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24.06.2010
 

Legendärer Pharao

Forscher streiten über Todesursache von Tutanchamun

Tutanchamun: Goldene Totenmaske des legendären Pharaos.Zur Großansicht
Getty Images

Tutanchamun: Goldene Totenmaske des legendären Pharaos.

Das Rätsel schien bereits gelöst: Tutanchamun sei an Malaria gestorben, meldeten Forscher im Februar. Doch jetzt widersprechen Hamburger Mediziner - eine erbliche Blutkrankheit sei Schuld am Tod des jungen Pharaos.

Hamburg - Lange rätselten Forscher, warum der ägyptische Pharao Tutanchamun so jung starb. Dann schien festzustehen: Ursache für den plötzlichen Tod des Regenten im Alter von 19 Jahren war eine schwere Malaria in Kombination mit einer Knochenerkrankung, berichtete ein internationales Forscherteam vergangenen Februar (siehe Video links). Doch nun widersprechen Hamburger Forscher der Theorie. Der Pharao sei vermutlich an der erblich bedingten Sichelzellen-Blutkrankheit gestorben, sagen die Mediziner Christian Timmann und Christian Meyer vom renommierten Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg.

Tutanchamun lebte vor rund 3300 Jahren. Mit nur neun Jahren bestieg der Kinderpharao den Thron. Doch sein Regiment dauerte nur zehn Jahre, dann starb der berühmte Pharao. Über die Todesursache des jungen Regenten, dessen goldene Totenmaske weltberühmt ist, wurde viel spekuliert: Wissenschaftler fanden Indizien dafür, dass er an den Folgen eines Oberschenkelbruchs etwa nach einem Reitunfall, einer Blutvergiftung oder einer Fettembolie starb. Andere vermuten Giftmord oder einen gewaltsamen Tod. Dass Tutanchamun wahrscheinlich nicht erschlagen wurde, stellten Forscher im Jahr 2005 nach einer detaillierten Computertomografie seiner Mumie fest.

Die Malaria-Theorie basierte auf genetischen Untersuchungen: Ein Wissenschaftlerteam hatte im Auftrag der ägyptischen Altertumsverwaltung genetische Profile Tutanchamuns und seiner Verwandten erstellt. Dabei fanden sie die Bestätigung dafür, dass der Herrscher aus einer Inzestbeziehung seines Vaters, des berühmtem Pharaos Echnaton, mit einer seiner Schwestern stammte. Bei der Analyse kamen die Experten zudem zu dem Schluss, dass eine schwere Malaria zusammen mit der Schwächung durch die Köhlersche Knochenkrankheit für den frühen Tod des Pharaos verantwortlich war.

In einem Kommentar zu der Studie in der US-Fachzeitschrift "The Journal of the American Medical Association" (JAMA) äußern die Hamburger Forscher nun aber die Vermutung, Tutanchamun sei womöglich eher an der Sichelzellenkrankheit gestorben. Bei dieser erblichen Krankheit nehmen die roten Blutkörperchen eine Sichelform an, verschließen Blutgefäße und schädigen Organe und Knochen.

Es handle sich um eine Erbkrankheit, die insbesondere in Malariagebieten wie Ägypten vorkomme und zudem ähnliche Befunde wie die Köhlersche Knochenkrankheit hervorrufe, schreiben Timmann und Meyer. Die Sichelzellenkrankheit passe zudem gut zu Tutanchamuns Abstammung aus einer Inzestbeziehung und seinem Tod als junger Erwachsener. Todesfälle in Folge von Malaria träten nach Erfahrung von Tropenmedizinern dagegen meist im Kindesalter auf, später nur noch sehr selten. Zur endgültigen Klärung der Todesursache sollten deshalb weitere DNA-Tests an der Mumie Tutanchamuns veranlasst werden. In einer Ausstellung in deutschen Städten können sich Interessierte derzeit ein Bild von dem legendären Pharao machen.

boj/AFP

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