Erziehung in der Antike 2000 Jahre altes Gymnasion in Ägypten entdeckt

Im antiken Griechenland wurden Jugendliche in privaten Gymnasien erzogen. Eine solche Stätte aus der hellenistischen Zeit wurde nun erstmals in Ägypten gefunden.

Grabungsstätte in Watfa
AP/ Egyptian Ministry of Antiquities

Grabungsstätte in Watfa


Südwestlich von Kairo haben Archäologen die Überreste eines mehr als 2000 Jahre alten griechischen Gymnasions entdeckt. Der Fund zeige den Einfluss griechischen Lebens auf Ägypten, heißt es.

Die Ruinen wurden in der Grabungsstätte Watfa in der Provinz Fajum gefunden. Sie stammen aus der hellenistischen Zeit, etwa 336 bis 30 vor unserer Zeitrechnung, teilte das ägyptische Antikenministerium mit.

Private Gymnasien dienten im antiken Griechenland dazu, Jugendliche zu erziehen. Die Schüler hätten dort lesen und schreiben gelernt und Sport getrieben, sagte der Direktor der ägyptischen Antikenbehörde, Aiman Aschmawi. Es handele sich um das erste in Ägypten entdeckte hellenistische Gymnasion. Die Forscher fanden Überreste einer großen Halle für Treffen, eines Speisesaals sowie einer fast 200 Meter langen Laufbahn.

Das Gymnasion zeige deutlich den Einfluss des griechischen Lebens auf Ägypten, nicht nur in der nordägyptischen Stadt Alexandria, zitierte das Ministerium die deutsche Archäologin Cornelia Römer, die die Ausgrabung leitet. Der 323 vor unserer Zeitrechnung gestorbene Feldherr Alexander der Große war mit seinen Truppen bis nach Ägypten vorgestoßen und hatte dort den griechischen Einfluss verbreitet.

brt/dpa

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ede-wolff 07.11.2017
1. Griechisch!!
Basiskenntnisse in Altgriechisch wären durchaus hilfreich gewesen, das - zugegebenermaßen naheliegende - Missverständnis von gymnasion = Schule zu vermeiden. Das griechische gymnasion war eine Art Turnhalle, worauf erstens der Wortstamm gymnos = nackt und zweitens der archäologische Fund einer langen Halle hinweist. Übrigens hätten auch Englischkenntnisse geholfen, denn gymnasium (engl.) heißt ebenfalls nicht Schule, sondern Turnhalle
neanderspezi 07.11.2017
2. Ein Bild für die Unsicherheit vergangener Kulturanstrengung
Kultureller Einfluss lässt sich nicht von jetzt auf nachher einer anders ausgerichteten Kultur in die Wiege legen. Die Hellenen werden durch eine Reihe überlegener Einrichtungen wie hoch entwickelten Ausbildungsmaßnahmen und Maßnahmen zur sportlichen Ertüchtigung in ihren Stadtstaaten über längere Zeit ihren Einfluss in Ägypten geltend gemacht haben. Ihre Hochkultur hat sich bedauerlicherweise nicht gegen die militärische Überlegenheit der Römer dauerhaft behaupten können und so haben Europa und Nordafrika sich von hellenistischer Seite angeregter geistig/philosophischen Entwicklung zunehmend entfernt und den rustikalen, dem Umgang mit Waffen und deren Anwendung dominierten Interessen Roms nachgeeifert.
philosophus 07.11.2017
3. @ede-wolff
Sie haben vollkomen recht. Gymnasion war der Ort der Gymnastik, der körperlicher Übung. Gelernt und ausgebildet wurden die alten Griechen in dem Scholeion. Deutsch Schule, Fr. école, Spanisch escuela, Englisch schoolusw...
lachina 07.11.2017
4.
Zitat von neanderspeziKultureller Einfluss lässt sich nicht von jetzt auf nachher einer anders ausgerichteten Kultur in die Wiege legen. Die Hellenen werden durch eine Reihe überlegener Einrichtungen wie hoch entwickelten Ausbildungsmaßnahmen und Maßnahmen zur sportlichen Ertüchtigung in ihren Stadtstaaten über längere Zeit ihren Einfluss in Ägypten geltend gemacht haben. Ihre Hochkultur hat sich bedauerlicherweise nicht gegen die militärische Überlegenheit der Römer dauerhaft behaupten können und so haben Europa und Nordafrika sich von hellenistischer Seite angeregter geistig/philosophischen Entwicklung zunehmend entfernt und den rustikalen, dem Umgang mit Waffen und deren Anwendung dominierten Interessen Roms nachgeeifert.
Kann man nicht nur negativ sehen. Wohl haben die Römer Griechenland erobert, aber sie waren gelehrige Schüler und haben hellenisches Gedankengut übernommen und im ganzen Imperium verbreitet. erst der hohe Organisationsgrad des römischen Reiches machte Bildung einer größeren Schicht von Bürgern ( und auch Bürgerinnen!) zugänglich.
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