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Ausgegraben

Fund im Garten Der Kulturbeutel im Grab des Wikingers

Vergrabene Werkzeuge: Waffen, Hämmer, Ambosse, Zangen, Schwert, Axt und Vieles mehr fanden die Archäologen Zur Großansicht
UIB/ Howell Roberts

Vergrabene Werkzeuge: Waffen, Hämmer, Ambosse, Zangen, Schwert, Axt und Vieles mehr fanden die Archäologen

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Selbst die bärtigen Wikinger haben sich rasiert: In einem 1200 Jahre alten Grab aus der Wikingerzeit fanden Archäologen 200 Werkzeuge - samt der Pflegerequisiten des beerdigten Schmieds.

Schon lange irritierten Leif Arne Nordheim die großen Steinplatten in seinem Garten. Egal was er tat, sie lagen nie ganz flach, so wie sie es eigentlich sollten.

Eines Tages im vergangenen Herbst hatte der Bauer aus Sogndalsdalen an der norwegischen Westküste schließlich genug von den störrischen Steinen. Er begann, sie beiseite zu räumen - und fand darunter einen Schmiedehammer und große Zangen. Die müssen dort schon etwas länger gelegen haben, folgerte er - und informierte die Behörden.

Asle Bruen Olsen und Howell Roberts vom Museum der Universität Bergen sahen sich den merkwürdigen Fund näher an. Die beiden Forscher ahnten gleich, wie lange die Schmiedewerkzeuge dort schon lagen: seit rund 1200 Jahren, seit der frühen Wikingerzeit. "Mittlerweile haben wir zwei Radiokarbon-Datierungen, die mit dieser Schätzung übereinstimmen", erklärt Roberts.

Wenige Tage später begann die Notgrabung in Nordheims Garten. Dort hatte nicht etwa ein Schmied sein altes Arbeitsgerät entsorgt. Stattdessen stießen die Archäologen auf ein aufwendiges Grab. "Bestattungen mit Schmiedewerkzeugen sind zwar ungewöhnlich, aber gar nicht so selten", so Roberts, "aber die Anzahl von Objekten in diesem Grab und der Erhaltungszustand sind tatsächlich außergewöhnlich. Es handelt sich wahrscheinlich um den beeindruckendsten Fund dieser Art, der in der Region im ganzen vergangenen Jahrhundert gemacht wurde."

Rasiermesser und Schere

Obenauf lagen die Schmiedewerkzeuge und Waffen. Unter anderem besaß der Tote drei Hämmer, zwei Ambosse, Zangen, ein Schwert und eine Axt. Darunter fanden sie feinere Geräte - den Kulturbeutel des Schmieds: Rasiermesser und die Schere, mit denen er seinen Bart getrimmt hatte, waren ihm offenbar wichtig genug gewesen, um sie ins Jenseits mitzunehmen. Selbst Wikinger haben ihre Bärte nicht ungehemmt wachsen lassen.

Ganz unten in der Grabgrube lag schließlich Holzkohle vermischt mit kleinen Knochenresten - die sterblichen Überreste des Schmieds, die nach der Einäscherung auf dem Scheiterhaufen übrig geblieben waren. "Noch sind die Knochen zwar nicht eindeutig identifiziert", gibt Roberts zu, "aber wir sind uns ziemlich sicher, dass es sich hier um die verbrannten Reste eines Menschen handelt."

Zwischen der Asche und den Knochen lagen jene Gegenstände, die der Tote wohl direkt am Körper getragen hatte, als die Flammen ihn verzehrten: Perlen und ein Kamm aus Knochen. Die schiere Anzahl der Artefakte spricht für den Reichtum des Mannes. Insgesamt konnten die Archäologen an die 200 Objekte und Fragmente bergen.

"Wir vermuten, dass die Zeitgenossen des Schmieds zeigen wollten, wie geschickt er bei der Arbeit war, indem sie so viele Objekte mit in sein Grab legten", erklärt Roberts Kollege Asle Bruen Olsen auf der norwegischen Webseite "forskning.no". "Er wird wahrscheinlich viele dieser Werkzeuge selber angefertigt haben."

Alles spricht dafür, dass der Handwerker aus der Region stammte, in der er auch begraben wurde. "Und er genoss wahrscheinlich ein hohes Ansehen in der Gesellschaft", schließt Olsen.

14 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
rroseselavie 30.01.2015
Linda14 30.01.2015
Deep_Thought_42 30.01.2015
artusdanielhoerfeld 30.01.2015
rot 30.01.2015
Linda14 30.01.2015
Deep_Thought_42 30.01.2015
sicherheitsbeauftrager 31.01.2015
Miere 31.01.2015
Linda14 31.01.2015
haltetdendieb 01.02.2015
Linda14 01.02.2015
Linda14 01.02.2015
lemmuh 11.02.2015

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Zur Autorin
  • Sabine Bungert
    Angelika Franz ist Archäologin. Als freie Autorin schreibt sie meistens über Kriege, Seuchen und alles, was verwest, verrottet und verfallen ist. Trotzdem ist sie keineswegs morbide veranlagt, sondern findet vielmehr, dass Archäologie die praktischen Dinge des Lebens lehrt. Bei Bedarf kann sie ein Skalpell aus Flint schlagen, in einer Erdgrube Bier brauen oder Hühner fachgerecht mumifizieren.
  • Homepage von Angelika Franz

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