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Klischeehaft Wie deutsche Schulbücher Ausländer darstellen

In deutschen Schulbüchern wird das Bild von Ausländern noch immer stark von Klischees beeinflusst. Nach einer Studie von drei Frankfurter Forschern hat sich die Darstellung in den letzten 20 Jahren zwar gewandelt, ob sie sich jedoch objektiver geworden ist, zweifeln die Wissenschaftler an.

"Das stereotype Bild von Fremden wird bestärkt und nicht in Frage gestellt", lautet das Fazit eines Frankfurter Forschertrios um den Erziehungswissenschaftler Frank-Olaf Radtke. "Schon nach der ersten Durchsicht des Materials stand in Frage, ob Schulbücher die Aufklärungsfunktion erfüllen, die ihnen bildungspolitisch zugeschrieben wird.", so die Forscher.

Stereotype in Schulbüchern: Ausländer und Deutsche werden als "Gegenteil" präsentiert
AP

Stereotype in Schulbüchern: Ausländer und Deutsche werden als "Gegenteil" präsentiert

Migrantenkinder und deutsche Kinder würden in Schulbüchern gegeneinander gestellt - als zwei unterschiedliche Gruppen, denen ganz verschiedene Rollen und soziale Positionen zugewiesen werden. Deutsche und Fremde werden demnach als "Gegenteile" verstanden im Sinne von "wir" und "sie". Eine moderne Stadtwelt und eine landwirtschaftlich geprägte Dorfwelt prallen aufeinander, eine aufgeklärte, liberale Familie wird einer traditionell und religiös eingestellten Verwandtschaft gegenübergestellt. Solche Darstellungen verstärkten nicht nur die Vorurteile der Deutschen, sondern hätten auch einen ungewollten Nebeneffekt für die Ausländer, glauben die Forscher: "Nach zehn Schuljahren wissen die Migrantenkinder, dass sie kulturell 'fremd' sein müssen, um angenommen zu werden."

Oft enthielten die Bücher - untersucht wurden Werke ab 1981 - vermeintlich progressive Vorschläge zur Unterrichtsgestaltung wie "Stellt Euren Mitschülern Fragen". "Das macht die Migrantenkinder zum Objekt", finden jedoch die Autoren der Studie.

Für ihre Studie erstellten die Forscher eine "virtuelle Schülerbiografie": Sie lasen die am häufigsten verwendeten Schulbücher aus jeder Jahrgangsstufe und fanden so heraus, was ein Jugendlicher im Laufe einer zehnjährigen Schulzeit über Ausländer lernt. Unter anderem lerne er, dass Migrant-Sein mit einem Defizit einhergeht: "Gastarbeiterkinder können nicht so gut Deutsch, Lesen und Schreiben", heißt es zum Beispiel in einem älteren Lehrbuch.

Dennoch hat sich in den vergangenen 20 Jahren das Bild der Migranten in den Schulbüchern gewandelt. Zeitversetzt zu einer veränderten Auffassung in der Politik und den Medien fanden neue Bilder Eingang in die Schulbücher. Ob diese jedoch objektiver und gerechter sind als die alten, wird von den Forschern bezweifelt.

In den achtziger Jahren ist der Schulbuch-Ausländer ein "Gastarbeiter". In dieser Phase wird die Heimat der Ausländer als vormodern, Deutschland als modern gezeichnet. Ausländer streben danach, sich möglichst schnell dem deutschen Leben anzupassen. In den neunziger Jahren hat sich der Schulbuch-Ausländer zum "Fremden" gewandelt - er sitzt zwischen zwei Stühlen: Ein Deutsch-Türke beispielsweise ist nicht ganz Türke, aber auch nicht ganz Deutscher. Daher hat er mehr Probleme. Hinter dieser stereotypen Darstellung vermuten die Forscher einen grundlegenden Wandel in der Beurteilung des vermeintlichen "Ausländer-Problems": Der Knackpunkt ist nicht ein Konflikt zwischen Deutschen und Ausländern, die Krux ist der innere Konflikt eines (ausländischen) Individuums.

Und das hat fatale Folgen, glaubt Thomas Kunz, der als Gesellschaftswissenschaftler an der Studie mitarbeitete: "Bestand das Problem in der ersten Phase der Ausländerpädagogik in Sprachdefiziten und Lernschwierigkeiten, die durch Förderung behoben werden sollten, erscheint das Problem heute als unvermeidbarer Kultur-Konflikt, mit dem das einzelne Kind leben muss."

Verbesserungsvorschläge für Schulbuchverlage wollten die Autoren bewusst nicht geben. Sie glauben auch nicht, dass bessere Bücher das Verhältnis zwischen Deutschen und Migranten besser machen. Im Gegenteil: Zunächst müsse sich die Gesellschaft wandeln, dann erst werde diese Erfahrung in die Schulbücher einfließen.

Auch der Bundesausländerbeirat sieht zunächst ein gesellschaftliches Problem: Dass Zugewanderte "zum Sozialproblem degradiert werden" sei kein alleiniges Problem der Pädagogik - die Schule sei vielmehr ein Spiegel der Gesellschaft. Dennoch könnte man nach Meinung des in Wiesbaden ansässigen Gremiums gut bei den Schulbüchern anfangen, wenn man an der gegenwärtigen Situation etwas ändern wolle.

Sandra Trauner

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