Köln Forscher entrollen 2300 Jahre alte Papyrusrolle

Weltweit sind nur gut hundert vergleichbare Dokumente bekannt: In Köln haben Forscher eine Papyrusrolle aus dem Alten Ägypten entziffert. Darauf sind Aufmunterungen für den Weg ins Jenseits zu lesen.

DPA

Eine rund 2300 Jahre alte Papyrusrolle aus Ägypten ist von Restaurierungsexperten der Technischen Hochschule Köln in einem aufwendigen Verfahren entschlüsselt worden.

Bereits am vergangenen Mittwoch hatten Mitarbeiter der Hochschule mit der Arbeit begonnen. Am Montag wurden die letzten Stücke der insgesamt 4,70 Meter langen Grabbeigabe entfaltet.

Zum Einsatz kam eine bewegliche Feuchtekammer, die das Papier vor dem Zerbröseln schützte. "So was erlebe ich auch erst zum zweiten Mal in meinem Leben", sagte Robert Fuchs, Experte für Papierrestaurierung.

Ein Kunsthändler erwarb die Rolle von einem Archäologen aus England und brachte sie nach Köln. Bei dem Stück handelt es sich um eine Grabbeigabe eines Ägypters.

Verkokelte Papyrusrolle

Auf dem Papyrus stehen Aufmunterungen, die dem Toten seinen Weg ins Jenseits erleichtern sollten. "Für die Ägypter war der Tod kein Tabuthema. Man kümmerte sich schon zu Lebzeiten um seine Grabbeigaben", sagte die Ägyptologin Irmtraut Munro.

Was nun mit der Rolle passiert, entscheidet der Eigentümer. Er soll vorhaben, das Stück einem Museum zur Verfügung zu stellen.

Weltweit sind nur rund hundert bis 150 vergleichbare gut erhaltene Papyrusrollen bekannt. Jüngst hatten Forscher eine beim Ausbruch des Vesuvs vor fast 2000 Jahren verkokelte Papyrusrolle entziffert.

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Papyrus: Alte Schriften lesen mit Röntgenstrahlung

boj/dpa

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insgesamt 12 Beiträge
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LJA 10.11.2015
1. Durchaus beeindruckend
Allerdings nicht ganz so, wie es zunächst scheint. Vor 2300 Jahren wurde Ägypten bereits von den Griechen beherrscht. Bis zur Okkupation durch die Römer kamen die Herrscher aus der Ptolemäi Familie. Die Verwendung von alt-ägyptischen Hieroglyphen, wurde damals nur noch künstlich am Leben gehalten. Damit sollte der legitime Anspruch der Herrscherfamilie und der Priesterschaft dokumentiert werden. Im Alltagsgebrauch wurden hingegen Griechisch und Demotisch verwendet.
Stäffelesrutscher 10.11.2015
2.
Zitat von LJAAllerdings nicht ganz so, wie es zunächst scheint. Vor 2300 Jahren wurde Ägypten bereits von den Griechen beherrscht. Bis zur Okkupation durch die Römer kamen die Herrscher aus der Ptolemäi Familie. Die Verwendung von alt-ägyptischen Hieroglyphen, wurde damals nur noch künstlich am Leben gehalten. Damit sollte der legitime Anspruch der Herrscherfamilie und der Priesterschaft dokumentiert werden. Im Alltagsgebrauch wurden hingegen Griechisch und Demotisch verwendet.
Inwieweit das »nicht ganz so« beeindruckend ist, können wir gerne in 2.300 Jahren beurteilen, falls die dann noch lebenden Menschen versuchen sollten, eine Festplatte, eine DVD oder einen USB-Stick zu »lesen«.
io_gbg 10.11.2015
3.
Wie man auf den Fotos erkennen kann, geht es aber nicht ganz ohne Bröseln ab. Jede Nutzung eines historischen Objektes führt notwendig auch zur weiteren Ab-Nutzung. Digitalisieren sowie vielfach reproduzieren und natürlich das Original möglichst konservierend bewahren, sind die Voraussetzungen für eine längere "Lebenszeit" des Objekts.
rudy532 10.11.2015
4.
Zitat von StäffelesrutscherInwieweit das »nicht ganz so« beeindruckend ist, können wir gerne in 2.300 Jahren beurteilen, falls die dann noch lebenden Menschen versuchen sollten, eine Festplatte, eine DVD oder einen USB-Stick zu »lesen«.
Der Author spricht in seinem Artikel von einer Schriftrolle aus dem "Alten Aegypten".Das bezieht sich,wie LJA richtig feststellt auf die Zeit der Pharaonen.Eine dreitausenddreihundert Jahre alte Rolle wäre wirklich eine Sensation.
willibaldus 10.11.2015
5. Die Schriftkenntnis bis ins neue Reich
war nicht allgemein. Schon hunderte Jahre vor Alexander hat sich die demotische Schrift in Ägypten verbreitet eine alphabetische Schreibschrift eines Südägyptischen Dialekts. Dass Glyphen, demotisch und griechisch zeitlang parallel gebraucht wurden zeigt schon der Stein von Rosetta, mit dem man die Hieroglyphen entschlüsseln konnte. Der letzte Pharao Ägyptens war Kleopatra. Aus einer griechischen Familie, aber mit allen Merkmalen und Symbolen der ägyptischen Kultur. Ähnliches gab es vorher schon mal, als Kisch ein von ägyptischer Kultur beeinflusstes schwarzafrikanisches sudanesisches Land 200 Jahre lang die Pharaonen stellte.
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