Salz, Insekten, Sonnenlicht - und Touristen." Fan hat 500 Mitarbeiter, aber ihr war schon in den achtziger Jahren klar, dass die Akademie die Hilfe ausländischer Experten brauchen würde.
Fan steht vor einem Dilemma: Wie kann man die Grotten erhalten und gleichzeitig einem großen Publikum zugänglich machen?
2006 haben mehr als eine halbe Million Menschen Mogao besucht. Die Einnahmen waren der Akademie willkommen, aber Ausdünstungen der Besucher könnte der Malerei größeren Schaden zufügen als alles andere. Inzwischen dürfen Touristen abwechselnd je zehn einer Auswahl von 40 Höhlen besichtigen.
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die Leute dort nehmen das wirklich ernst, Folklore ist es nur aus der Perspektive des Touristen. Wenn ein chinesischer Tourist nach Koeln kommt und sich den Dom anschaut ist dies fuer den Chinesen auch primaer Folklore, ist an [...] mehr...
Ähnlich, wie im Westen der christliche Glaube zur Theologie der Staatskirchen verkopft und verkommen ist, haben auch die Chinesen ein Verhältnis zu dieser ihrer ererbten Kultur, das deren Bedeutung in keiner Weise gerecht wird. [...] mehr...
Warum nur kann sich der/die Artikelschreiber/in nicht neutral ausdrücken? Die Katholische Kirche mag "nach Christus" schreiben, aber mir war nicht bekannt, dass SPON ein Organ des "einzig wahren Glaubens" ist! [...] mehr...
Als die Taliban die Buddha-Statuen in Afghanistan in die Luft gesprengt hatten, sind die Amis dort (mit einer Latenz von einigen Jahren) einmarschiert... mehr...
jedoch hintertreiben die Amis und Englaender dies alles aus politischen Gruenden, denen ist Kultur total egal wenns bloss ihren politischen Gedudel genehm ist. Bagan wurde auf Druck dieser Typen bis heute von der Unesco nicht als [...] mehr...
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