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Paläontologe im Interview "Als Denkhilfe sind Dinofilme nicht schlecht"

Wie wirkt sich die öffentliche Begeisterung für Dinosaurier auf die Wissenschaft aus? SPIEGEL ONLINE sprach mit dem Paläontologen Martin Sander über Populärwissenschaft, Studentenzahlen und Forschungsgelder.

SPIEGEL ONLINE:

Herr Sander, Disneys "Dinosaur" wird wohl, ähnlich wie "Jurassic Park", wieder einen großen Dino-Boom auslösen. Was halten Sie davon?

Sander: Im Prinzip finde ich das eine gute Sache für uns Paläontologen. Jede Wissenschaft kann sich freuen, wenn sie so ein Interesse produziert. Wir müssen dann nur immer sagen, dass wir die Paläontologen diejenigen sind, die die Grundlagen für solche Filme liefern.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben als wissenschaftlicher Berater für die Buchversion von "Im Reich der Giganten" mitgewirkt.

Sander: Wir interessieren uns dafür, was wir effektiv über die Biologie der Dinosaurier aussagen können und wie wir uns dem Problem mit wissenschaftlichen Mitteln nähern können. "Im Reich der Giganten" macht recht deutlich, dass es in den meisten Fällen gut gemachte Spekulationen sind. Das ist nichts wirklich Hanebüchenes drin. Viel ist aus sehr unvollständigem Wissen abgeschätzt. Aber ich denke, dass ist absolut legitim

SPIEGEL ONLINE: Einige Ihrer Kollegen kritisieren doch sicher populärwissenschaftliche Darstellungen?

Sander: Ich denke, gerade in der Paläontologie haben wir inzwischen gelernt, damit umzugehen. Bei mir persönlich ist es so, dass ich mir bewusst bin, wie mächtig Bilder sind. Wenn man sich Gedenken macht, wie so ein Tier ausgesehen hat, wie es gelebt hat, dann können solche Dinge durchaus anregend sein. Man darf nicht in die Falle laufen zu sagen, im Film sah das so aus, also war es so. Aber als Denkhilfe ist das gar nicht schlecht.

SPIEGEL ONLINE: Also hat unter den Paläontologen im Hinblick auf die Verbildlichung ein Bewusstseinswandel stattgefunden?

Sander: Das denke ich schon. Man muss vielleicht ein bißchen zwischen den Deutschen und internationalen Kollegen unterscheiden. Der Hintergrund dafür ist simpel: In Deutschland wurde die Forschung über Dinosaurier wenig betrieben. Wir sind historisch eher an die Geowissenschaften angebunden. In England sind die meisten Paläontologen Zoologen, die viel eher biologische Fragen stellen. Und auch die Amerikaner sind eher unverkrampfter.

SPIEGEL ONLINE: Zurück zum Dino-Boom. Schlägt der sich eigentlich in steigenden Studentenzahlen nieder?

Sander: Vor allem bringt es uns wieder qualifizierte Studenten. Wir hatten in der Vergangenheit Leute, die selten interessiert und engagiert waren. Diejenigen, die über die Dinosaurier-Schiene kommen, bringen viel eigenes Engagement mit.

SPIEGEL ONLINE: Und diese engagierten Studenten sind nicht enttäuscht, wenn im Studium eher trockene Fächer wie Mineralogie warten?

Sander: Das sehen die schon ein. Zuerst muss man, wie in jedem Studienfach, die Hausaufgaben machen. Und wenn geforscht wird, wird es schnell interessant. Wir liefern die Grundlagen dafür, dass solche Filme gemacht werden.

SPIEGEL ONLINE: Bringt das öffentliche Dino-Interesse mehr Geld für "seriöse" Forschung?

Sander: Da haben wir sicher Vorteile. Wir können nicht nur in Deutschland Forschungsgelder einwerben. Es gibt amerikanische Stiftungen und die National Geographic Society, die haben durch das große öffentliche Interesse mehr Geld für die Dinosaurierforschung. Wir können nur froh sein, dass das so läuft.

Die Fragen stellte Christoph Seidler.

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