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05.09.2010
 

Countdown bei Bornholm

Dänische Bastlerrakete verpatzt Flugpremiere

Marke Eigenbau: Ab in den Kosmos
Fotos
Thomas Pedersen

Der Hitzeschild besteht aus Kork aus dem Teppichladen, bei der Konstruktion wurden Schrauben aus dem Heimwerkermarkt verwendet: Zwei Dänen wollen mit einer Billig-Rakete Marke Eigenbau ins All abheben. Das könnte schwierig werden, denn schon der Erstflug klappte nicht.

Hamburg - Lebensmüde seien sie nicht, erklärten die dänischen Bastler Peter Madsen und Kristian von Bengtson. Deswegen würden zunächst nicht sie mit ihrer selbstgebauten Rakete "Heat-1X-Tycho-Brahe" fliegen, sondern eine Puppe.

Und doch: In etwa vier Jahren wollen auch Madsen und Bengtson in den Flugkörper steigen und Richtung All abheben. Dafür hätte allerdings der Testlauf an diesem Sonntag klappen müssen. Es war die erste Etappe des Weltraumprogramms der dänischen Amateurforscher: Von einer schwimmenden Rampe auf der Ostsee sollte ihre 210.000-PS-starke Rakete 30 Kilometer hoch in die Stratosphäre fliegen.

Das Projekt hat international Aufmerksamkeit und auch Begeisterung ausgelöst, weil die Dänen mit einfachsten Mitteln bemannte Raumfahrt betreiben wollen: So verwendeten sie als Hitzeschild Korkscheiben aus einem Teppichladen, kauften die meisten Schraubsätze im Baumarkt und montierten gegen die Vereisung von Ventilen einen simplen Haartrockner. Alles in allem wollen sie für ihre Rakete nicht mehr als umgerechnet 40.000 Euro ausgegeben haben.

Alles schien bereit: Das Wetter war perfekt, die Rakete stand startklar auf der Rampe im Meer nahe der Ostseeinsel Bornholm. Sie sollte eine Kapsel, in der die Puppe stand, 20 Kilometer hoch schießen; dann sollte das Geschoss ins Meer stürzen. Die Kapsel würde - so die Hoffnung der Hobbyastronauten - weiter steigen und schließlich aus 30 Kilometer Höhe mit einem Fallschirm unversehrt zu Boden gleiten. Ein Drittel des Weges zum Weltall wäre damit geschafft.

Um zehn Uhr vormittags sollte es losgehen. Doch zur Enttäuschung der Zuschauer und der Journalisten, die das Geschehen mit gebotenem Abstand von Booten aus verfolgten, wurde der Start immer wieder verschoben. "Probleme mit der Elektronik" seien aufgetreten, hieß es. Gerüchten zufolge wurde vergessen, Batterien im Countdown-Gerät zu wechseln.

Dann die große Enttäuschung: Der Start wurde am Nachmittag auf unbestimmte Zeit verschoben. Als Grund für das Scheitern gab ein Projektsprecher ein defektes Ventil an. Der Traum von der Discount-Rakete aus dem Baumarkt wird also zunächst nicht in die Realität umgesetzt.

Rakete mit Aussicht

Für die Vordenker eine herbe Schlappe: Jahrelang hatten Madsen und Bengtson auf diesen Tag hingearbeitet. Unternehmen haben Geld für ihr Projekt gespendet. Vor ein paar Tagen dann brachten die beiden Tüftler den Flugkörper zu der schwimmenden Abschussrampe in ein Militärsperrgebiet nahe Bornholm - mit einem U-Boot, einem selbstgebauten, selbstverständlich. Der Start aus dem internationalen Gewässer bot den Vorteil, dass keine Regierungsvorschriften galten.

Der Testflug sollte vor allem zeigen, ob Astronauten in dem Gerät einen Flug überleben würden. Der Testpassagier - die Puppe - befindet sich in einer Kapsel, die Schutz vor Hitze bieten und die immensen Beschleunigungskräfte der vierfachen Erdanziehungskraft abfedern soll.

Die Puppe hat es nicht sonderlich bequem, sie steht aufrecht in der 65 Zentimeter schmalen Röhre. Normalerweise liegen Astronauten beim Raketenstart, so dass sie mit dem Rücken nach unten gepresst werden. So lassen sich große Beschleunigungen leichter ertragen. Dafür sind aber breitere Raketen und damit ein stärkerer Antrieb notwendig.

Ihre Rakete sei wie ein "zweiter Anzug des Astronauten", sagte Peter Madsen der Wissenschaftszeitschrift "New Scientist". Aufrechtes Fliegen böte neben dem sparsamen Bau einen weiteren Vorteil: Die Aussicht sei besser. Noch nie seien Astronauten mit Blick auf die Erde ins All geflogen. Auch während des Landeflugs mit der Kapsel hätten die Astronauten nichts weiter zu tun, als hinaus zu blicken. Sie genössen somit eine bessere Aussicht als Nasa-Astronauten.

Er würde das "visuelle Erlebnis" gerne baldmöglichst erfahren. Das wird wohl noch eine Weile dauern.

boj/dpa

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06.09.2010 von einuntoter: Doppel-s

Dass dieses Genie das Wort Sprache falsch geschrieben hat, mag ein Tippfehler sein, aber dass es Probleme mit den Wörtern "dass" und "das" hat, disqualifiziert ihn als Oberlehrer. mehr...

06.09.2010 von rotakiwi: Baumarkt

Ist doch ok. Ich glaube nämlich beispielsweise, dass der Stahl, aus dem die Baumarktschrauben hergestellt werden, mit seiner Zugfestigkeit von rund 7hN/mm^2 nicht so schnell bricht wie dieser komische abgebrochene (ok, [...] mehr...

06.09.2010 von JaguarCat: Wieso verboten?

Volle Zustimmung! Wieso wäre das illegal? Vielleicht müsste man hierzulande für so was ein Gewerbe annmelden, notfalls reicht wahrscheinlich auch ein Verein. Und garantiert muss man zahlreiche Sicherheitsvorschriften beim [...] mehr...

06.09.2010 von cosmo72: Bürger im All

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06.09.2010 von soisses1: Mal

abgesehen von dem vielen Geld, das verschwendet wurde. Das hätte man doch viel sinnvoller in die leeren, am besten Deutschen Sozialkassen gesteckt ... glglglgl. mehr...

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