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22.08.2010
 

Eifersucht

Die dunkle Seite der Liebe

Von Jasmin Andresh

Eifersucht: Die dunkle Seite der Liebe
Fotos
Corbis

5. Teil: Der kleine Unterschied

Die Psychologen Jens Asendorpf und Lars Penke von der Humboldt-Universität zu Berlin kamen 2008 ebenfalls zu differenzierten Ergebnissen. Ihre weiblichen Versuchspersonen empfanden bei der Vorstellung, ihr Partner habe ein amouröses Abenteuer, sogar etwas stärkere negative Gefühle als die männlichen Probanden. Doch nur wenn es um eine rein emotionale Beziehung zu einer dritten Person ging, war der "klassische " Unterschied sehr deutlich ausgeprägt. Männer und Frauen, so fassen die Berliner Forscher ihre eigenen und weitere Studien zum Thema zusammen, würden auf sexuelle Untreue grundsätzlich sehr ähnlich reagieren. Einen verlässlichen Unterschied gebe es nur bei emotionaler Untreue: Sie rufe bei weiblichen Befragten fast immer stärkere Reaktionen hervor als bei Männern.

Dass diese Differenz rein genetisch bedingt ist, sei aber unwahrscheinlich, da kulturelle Bedingungen sie nachweislich beeinflussten, so Penke und Asendorpf. In Deutschland, wo die Gleichstellung relativ weit vorangeschritten ist, findet sich beispielsweise ein etwas geringerer Unterschied als in den USA - die zwar im weltweiten Vergleich ebenfalls vorbildlich sein dürften, auf dem "Gender Empowerment Measure" der Vereinten Nationen jedoch neun Plätze hinter Deutschland liegen (vor allem wegen ihres geringeren Frauenanteils in Parlament und Regierung). Ebenfalls auffällig ist, dass der Geschlechterunterschied umso geringer ausfällt, je höher die Schulbildung der Probanden ist. Die Forscher führen das darauf zurück, dass Menschen mit niedrigerem Bildungsstand vermutlich eher dazu neigen, gesellschaftlich vorgegebene Rollenmuster zu übernehmen. Selbst wenn es also einen angeborenen Unterschied in Sachen Eifersucht geben sollte, scheinen die Erziehung und die aktuellen Lebensumstände noch ein gewichtiges Wörtchen mitzusprechen.

Ebenfalls nicht im Sinne Darwins dürfte sein, dass Eifersucht oft zu absurden Reaktionen führt, die eine Partnerschaft stark belasten oder zu deren Ende führen können: von ständigem Misstrauen, dem Durchwühlen der Taschen und Durchstöbern der E-Mails des Partners bis hin zu gewaltsamen Ausbrüchen. Im Extremfall kann Eifersucht gar tödlich enden. Junge Ehefrauen im gebärfähigen Alter sind besonders gefährdet, von ihren gehörnten Gatten umgebracht zu werden. Frauen morden zwar nur selten aus Eifersucht, doch relativ gesehen ist das Motiv bei weiblichen Mördern weitaus häufiger als bei männlichen, wie der Soziologe Richard Felson von der Pennsylvania State University in University Park beim Auswerten von Polizeiakten aus 33 großen US-Counties feststellte. Insgesamt scheinen Frauen ihre eifersüchtige Aggression eher gegen den eigenen Partner zu richten, während Männer vorzugsweise ihre Rivalen angreifen.

Mord und Totschlag im Zeichen der erfolgreichen Reproduktion? Dass Eifersucht mitunter sogar im Intimizid mündet, führt die evolutionstheoretische Begründung für dieses Gefühl erst recht ad absurdum. Aus welchen Gründen auch immer Menschen eifersüchtig werden: Etwas Gelassenheit kann uns und unseren Beziehungen nur guttun und dabei helfen, das Glas Wein der Partnerin mit ihrem Kollegen oder die Unterhaltung des Freundes mit einer Fremden als das zu sehen, was sie tatsächlich sind. Ganz im Sinne des weisen König Salomon, der sagte: "Ein gelassenes Herz ist des Leibes Leben, aber Eifersucht ist Eiter in den Gebeinen."

Jasmin Andresh ist Diplombiologin und freie Wissenschaftsjournalistin in Steinbach (Taunus).

Quellen

Barelds, D. P. H ., Barelds-Dijkstra, P.: Relations between Different Types of Jealousy and Self and Partner Perceptions of Relationship Quality. In: Clinical Psychology and Psychotherapy 14, S. 176 – 188, 2007.
Hart, S. et al.: When Infants Lose Exclusive Maternal Attention: Is It Jealousy? In: Infancy 6(1), S. 57 – 78, 2004. Penke, L., Asendorpf, J. B .: Evidence for Conditional Sex Differences in Emotional but Not in Sexual Jealousy at the Automatic Level of Cognitive Processing. In: European Journal of Personality 22, S. 3 – 30, 2008.
Rydell, R. J., Bringle, R. G .: Differentiating Reactive and Suspicious Jealousy. In: Social Behavior and Personality 35 (8), S. 1099 –1114, 2007.

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Keine menschliche "Konstruktion" und schon gar nicht die Eifersucht findet aufgrund von Erziehung statt, wenn es keine entsprechende Disposition hierfür gäbe. Nur so viel: auch m Tierreich gib es Monogamie. Das [...] mehr...

23.08.2010 von Legacy: ...

"Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft." mehr...

23.08.2010 von adsum: Keine Beziehung aus Mitleid oder Furcht wegen Erpressung!

Diese Einstellung ist richtig, Sasapi. Schließlich wollen weder Sie noch Ihr Mann, dass Sie sich aus lauter Mitleid etwas vorspielen, weil sie meinen, etwas zu versäumen und die Jahre ins Land ziehen und sie beide kraft des [...] mehr...

23.08.2010 von Anthrophilus: Bemerkt man an sich selbst die Eifersucht, sollte ...

... man sich zu ihrer Bekämpfung in aller Deutlichkeit klar machen, daß Eifersucht so ziemlich das Gegenteil von Liebe ist, und daher auch nicht gerechtfertigt werden kann. Jedenfalls nicht mit der Begründung: "Aber ich [...] mehr...

23.08.2010 von Sasapi: ...

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Auf einen Blick

Warum wir argwöhnen

1. Eifersucht kommt nicht nur in Liebesbeziehungen vor, sondern auch zwischen Freunden, Geschwistern und Eltern. Sie kann mit verschiedenen Gefühlen wie Angst, Wut oder Traurigkeit einhergehen.

2. Warum es Eifersucht gibt, ist umstritten. Einer gängigen Theorie zufolge ist sie im Lauf der Evolution entstanden und half den Frühmenschen dabei, erfolgreich ihre Gene weiterzugeben. Demnach reagieren Männer stärker auf sexuelle, Frauen dagegen auf emotionale Untreue.

3. Während ältere Studien diese Theorie stützen, zeichnen neuere Untersuchungen ein differenzierteres Bild: Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind geringer als gedacht – und Eifersuchtsreaktionen offenbar stark von kulturellen Erwartungen geprägt.

Ist Eifersucht eine Krankheit?

Auch wenn ihr Name an eine Abhängigkeit von Substanzen wie Alkohol erinnert – Eifersucht ist keine Sucht. Das Wort setzt sich aus dem althochdeutschen eiver (das Herbe oder Bittere) und suht (Krankheit, Seuche) zusammen. Krankhafte Züge kann die Eifersucht indes tatsächlich annehmen, allerdings weniger als Extremform eines »ganz normalen« partnerschaftlichen Misstrauens, sondern eher als Symptom im Rahmen einer schweren psychischen Störung.

Ein so genannter Eifersuchtswahn kann bei Schizophrenie und Alkoholabhängigkeit auftreten, aber auch die Folge von Hirnschädigungen sein, etwa durch eine Alzheimerdemenz. Die Betroffenen sind felsenfest davon überzeugt, dass ihr Partner sie hintergeht, und stellen teils absurde Verdächtigungen an – etwa, dass die eigene Partnerin Verhältnisse mit sämtlichen Nachbarn habe. Antipsychotische Medikamente können in diesem Fall die wahnhaften Symptome oft lindern.


Eifersuchtsmodule im Gehirn?

Japanische Forscher untersuchten 2008 die Hirnaktivität von Männern und Frauen, die verschiedene Eifersucht weckende Sätze lasen. Bei Männern regten sich vermehrt Regionen, die mit sexuellem und aggressivem Verhalten in Verbindung gebracht werden, wie Hypothalamus und Amygdala. Bei Frauen hingegen wurden vermehrt Neurone der oberen Temporalfurche aktiv, die bei der sozialen Wahrnehmung eine Rolle spielen.

(Takahashi, H. et al.: Men and Women Show Distinct Brain Activations During Imagery of Sexual and Emotional Infidelity. In: Neuroimage 32, S. 1299 – 1307, 2006)





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