Wenn sich Ashok Roy die Gemälde berühmter Maler anschaut, dann reichen ihm schon ein paar Millimeter. Dürer, Rembrandt, Raffael, bei ihm landen die Meisterwerke unter dem Mikroskop.
An diesem Sommermorgen, die Pforten der National Gallery in London sind noch verschlossen, ist ein Tizian an der Reihe: Bacchus und Ariadne. Mit einem Skalpell hat er einen hauchdünnen Schnitt durch die Farbschicht des Renaissance-Klassikers geritzt. "Genau dort", sagt der 60-jährige, "wo die Ölfarbe durch den Alterungsprozess aufgeplatzt ist."
In einem kleinen Kästchen aus Plastik steckt die Probe, entnommen von Ariadnes wehendem Schal. Eine Schicht roter Pigmente wechselt sich mit blauen Pigmenten ab. "Das ist Ultramarin", sagt Roy und ist über den Anblick sichtlich zufrieden. Denn das Blau ist zugleich ein Beweis dafür, dass es sich um einen echten Tizian handelt.
Roy reckt sich hoch zu einem gläsernen Wandschrank und greift nach einem blauschimmernden Stein. "Aus so einem Stein stammen die Pigmente", erklärt er. Es stamme aus dem heutigen Afghanistan und gelangte über die Seidenstraße einst nach Italien. "Ein kostbares Material, aber gleichzeitig das intensivste Blau, was es zu dieser Zeit gab." Roy hat die Pigmente vom Bild mit der speziellen Charakteristik des afghanischen Ultramarins verglichen. Die Übereinstimmung ist eindeutig. "Wäre das Bild in den letzten zwei Jahrhunderten kopiert worden, hätte der Fälscher ein synthetisches Blau verwendet", erklärt Roy, dessen Interesse an der Malerei nicht gegenständlicher sein könnte.
Meisterwerke erkennt man mitunter nur unter dem Rastertunnelmikroskop
Der hagere Mann ist Leiter der Wissenschaftsabteilung an der National Gallery. Für Kunsthistoriker mag der Tizian Sinnbild sein für den Kampf zwischen Verführung und Scham, von Ausschweifung und Tugend.
Unter seinem Hightech-Instrumentarium präsentieren sich Roy nicht minder spannende Geschichten, manche sind sogar echte Kriminalgeschichten. Schon häufig in seiner 30-jährigen Karriere hat er Fälschungen aufgespürt, Manipulationen entdeckt oder auch das Gegenteil davon. Ein Bild, das alle für eine billige Kopie hielten, entpuppte sich unter seinem Rastertunnelmikroskop als echtes Meisterwerk.
Nun hat das Museum, das eine der umfassendsten und bedeutendsten Sammlungen der Welt beherbergt, der stillen Arbeit von Roy und seiner Abteilung eine eigene Ausstellung gewidmet: "Kunst unter der Lupe - Fälschungen, Fehler & Fundstücke". "So eine Schau hat es noch nie in dieser Form gegeben", sagt der Forscher und läßt dabei für einen Moment seine Bescheidenheit beiseite: "Als wir die Ausstellung präsentiert haben, sagte ein französischer Kunstkritiker, dass so etwas in seinem Land undenkbar wäre."
Denn gewöhnlich verschwinden Gemälde, die sich als Plagiat herausgestellt haben, schamhaft in den Asservatenkammern der Museen. "Man muss zu seinen Fehlern stehen", findet Roy hingegen, und die langen Schlangen am Eingang geben ihm recht, dass man mit seinen eigenen Schwächen sogar echte Erfolge feiern kann.
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...ist das jetzt die aktuelle Fälschung des SPON, oder ein Falsifikat des Autors??? mehr...
Da können sie sich auch fragen, warum gehen Menschen ins Museum? Jedes Bild gibt es doch auch als Druck zu kaufen. Kein Mensch muss nach Paris fahren ums ich die Mona Lisa anzuschauen. Sie kaufen sich einen Nachdruck und hängen [...] mehr...
Der Artikel passt ja ganz gut zu den aktuellen Kunstfälscher Ereignissen in Deutschland. Sei es der groß angelegte Betrugsversuch mit Werken von Heinrich Campendonk oder mit Skulpturen von Giacometti. Besonders der Fall des Malers [...] mehr...
Die Menschen, die Bilder anfertigen sind Maler. der Mahler sitzt bei der NPD! mehr...
Ich werde es im Leben nicht verstehen, warum - ein schlecht gemahltes Bild ein Meisterwerk ist, weil es von Dürer stammt - ein gut gemahltes Bild aber Schund ist, weil es von Kunze stammt Kunstwerke werden doch fürs Auge [...] mehr...
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