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18.06.2010
 

Neue Datierung

Kohlenstoff verrät Geschichte der Pharaonen

Von Markus Becker

Nachbildung der Tutanchamun-Totenmaske: Radiokarbon-Datierung hilft ÄgyptologenZur Großansicht
dpa

Nachbildung der Tutanchamun-Totenmaske: Radiokarbon-Datierung hilft Ägyptologen

Die Ägypter schufen vor Jahrtausenden eine faszinierende Hochkultur - doch wann genau welcher Herrscher auf dem Thron saß, liegt oft im Dunkeln. Jetzt haben Forscher mit Hilfe der Radiokarbon-Methode eine Chronologie der ägyptischen Machthaber aufgestellt.

In der Literatur sieht alles so perfekt aus: Die Liste der altägyptischen Pharaonen reicht mehr als 4500 Jahre in die Vergangenheit, und dennoch ist jedem in den einschlägigen Werken eine exakte Herrschaftsphase zugeordnet. In Wahrheit weiß freilich niemand genau, ob beispielsweise der berühmte Pharao Djoser wirklich im Jahr 2667 vor Christus den Thron bestieg, wie es etwa in der von Ian Shaw herausgegebenen "Oxford History of Ancient Egypt" steht, oder erst einige Jahrzehnte später, so wie es andere Wissenschaftler behaupten.

Da mit jedem neuen Herrscher die damalige Zeitrechnung wieder neu begann, sind die einzelnen Chronologien zwar in sich konsistent, aber schwierig in unseren heutigen Kalender einzuordnen. Lediglich astronomische Ereignisse geben manchmal Hinweise.

Ein Team um Christopher Bronk Ramsey von der University of Oxford hat nun die bisherigen Jahresangaben mit naturwissenschaftlichen Mitteln geprüft. Das Ergebnis ist für Ägyptologen beruhigend: Die bisherigen Angaben zu den Regierungszeiten der Pharaonen sind demnach weitgehend korrekt.

Die der Radiokarbonmethode beruht auf der Tatsache, dass jeder Organismus Kohlenstoff benötigt. Er kommt meistens in Form des Isotops C-12 vor: Die Atome bestehen aus jeweils sechs Protonen und Neutronen. Es gibt aber auch Isotope, die über sieben oder acht Neutronen verfügen und entsprechend C-13 und C-14 genannt werden. Letzteres ist für Datierungen nützlich, da es zerfällt. Stirbt ein Organismus, nimmt er keinen neuen Kohlenstoff mehr auf - der C-14-Anteil wird eingefroren. Da das Isotop mit einer bekannten Rate zerfällt, können Forscher den C-14-Anteil ihrer Probe mit jenem Anteil vergleichen, den der Organismus zu seinen Lebzeiten besessen haben muss. Aus dem Unterschied kann man auf sein Alter schließen.

Kohlenstoff-Datierung bestätigt bisherige Zahlen

Auf diese Weise ist es Ramseys Team gelungen, die bisher vorliegenden Daten im Großen und Ganzen zu bestätigen, wie die Forscher im Fachblatt "Science" schrieben. Eine solche unabhängige Absicherung aus einer anderen Forschungsdisziplin ist in der Wissenschaft überaus wichtig, da sie die Richtigkeit der einer bisher angewandten Methode beweisen kann.

Der Beginn des Alten Reichs etwa wurde bislang meist auf die Zeit zwischen 2667 und 2592 vor Christus datiert. In diesem Zeitraum herrschte Djoser, der die erste bekannte Pyramide, die Stufenpyramide von Sakkara, erbauen ließ. Ramsey und seine Kollegen haben Djosers Thronbesteigung nun auf die Zeit zwischen 2691 und 2625 datiert, wobei die Phase zwischen 2676 und 2643 am wahrscheinlichsten sei. Den Beginn des Mittleren Reichs vermuten sie zwischen 2064 und 2019, den des Neuen Reichs zwischen 1570 und 1544 vor Christus. Auch diese Daten passen relativ gut zu den bisherigen, auch wenn sich hier und dort Abweichungen von einigen Jahren ergeben.

"Das ist ein extrem wichtiges Stück Forschung", schwärmte die Archäologin Kate Spence von der britischen University of Cambridge auf der Nachrichtenwebsite von "Science". Andere Wissenschaftlicher sind weniger beeindruckt. "Der Beitrag zeigt, das wir bisher schon zu 95 Prozent richtig lagen", sagt der Frankfurter Althistoriker Manfred Clauss zu SPIEGEL ONLINE. Die Radiokarbon-Daten brächten inhaltlich kaum neue Erkenntnisse. "Schon die herkömmlichen Angaben zu den Herrschaftszeiten sind ein Vortäuschen von Genauigkeit", sagt Clauss. "Da spielen 30 Jahre mehr oder weniger keine große Rolle."

Zudem ist die Radiokarbon-Methode für Datierungen im Alten Ägypten eigentlich zu ungenau, da sie in dieser Periode eine Fehlermarge von 100 bis 200 Jahren hat. Ramseys Team ist es nach eigenen Angaben gelungen, sie zu verfeinern: Die Forscher sammelten nicht nur mehr als 200 Proben in Museen in aller Welt, sondern benutzten auch eine statistische Methode, um Muster in den Radiokarbon- und historischen Daten auszumachen und so die wahrscheinlichste Beziehungen zwischen beiden zu finden.

Das Problem: Für lange Zeiträume lagen überhaupt kein Material für die C-14-Datierung vor. So konnten die Forscher zwar sieben Proben auswerten, die Pharao Djoser zugeordnet waren. Für seinen Nachfolger Sneferu gab es noch zwei Proben, doch für die dann folgenden zehn Herrscher nur noch eine einzige. Betroffen ist hier ein Zeitraum von fast 200 Jahren, in denen die Wissenschaftler für die Thronbesteigungen Zeitspannen von teilweise mehr als 80 Jahren angeben. "Dieses Maß ist immer noch nützlich für das Alte Reich", erklärte Ramsey gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Frühere Schätzungen waren noch ungenauer."

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24.06.2010 von ire: Fehler über Fehler

... nicht inhaltlich. Das mag und kann ich nicht beurteilen. Insgesamt ein interessanter Artikel, wie ich finde, wenn nicht das Lesen durch kleine Ungereimtheiten erschwert würde: "Die der Radiokarbonmethode ... [...] mehr...

20.06.2010 von Born to Boogie: Im Namen des Volkes

Könnte man evtl. statt: " xxxx vor Chr, " " xxxx vor Null " oder vor unserer Zeitrechnung ( VuZ ) benutzen ? Ich glaube nämlich nicht an Jesus. mehr...

18.06.2010 von Romankr: Hand in Hand in der Wissenschaft

Ich finde es schön das die Wissenschaft sich gegenseitig Hilft und auch alte Sachen überprüft. Solche Kommentare wie von Herrn Manfred Clauss zeigen wieder die Art von Ignoranz die einige Wissenschaftler leider in sich tragen wenn [...] mehr...

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