Nevada 132 Jahre altes Wildwest-Gewehr lehnte an Baum

Archäologen haben in Nevada ein 132 Jahre altes Winchester-Gewehr gefunden. Die legendäre Waffe lehnte an einem Baum - und das möglicherweise seit einem Jahrhundert.

Von Veronika Wulf

AFP

Nach vielen Jahren in der Wildnis hat sich das Gewehr seiner Umgebung angepasst: Der Lauf ist rostig, der Holzschaft grau und rissig - so wie der Wacholderbaum, an dem die Waffe lehnte. Nur durch Zufall stieß ein Archäologenteam bei seinen Untersuchungen im Great-Basin-Nationalpark in Nevada im November auf die Waffe.

Die Parkverwaltung weiß nicht, wie das Gewehr dorthin gelangt ist. Aber es sehe so aus, "als ob es jemand dort abstellte, sich zum Essen hingesetzt hat und dann ohne das Gewehr weggegangen ist", sagt Nationalpark-Mitarbeiterin Nichole Andler. Die Waffe sei nicht geladen gewesen.

Offensichtlich hat das Winchester-Gewehr viele Jahre im Freien erlebt. Sonne, Wind, Regen und Schnee setzten ihm zu, doch die Gravur ist noch zu lesen: "Model 1873" und eine Seriennummer. Dadurch fand das Waffenmuseum in Cody (US-Bundesstaat Wyoming) schnell heraus, dass es sich um eine Winchester Kaliber 44-40 handelt, hergestellt im Jahr 1882.

Wer der Besitzer war, wird aber vermutlich nie geklärt werden. "Die Daten von Winchester geben nicht an, wer das Gewehr gekauft hat oder wohin es von er Lagerhalle aus verschifft wurde", schreibt die Parkverwaltung auf ihrer Facebook-Seite.

Ist der Baum nicht gewachsen?

Die unwirtliche, abgelegene Gegend im Osten Nevadas nahe der Grenze zu Utah wurde zu der Zeit, als die Waffe verkauft wurde, hauptsächlich für Bergbau und Viehwirtschaft genutzt. Erst seit 1986 gibt es dort einen Nationalpark.

"Wir wissen, dass das Gewehr schon eine ganze Weile da draußen stand, weil sich der Schaft in den Dreck gegraben hatte", erklärt Andler. Es könne gut sein, dass die Waffe mehr als hundert Jahre lang nicht bewegt wurde.

Ist das aber möglich angesichts der Tatsache, dass der Baum in einer so langen Zeit wächst? Durchaus, meint Gregor Aas, Dendrologe an der Universität Bayreuth. "Wacholder wachsen sehr langsam, vor allem unter den klimatischen Extrembedingungen, wie sie in der Wüste herrschen." In 100 Jahren nehme der Baumstamm dort nur etwa 10 bis 20 Zentimeter an Umfang zu. "Er würde das Gewehr also nicht umschmeißen", meint der Baumexperte.

Das Gewehr aus den Indianerkriegen

Das Winchester-Gewehr spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte Amerikas. Zwar stellte Winchester Repeating Arms auch viele andere Waffen her, berühmt aber wurde das Unternehmen mit dem damals revolutionären Gewehr, einen sogenannten Unterhebel-Repetierer. 1866 erschien das erste Modell, die am weitesten verbreitete Variante war das Modell 1873. Allein von ihm wurden bis 1916 mehr als 720.000 Stück gefertigt.

Das Timing konnte damals aus Sicht des Herstellers nicht besser sein. Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg (1861 bis 1865) begann die rasante Besiedlung des Westens und die Endphase der Indianerkriege. Die Winchester gilt bis heute als "das Gewehr, das den Westen eroberte", nicht zuletzt dank zahlreicher Hollywood-Filme: Kaum ein Western kommt ohne Winchester aus.

Das Exemplar, das jetzt in Nevada entdeckt wurde, soll übrigens nicht restauriert werden. Die Verwaltung des Nationalparks plant, die Waffe in ihrem jetzigen Zustand zu konservieren. 2016 soll sie zum 30. Jahrestag der Park-Gründung ausgestellt werden.

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