Von Irene Berres
Der Genuss am Essen sicherte unseren Vorfahren das Überleben. Zielstrebig führte er sie zur richtigen Beute, die Lust auf Süßes zu den Kohlenhydraten, der saftige Geschmack von Fleisch zu den Proteinen und Fetten. Denn nur indem sie auf die Jagd gingen, konnten die frühen Menschen genügend Kraft für ihr anstrengendes Leben sammeln - und schließlich einen absoluten Energiefresser entwickeln: das große menschliche Gehirn. Was unsere Vorfahren am Leben hielt, wird vielen Menschen heute aber zum Verhängnis. In Zeiten, in der sich die Jagd höchstens auf Schnäppchen an der Fleischtheke bezieht, entwickelt die Menschheit ein zunehmendes Problem: Übergewicht.
Während es am Anfang noch hieß, dass Übergewicht generell schädlich ist, werden die Ergebnisse langsam differenzierter. Dabei kam vor allem das Bauchfett in Verruf, das sich zwischen den inneren Organen im Bauchraum anlagert. Bereits mehrere Studien enthielten Hinweise darauf, dass ein Bierbauch - gemessen an einem großen Taillenumfang - das Risiko von Diabetes, Entzündungen und abnormalen Cholesterinwerten erhöht.
Diesen Zusammenhang haben Forscher um Eric Jacobs von der Amerikanischen Krebsgesellschaft in Atlanta jetzt bestätigt. Doch ihre große Studie, über die sie im Fachmagazin "Archives of Internal Medicine" berichten, brachte auch noch andere überraschende Erkenntnisse zutage: Ein großer Taillenumfang erhöht demnach nicht nur das Risiko bestimmter Erkrankungen; er geht auch mit einem erhöhten Sterberisiko einher - und das sogar bei normalgewichtigen Personen.
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Die genaue Ursache für die Ergebnisse ist noch unbekannt. Die Forscher gehen jedoch davon aus, dass der Zusammenhang auf die erhöhte Anlagerungen von Fetten im Bauchraum zurückzuführen ist. Diese gelten, im Gegensatz zu den Fetten an Oberschenkel, Po und Armen, als gesundheitsgefährdend.
"Man muss sich das Fett zwischen den Organen wie eine große Drüse vorstellen, die eine Reihe von Hormonen und Entzündungsfaktoren produziert", sagt Harald Schneider von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität zu SPIEGEL ONLINE. Verteilt im Körper bewirken diese Stoffe zum Beispiel, dass Arterien verkalken und steif werden; Herzinfarkt und Schlaganfälle sind zwei mögliche Folgen dieser sogenannten Arteriosklerose.
Um eine derartige Wirkung zu haben, muss der Bauch nicht unbedingt ins Auge stechen: Als kritisch gelten - je nach Expertenmeinung - bei Frauen Umfänge ab 80 oder 88 Zentimetern, bei Männern wird es ab einer Dicke von 94 oder 102 Zentimetern ernst. Das sind noch relativ moderate Werte.
"Der Bauchumfang im Verhältnis zum Body-Mass-Index hat gerade bei Normalgewichtigen eine große Bedeutung", sagt Heiner Boeing, der die Abteilung für Epidemiologie am Deutschen Institut für Ernährungsforschung leitet, SPIEGEL ONLINE. Das bedeutet, normalgewichtige Menschen dürfen sich nicht auf die Waage allein verlassen, sondern sollten auch das Maßband in die Hand nehmen.
Bisher wird das Gewicht vor allem anhand des Body-Mass-Index eingestuft, der Menschen mit der Formel "Gewicht durch Körpergröße in Metern zum Quadrat" in Kategorien von untergewichtig bis fettleibig einteilt. Experten streiten schon seit längerem über die Aussagekraft dieses Werts, der die Fettverteilung im Körper nicht berücksichtigt. Ob allein der Taillenumfang als Maß ausreicht, ist aber auch strittig. "Nehmen Sie einen Mann von 1,50 Metern Größe und einen Mann von zwei Metern Größe. Bei einem Taillenumfang von 102 Zentimetern hat der kleinere Mann in Relation mehr Bauchfett, der große Mann ist deutlich schlanker", sagt Schneider.
Stattdessen empfiehlt der Forscher den sogenannten Waist-to-height-Ratio, bei dem Taillenumfang durch Körpergröße geteilt wird. Je größer das Ergebnis ist, desto größer ist auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei einer Studie mit knapp 11.000 Teilnehmern hat Schneider mit seinem Team Grenzwerte von 0,5 für Personen unter 40 Jahren und 0,6 für Menschen über 50 Jahren festgelegt. Die beiden Zahlen gelten jedoch nur als grobe Richtlinien, bis sie von weiteren Studien gefestigt werden.
Wollen Sie nun wissen, wie Ihr Bauch abschneidet? Dann basteln Sie sich am besten ein Maßband aus unserem Vordruck (siehe PDF links vom Artikel), und vermessen Sie Ihren Bauch in Taillenhöhe. Anschließend müssen Sie Ihren Bauchumfang nur noch durch Ihre Körpergröße teilen: Haben Sie zum Beispiel einen Umfang von 80 Zentimetern und sind 180 Zentimeter groß, teilen Sie 80 durch 180. Ihr Bauch ist perfekt, wenn das Ergebnis unter 0,5 liegt - Menschen über 50 Jahre dürfen einen Wert bis 0,6 erreichen.
Ist Ihr Bauch bei dem Test durchgefallen, hilft laut Experten nur noch eine Kombination aus Sport und gesunder Ernährung. Zumindest einen Vorteil hat das Bauchfett jedoch: Im Gegensatz zu dem Fett unter der Haut greift der Körper in Krisenzeiten extrem schnell auf es zurück - ein dicker Bauch lässt sich also leichter wegtrainieren als ein dicker Po. Immerhin etwas!
Mit Material von dpa
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Das ist er wieder, der unvermeidliche "amerikanische Wissenschaftler", mit seinen neuesten Erkenntnissen. "Dicker Bauch lässt früher sterben"... wie viel früher? Wer ist der jeweilige Referenzkandidat, der dann [...] mehr...
Eher unwahrscheinlich. Wir kennen das ja von - den bösen Folgen des Kochsalz (widerlegt) - den bösen Folgen des Kaffeekonsums (widerlegt) - dem hohen gesunden Eisengehalt von Spinat Man muss nicht jedem Humbug [...] mehr...
Dieser ganze Forschermist ändert sich alle paar Jahre. Immer wieder veröffentlichen sogenannte Forscher übereilig schlämpig zusammen geschusterte Ergebnisse, die dann monatelang durch die Weltpresse geistern, bis andere [...] mehr...
...aber das ist für mich völlig klar: jedes Werkzeug ist nur ein Hilfsmittel und kann einfach nur so gut sein wie der denkende Mensch dahinter... P.S.: beim Autofahren vergessen das aber auch manche Fahrer der Modelle mit dem [...] mehr...
Tja, nur die besten sterben Jung. ;) mehr...
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