Von Jasmin Andresh
Die Psychologen Jens Asendorpf und Lars Penke von der Humboldt-Universität zu Berlin kamen 2008 ebenfalls zu differenzierten Ergebnissen. Ihre weiblichen Versuchspersonen empfanden bei der Vorstellung, ihr Partner habe ein amouröses Abenteuer, sogar etwas stärkere negative Gefühle als die männlichen Probanden. Doch nur wenn es um eine rein emotionale Beziehung zu einer dritten Person ging, war der "klassische " Unterschied sehr deutlich ausgeprägt. Männer und Frauen, so fassen die Berliner Forscher ihre eigenen und weitere Studien zum Thema zusammen, würden auf sexuelle Untreue grundsätzlich sehr ähnlich reagieren. Einen verlässlichen Unterschied gebe es nur bei emotionaler Untreue: Sie rufe bei weiblichen Befragten fast immer stärkere Reaktionen hervor als bei Männern.
Dass diese Differenz rein genetisch bedingt ist, sei aber unwahrscheinlich, da kulturelle Bedingungen sie nachweislich beeinflussten, so Penke und Asendorpf. In Deutschland, wo die Gleichstellung relativ weit vorangeschritten ist, findet sich beispielsweise ein etwas geringerer Unterschied als in den USA - die zwar im weltweiten Vergleich ebenfalls vorbildlich sein dürften, auf dem "Gender Empowerment Measure" der Vereinten Nationen jedoch neun Plätze hinter Deutschland liegen (vor allem wegen ihres geringeren Frauenanteils in Parlament und Regierung). Ebenfalls auffällig ist, dass der Geschlechterunterschied umso geringer ausfällt, je höher die Schulbildung der Probanden ist. Die Forscher führen das darauf zurück, dass Menschen mit niedrigerem Bildungsstand vermutlich eher dazu neigen, gesellschaftlich vorgegebene Rollenmuster zu übernehmen. Selbst wenn es also einen angeborenen Unterschied in Sachen Eifersucht geben sollte, scheinen die Erziehung und die aktuellen Lebensumstände noch ein gewichtiges Wörtchen mitzusprechen.
Ebenfalls nicht im Sinne Darwins dürfte sein, dass Eifersucht oft zu absurden Reaktionen führt, die eine Partnerschaft stark belasten oder zu deren Ende führen können: von ständigem Misstrauen, dem Durchwühlen der Taschen und Durchstöbern der E-Mails des Partners bis hin zu gewaltsamen Ausbrüchen. Im Extremfall kann Eifersucht gar tödlich enden. Junge Ehefrauen im gebärfähigen Alter sind besonders gefährdet, von ihren gehörnten Gatten umgebracht zu werden. Frauen morden zwar nur selten aus Eifersucht, doch relativ gesehen ist das Motiv bei weiblichen Mördern weitaus häufiger als bei männlichen, wie der Soziologe Richard Felson von der Pennsylvania State University in University Park beim Auswerten von Polizeiakten aus 33 großen US-Counties feststellte. Insgesamt scheinen Frauen ihre eifersüchtige Aggression eher gegen den eigenen Partner zu richten, während Männer vorzugsweise ihre Rivalen angreifen.
Mord und Totschlag im Zeichen der erfolgreichen Reproduktion? Dass Eifersucht mitunter sogar im Intimizid mündet, führt die evolutionstheoretische Begründung für dieses Gefühl erst recht ad absurdum. Aus welchen Gründen auch immer Menschen eifersüchtig werden: Etwas Gelassenheit kann uns und unseren Beziehungen nur guttun und dabei helfen, das Glas Wein der Partnerin mit ihrem Kollegen oder die Unterhaltung des Freundes mit einer Fremden als das zu sehen, was sie tatsächlich sind. Ganz im Sinne des weisen König Salomon, der sagte: "Ein gelassenes Herz ist des Leibes Leben, aber Eifersucht ist Eiter in den Gebeinen."
Jasmin Andresh ist Diplombiologin und freie Wissenschaftsjournalistin in Steinbach (Taunus).
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Keine menschliche "Konstruktion" und schon gar nicht die Eifersucht findet aufgrund von Erziehung statt, wenn es keine entsprechende Disposition hierfür gäbe. Nur so viel: auch m Tierreich gib es Monogamie. Das [...] mehr...
"Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft." mehr...
Diese Einstellung ist richtig, Sasapi. Schließlich wollen weder Sie noch Ihr Mann, dass Sie sich aus lauter Mitleid etwas vorspielen, weil sie meinen, etwas zu versäumen und die Jahre ins Land ziehen und sie beide kraft des [...] mehr...
... man sich zu ihrer Bekämpfung in aller Deutlichkeit klar machen, daß Eifersucht so ziemlich das Gegenteil von Liebe ist, und daher auch nicht gerechtfertigt werden kann. Jedenfalls nicht mit der Begründung: "Aber ich [...] mehr...
Vor zwei Wochen war unser eher kleiner Ort in den Schlagzeilen: Eine 18jährige hatte ihren 20jährigen Freund nach wenigen Monaten Beziehung erstochen, als er sich von ihr trennen wollte. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, [...] mehr...
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